Tierische Kommunikation als Doggie

Dogs / Puppys unter sich
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Tierische Kommunikation als Doggie

Beitragvon SirHermann » 2. Apr 2014 15:05

Tiere kommunizieren untereinander über Mimik und Gestik. Heimtierhalter und Tiertrainer wissen das und haben gelernt das Verhalten der Tiere zu interpretieren. So können sie in den verschiedensten Situationen adäquat reagieren.

Wenn nun ein Mensch in die Rolle eines Tieres schlüpft, entweder weil es ihn erregt oder weil er so den Alltag abstreifen und sich entspannen kann, weiß er meist auch, wie sich dieses Tier, das er verkörpert, in den verschiedensten Situationen verhält.

Küsschen geben
Hunde und Wölfe ernähren ihre Welpen in der Übergangszeit zwischen Saugen und selber jagen durch vorverdaute, wieder hochgewürgte Nahrung. Uns Menschen erscheint dieses Verhalten als nicht besonders appetitlich, weil die mit hoch gekommene Magensäure uns schlecht werden lässt.

Dabei haben die Menschen über Jahrmillionen ihre Nicht-mehr-Säuglinge auf eine sehr ähnliche Art und Weise ernährt: Sie haben ihnen vorgekaute Nahrung mit der Zunge in den Mund geschoben. Das daraus hervorgegangene Küssen wird immer noch als Ausdruck der Zuneigung verstanden.

Beim Kontakt mit Hunden ist das ebenso!

Ablecken
Eine Hündin, die ihre Welpen ableckt, um sie zu säubern, begründet damit ein Verhalten, mit dem die erwachsenen Tiere weiterhin ihre Zuneigung und Fürsorge ausdrücken. Ein Hund, der seinen Halter ableckt, zeigt damit seine Zuneigung und Unterwürfigkeit. Es ist auch ein Zeichen von Vertrauen, vergleichbar dem Lecken des Welpen in der Beziehung zur Mutterhündin.

Leider sind hygienische Bedenken nicht ganz unberechtigt. Der Hund würde es aber nicht verstehen, wenn man ihm den Ausdruck seiner Zuneigung durch strenge Verbote untersagt. Man kann das Verhalten steuern, indem man ihm die Hände zum Ablecken anbietet. Auf diese Weise lässt er das Gesicht in Ruhe und die Hände können schnell wieder gewaschen werden.

Beschwichtigungssignale
Beschwichtigungs- oder Beruhigungssignale spielen eine wichtige Rolle in der Kommunikation der Hunde. Sie werden von den Tieren eingesetzt, um sich selbst, andere Hunde oder Menschen zu beruhigen, um Aggressionen zu stoppen, um Konflikte zu lösen oder einfach um Freundlichkeit zu demonstrieren. Wenn der Rangniedere sie vor dem Ranghöheren verwendet, findet keine Aggression mehr statt. Wenn der Ranghohe sie verwendet, beruhigt sich das ganze Rudel.

