Warum spielen manche Leute ein Haustier?

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Warum spielen manche Leute ein Haustier?

Beitragvon SirHermann » 14. Aug 2014 12:10

Im normalen Alltag sieht man sie eher selten. Am Christopher Street Day sieht man Petplayer dann aber an der Parade teilnehmen, die für Toleranz gegenüber 'anderen Lebensentwürfen' wirbt.

Ein gewichtiger Grund, warum viele den Fetisch ‚Petplay’ mögen, ist dass dem ein "Anti-Stress-Prozess von den Strapazen des Alltags“ innewohnt. Es ist eine große psychische und emotionale Befeiung, nach Hause zu kommen und die Einschränkungen des Menschseins draußen vor der Tür zu lassen. Man muss nicht mehr der Erwartungshaltung der Mitmenschen entsprechen, kann seine Gefühle leben, quasi „das Tier in sich“ herauslassen. Ein weiterer Grund ist, dass sinnfreies Spiel einfach Spaß macht. Vielen wird bald das Spiel mit sich selbst langweilig. Findet sich ein Spielpartner, der die Rolle des Halters/Trainers übernimmt, wird es jedoch dauerhaft interessant, weil keiner der Spielpartner die unzähligen Varianten der Interaktion Halter/Haustier vorhersehen kann.

Was kann man tun im Spiel zwischen Haustier und Halter?

- Die verbale Kommunikation kann eingeschränkt werden, denn Haustiere verständigen sich auch nur über Mimik und Gestik mit einzelnen Lauten. Der Halter übt einzelne Kommandos ein.
- Tricks einüben, wie „Bei Fuß“ an der Leine gehen.
- Nahrung aus Schüsseln aufnehmen ohne den Einsatz von Händen und / oder Besteck.
- Lernen, ein Katzenklo statt einer Toilette zu benutzen, oder sogar nach draußen zu gehen, wo das möglich ist.
- Käfighaltung, wer das mag.
- Nicht ohne Genehmigung auf Sitz- oder Liegemöbel gehen.

Auch die Sicherheit zu beachten ist unglaublich wichtig:

Menschen haben unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse als Tiere. Daher ist es kaum möglich echtes Tierfutter über einen längeren Zeitraum zu sich zu nehmen. Was bei echten Haustieren verpönt ist - das Essen vom Tisch -, sollte im Petplay die Regel sein! Es gibt viele Möglichkeiten, Tierfutter und Leckereien zu simulieren, wie Hackbraten mit Ketchup, oder auch Leckereien in den Formen von Knochen zu backen, usw.

Wenn man sich für die Ausbildung mit Schockhalsbändern entschließt, bitte genauestens die Anweisungen durchlesen! Ich persönlich bin nicht für diese elektrischen Spielereien, aber es ist durchaus gebräuchlich (im SM-Bereich)… Pets, die das erste Mal einen Owner kennen lernen, sollten danach fragen! Es gibt auch die Variante der „positiven Verstärkung“ in der Ausbildung, die gänzlich ohne körperliche Strafen auskommt. Diese wird heutzutage auch in der Erziehung echter Hunde angewendet und auch ich verwende die „Positive Verstärkung“.

Wenn Sie Ihr Pet in einem Zwinger halten, bedenken Sie bitte, dass diese Käfige sehr eng sind. Über einen längeren Zeitraum könnte es sonst zu Schäden an Knochen, Sehnen und Gelenken kommen.

Wenn Ihr Pet sich nur über Mimik und Gestik mit Ihnen verständigt, muss es die Möglichkeit geben sich in irgendeiner Form verbal zu äußern, wenn etwas passiert ist und/oder schief gegangen ist, sowohl körperlich als auch emotional.

Umgekehrt kann das Pet bei großem gewachsenem Vertrauen einen Teil der Verantwortung auf den Owner übertragen, denn wenn es „das Tier in sich herauslässt“ und die Kommunikation nur noch über Gestik und Mimik läuft, hat Er den besseren Überblick und wird es führen. Das Pet kann sich vertrauensvoll in seiner Rolle fallenlassen.

Dies ist nur ein sehr grober Überblick über das Petplay. Ein Hinweis noch: Petplay kann eine sexuelle Komponente haben, kann aber auch vollständig asexuell sein. Es hängt einfach vom beteiligten Paar ab, und von dem was sie vorab vereinbart haben. Bitte beachtet, dass ich bin in keiner Weise von Sodomie spreche, dem Sex mit echten Tieren! Da sind zwei oder mehr Menschen, die ein Rollenspiel spielen in den Grenzen ihres Vorab-Gespräches!

Meiner Meinung nach kann Petplay viel Spaß machen und Entspannung bringen, aber nur wenn es das Richtige für euch ist!

Ich zitiere in diesem Zusammenhang mal eine Devota, die auf die Eingangsfrage in einem anderen Forum folgendes gesagt hat:

Wir Menschen werden in unserem Alltag unheimlich von unserer ureigenen, allerdings auch Gesellschaftsgeprägten Moral geleitet. Daraus folgt zum einen die Scham, dazu kommt aber auch bei vielen Menschen die Kontrolle über sich selbst und das was passiert. Bei manchen ist dann die Kontrolle so sehr ausgeprägt, dass sie kaum das Gefühl kennen, sich fallen zu lassen, oder einmal in sich hinein zu horchen, wenn es rein um die Triebe und Instinkte geht.

Petplay, bei dem man aus seiner menschlichen Persönlichkeit heraustritt und die Rolle eines Tieres einnimmt, kann dazu beitragen auch die Kontrolle zu übergeben. Ein Tier hat nun mal keine menschliche Moral und es muss auch nicht gegen den Verstand ankämpfen, wenn die Triebe oder Instinkte an die Tür klopfen.