Dazu gehören
- den Kopf abwenden, oft erst zur einen, dann zur anderen Seite. Das tut der Hund, wenn er sich bedrängt fühlt, wenn er z.B. von fremden Leuten gestreichelt wird.
- den ganzen Körper abwenden, dem anderen die Seite oder auch das Hinterteil zuwenden. Das tut der Hund, wenn er sich stark bedrängt fühlt, z.B. von kleinen Kindern, die zu heftig mit ihm spielen möchten. Es ist die nonverbale Aufforderung, ihn in Ruhe zu lassen.
- sich hinsetzen oder hinlegen, evtl. mit dem Rücken zum Gegenüber. Das tut der Hund zur Deeskalation. Er zeigt dieses Verhalten häufig in Verbindung mit dem Abwenden.
- sich klein machen, ducken. Das tut der Hund zur Abwehr von Aggression.
- züngeln, sich über die Nase lecken. Dieses Signal ist oft sehr schnell wieder vorbei und wird deshalb vom Menschen eher selten bemerkt. Man sollte es vom Naselecken nach dem Fressen unterscheiden. Beim Beschwichtigungssignal wird die Zunge nur kurz vorne an der Schnauze sichtbar. Es ist häufig ein Zeichen von Unsicherheit.
- auf dem Boden herumschnüffeln, buddeln, im weitesten Sinne ‚sich mit etwas anderem beschäftigen‘. Damit zeigt der Hund, dass er an einer Konfrontation nicht interessiert ist. Er fordert so sein Gegenüber auf, ebenfalls auf aggressives Verhalten zu verzichten.
- imaginäre Flöhe kratzen. Das tut der Hund, wenn er sich unsicher fühlt. Er demonstriert damit vorsichtshalber erst einmal seine Harmlosigkeit.
- Gähnen. Wer gähnt ist alles, aber jedenfalls nicht aggressiv.
- Augen zusammenkneifen, blinzeln. Es ist ein Zeichen der Unsicherheit, oder auch eine Bitte freundlich mit ihm umzugehen.
- Vorderpfote anheben. Dies ist eine deutlichere Bitte um Freundlichkeit.
- erstarren, ‚einfrieren‘, extrem langsame Bewegungen. Dieses Verhalten zeigen oft fremde Hunde während einer Begegnung. Sie teilen sich dadurch gegenseitig mit, dass sie keine bösen Absichten haben. Vor allem rangniedere Hunde verhindern dadurch Aggressionen des ranghöheren Tieres.
- im Bogen auf den Anderen zu laufen, nicht direkt in gerader Linie. Damit teilt der Hund schon auf große Entfernung mit, dass er nicht aggressiv ist und nur friedliche Absichten hat.
- Vorderkörper tiefstellen, strecken. Es ist eine Aufforderung zum Spiel. Dieses Signal wird oft von charakterfesten gegenüber unsicheren Artgenossen verwendet. Durch die Aufforderung zum Spielen wird die eigene Harmlosigkeit betont.
- Schwanzwedeln. Dieses Signal hat sehr unterschiedliche Bedeutungen, aber vor allem in Kombination mit anderen Beschwichtigungssignalen, wie zum Beispiel dem Ducken und den sehr langsamen Bewegungen, wird eine richtige Interpretation möglich.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Man sieht jedoch, wie vielfältig die Kommunikation der Hunde ist. Für einen menschlichen Hund, der – einmal in der Rolle – nicht mehr spricht, sondern nonverbale Signale gibt wie sein Vorbild, ist dies ein langer Lernprozess, der interessant und spaßig sein kann.
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Re: Tierische Kommunikation als Doggie

Beitragvon SirHermann » 4. Apr 2014 11:56

Beschwichtigungssignale

Beschwichtigungs- oder Beruhigungssignale dienen der Kommunikation der Hunde untereinander und im gemischten Rudel (Familie) mit dem Menschen. Sie werden von den Tieren verwendet, um Aggressionen zu stoppen, Konflikte zu lösen, sich und andere zu beruhigen oder einfach um Freundlichkeit zu demonstrieren.
Für einen menschlichen Hund, der – einmal in der Rolle – nicht mehr spricht, sondern nonverbale Signale abgibt wie sein Vorbild, ist dies ein langer Lernprozess, der interessant und spaßig sein kann.

Der Hund teilt damit anderen Hunden oder Menschen etwas über die eigene Befindlichkeit mit. Zugleich ist es im entsprechenden Kontext eine Bitte, ihm freundlich zu begegnen. Viele Beschwichtigungssignale enthalten auch die Aufforderung auf Aggressionen zu verzichten, oder damit aufzuhören.

Hunde beschwichtigen ebenso in Situationen, in denen sie sich unsicher fühlen. Im Zusammenleben mit Menschen kommt das vor, wenn er ein Kommando erhält, das er noch nicht kennt, bzw. das er noch nicht verinnerlicht hat. Denn er merkt, dass er Erwartungen nicht gerecht wird. Genauso spürt er die Laune seines Halters und wird evtl. schlechter Laune mit Beschwichtigungssignalen begegnen, bevor es zu einem direkten Kontakt kommt. Vielleicht wird er im Bogen auf seinen Menschen zu laufen, dabei wird er dann noch blinzeln und sich über die Nase lecken. Welche genau er verwendet, ist individuell verschieden.

Zum Beispiel ist es kein Ungehorsam, sondern Unsicherheit, wenn ein realer Hund auf die Aufforderung zum Kommen hin sich erst einmal hinsetzt und hinter dem Ohr kratzt, oder sich zeitlupenhaft langsam bewegt und unterwegs für alles Mögliche Zeit hat. Hier gälte es, ihm Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, ihn bei seiner Neugier zu packen oder der Vorfreude auf Zuwendung.