Das bezieht sich keineswegs nur auf Sex, ich persönlich lebe Petplay vollkommen unabhängig von meiner Sexualität. Für mich ist das Emotionale ausschlaggebend, wenn ich mich in den Space eines Tieres (Hund) hineingleiten lasse.

Ich habe SEHR große Probleme damit, Kontrolle abzugeben und mich fallen zu lassen. Kontrollverlust ist immer auch mit unbewusster Todesangst bei mir verbunden. Aber gerade darum ist Petplay für mich ein Ausgleich, wo ich meine innere Mitte – die so genannte psychische Waage – finde. Es war von mir keine bewusste Entscheidung, das Spiel zu spielen, es ist passiert und ich merkte, was es mir gibt. Man ist da irgendwie hinein gerutscht und spürte, es fühlt sich gut und befreiend an.

Wer für sich nichts Emotionales herausziehen kann, für den wird das Spiel immer befremdlich sein und bleiben. Vielleicht sogar affig. Man muss dann nur aufpassen mit dem urteilen (falls man dies vorhat)!
Für ganz viele Menschen wirkt es auch affig, wenn sie hören, da kniet ein Erwachsener vor dem anderen, weil sie sich eben nicht hinein fühlen können, - nicht wissen, was derjenige für sich dabei herauszieht. Und genauso wenig, wie die Knienden beurteilt werden möchten, genauso wenig möchten es auch die Petplayer.
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Re: Warum spielen manche Leute ein Haustier?

Beitragvon SirHermann » 6. Sep 2014 20:20

Dogplay ist ein erotisches Rollenspiel, bei dem der/die Devota die Rolle eines Hundes/Hündin übernimmt. Dogplay beinhaltet in der Regel Dominanz und Unterwerfung, aber auch Teile des Bondage, der Disziplin und der Demütigung können verwendet werden. Es hat also eine große Bandbreite innerhalb der jeder SEIN DOGPLAY finden kann.

Ich unterscheide hier:

"Erzwungenes" Dogplay, in denen der/die Doggie wie ein Tier behandelt wird und von seinem Trainer / Besitzer / Halter gezwungen wird, sich wie ein Tier zu verhalten. Diese Art des Dogplay beinhaltet typischerweise Demütigung, da der/die Doggie ein Mensch ist, der gezwungen wird, die Rolle eines Caniden zu einzunehmen und sich so erniedrigt fühlen kann. Masochistische Charaktere bei den Doggies und sadistische bei den Haltern mögen dies.

Dabei sollte noch erwähnt sein, dass hier (wie im BDSM allgemein) das Pony eingewilligt hat, so zu spielen und nicht wirklich gezwungen wird. Dogplay ist Konsens!

Im Gegensatz dazu gibt es Leute, für die es ein Faible ist ein Hund/eine Hündin zu „werden“. Sie leben ihren Fetisch Dogplay meist alleine zuhause nach Feierabend, tauchen in den anderen Charakter ein und lassen damit den Stress des Arbeitsalltags hinter sich. Wenn diese Menschen einen Halter finden, für den Dogplay ebenfalls eine Lebenseinstellung ist, spielt Demütigung der Regel keine Rolle. In dieser Art des Dogplay wird übernimmt der/die Doggie den Charakter eines Hundes in seiner arbeitsfreien Zeit, also nachmittags, an den Wochenenden, im Urlaub. Der Halter übernimmt die Verantwortung für sein Doggie, versorgt es, kümmert sich um alles, gibt ihm/ihr Zuwendung, trainiert Hundekommandos, fährt zu Events gemeinsam mit vielen Dogplayern – kurz, er ist einem Halter eines echten Hundes nicht unähnlich.

Beides sind die Eckpunkte der Bandbreite in dem sich das persönliche Dogplay positioniert. Es kann asexuell nur auf die Tierrolle konzentriert sein, oder auch erotisch-sexualisiert genossen werden.

Die Ausbildung der Doggies im "Fetisch-Dogplay" wird sehr eng an die Methoden der Ausbildung echter Hunde angelehnt. Im "SM-Dogplay" sind die Methoden der Ausbildung eher als „mittelalterlich“ zu bezeichnen.

Die Ausrüstung ist anfangs sehr einfach. Ein Halsband mit einer Leine und Knieschoner reichen völlig aus. Bald wird ein Napf hinzukommen. Eine Saugflasche, wie man sie von den Bikern kennt KANN hinzukommen. Dann wird ein großer Hundekorb oder ähnliches angeschafft werden. Weitere Accessoires können sein: Ein Gummi-, Leder- oder Fellimitatanzug, Pfotenhandschuhe, ein Analplug mit Hundeschweif, eine Hundemaske, eine Transportbox für Großhunde (anzubringen im Kofferraum eines PKW), ein Hundekäfig, oder -zwinger...

Dogplay ist keine neumodische Erscheinung, eine „Perversion der Neuzeit“, sondern hat eine lange Geschichte über die letzten Jahrtausende. Immer wieder kann man in klassischen Werken schon davon lesen.

Der Reiz des Dogplay variiert mit den beteiligten Personen. Der offensichtlichste Faktor ist der zwischenmenschliche. Das Dogplay schafft eine intensive Sinneserfahrung für den/die Doggie.

Ich muss sagen, ich bin vom Dogplay seit langer Zeit verzaubert. Für mich als Halter ist es die Verantwortung, die ich trage, die Zuwendung, die ich gebe, die gemeinsamen Erfahrungen bei Events. Doggies werden sicher äquivalent ähnliches berichten können. Wie auch immer, es gibt so viele Gründe Dogplay ansprechend zu finden, wie es Menschen gibt. Man muss nicht wissen, warum man es genießt, um es zu genießen!
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