Die Bedeutung dieser Signale ergibt sich allerdings erst aus dem Zusammenhang mit der momentanen Situation. Als Halter ist es manchmal schwer zu verstehen, besonders wenn man noch ungeübt ist. Ist man Halter eines menschlichen Doggies und möchte mit ihr/ihm hundgerechtes Verhalten trainieren, sollte man entweder diese Signale aus der Haltung realer Hunde kennen, jemanden kennen, der hier helfen kann (Training zu dritt), oder sich mit nonverbalen Signalen seines Doggies zufrieden geben, die diese/r aus dem Gefühl heraus zeigt. Es reicht oft, wenn Owner und Doggie einander verstehen!
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Re: Tierische Kommunikation als Doggie

Beitragvon SirHermann » 10. Aug 2015 14:47

Wir Menschen erlernen nach unserer Geburt zuerst die nonverbale Kommunikation unter Menschen, Blicke, Gesten und Laute. Erst später erlernen wir Worte und arbeiten mit verändertem Tonfall. Menschen entfernen sich so im Laufe der ersten Lebensjahre von der Beobachtungskommunikation. Tieren bleibt die Kommunikation über die Sprache verschlossen. Sie entschlüsseln Körpersignale ihres Gegenübers und reagieren entsprechend.

In der Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen verkümmert die Deutung der Gestik und Mimik und auch unsere Ausdrucksfähigkeit ist in späteren Jahren auf diesem Gebiet eher unterentwickelt. So setzen wir meist auf den sprachlichen Ausdruck, auch um uns unserem Hund mitzuteilen.

Hunde können Wörter nicht nach ihrer Bedeutung, sondern nur nach Tonfall und der begleitenden Gestik und Mimik unterscheiden. Sie erkennen daran die Stimmung ihres Menschen.

In der Praxis bedeutet das, dass man seinem Hund eine verbal klare und kurze Tonfolge bieten muss. Sie sollte klar unterscheidbar sein (SITZ, KOMM, BLEIB…), im Tonfall zur aktuellen Situation passen (freudig oder mit Nachdruck), keine Sätze bilden.

Beispiel:
„Chico, kommst du jetzt hierher! Was hab ich gesagt? Nun wird Herrchen aber sauer…“
Der Hund hört:
„Chico, blablabla blabla blablabla…“
Der Hund schaut auf bei dem Aufmerksamkeitskommando CHICO. Dann jedoch wird er unsicher und beginnt Beschwichtigungssignale zu senden, indem er sich z.B. abwendet und/oder hinsetzt.

Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen Menschen auf ihren Hund einreden. Man möchte sich mitteilen, mag die Aufmerksamkeit, die Hunde scheinbar zeigen. Nur sollte man nicht erwarten, dass der Hund den Tonschwall versteht. Aber er versteht die Stimmung seines Menschen deutlich!

Wie aber versteht der Hund seinen Menschen wirklich? Ein einfaches KOMM wirkt nur, wenn der Hund sich angesprochen fühlt! Vor das Wortkommando sollte grundsätzlich eine unmissverständliche Ansprache erfolgen. Als dieses ‚Aufmerksamkeitskommando‘ fungiert der Name des Hundes. Sie wissen dann, dass sie gemeint sind.

Weitaus wichtiger als die Akustik ist die Optik. Stimmt Kommando und Gestik/Mimik nicht überein, verunsichert das den Hund. Es ist sogar möglich, Hunde ausschließlich über Gestik und Mimik zu führen. Sie lassen sich leichter führen, wenn man eine ruhige Körperspannung hat. Auch betrachten sie ihren Menschen mit einer präsenten Ausstrahlung als eher führungsfähig und sind dadurch motivierter.

Was bedeutet das nun in der Kommunikation mit dem Doggie während des Petplay und von Doggie zu Doggie auf Events?

Doggie sollte versuchen, weniger auf den Wortsinn zu achten, sondern auf Tonfall, Gestik und Mimik seines Gegenübers. Er/sie sollte versuchen Stimmungen und Gefühle zu erfassen und spannungsabbauend reagieren. Der Owner/die Ownerin sollte dem Training nonverbaler Kommunikation einen hohen Stellenwert beimessen und mit viel Geduld und Beharrlichkeit üben.
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