Hündin Cherie

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Hündin Cherie - 11

Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:58

„Du bist keine wirkliche Hündin, sondern meine Doggie. Also wirst du dich bei einigen Gelegenheiten zwar auf zwei Beinen bewegen, dennoch den Charakter einer Hündin zeigen. Sobald du das Kommando ausgeführt hast, gehst du in den Vierbeiner-Modus zurück! Darum habe ich zum Abschluss SITZ gesagt. In Zukunft machst du das automatisch.“

„Ja, Herr.“

„Gut, dann kommen wir zum nächsten Kommando. Dazu gehen wir wieder hinein. KOMM MIT.“

Damit drehe ich mich um und betrete das Wohnzimmer wieder. Ich gehe zur Couch, setze mich und lege die Hand flach auf das Polster neben mir. Dazu sage ich HOPP, und lächele da Biggi das Kommando prompt ausführt und neben mich auf die Couch kommt.

Dann sage ich BLEIB und stehe auf. Es ist Zeit, das Mittagessen für uns zu machen. Bald darauf bringe ich zwei Teller an meinen Platz und schneide ihre Portion in mundgerechte Stücke. Ich beuge mich mit dem Teller in der Hand neben mir zu Boden und stelle ihn ab. Jetzt sage ich ZU MIR. Biggi verlässt die Couch, kommt zu mir und beginnt zu essen ohne die Hände zu benutzen. Also esse ich nun auch.

*

Ich, Paul, habe Lena heute Vormittag spielerisch Einblick in die nonverbale Kommunikation der Hunde gewährt. Meine Liebste hat dabei aus Unkenntnis zwar einen niedrigeren Rang als ihre Mopsdame Taps erlangt. Aber das ist nicht weiter tragisch. Tiere leben für den Augenblick. So kann sich die Rangfolge jederzeit ändern. Lena muss danach nur Nervenstärke beweisen und sie wird ihren dann höheren Rang behaupten können. Beim Mittagessen habe ich ihr erlaubt, auf dem Stuhl neben mir Platz zu nehmen und Besteck zu benutzen.

Während des Essens haben wir das Ballspiel noch einmal durchgesprochen und vereinbart, es am Nachmittag zu wiederholen. Nach einer kleinen Ruhepause nehme ich also wieder den Ball an mich. Taps ist sofort voll da. Sie hüpft und springt an mir hoch, um den Ball zu bekommen. Lena schaut sich das Spiel aus wenigen Metern Entfernung an. Dann lasse ich den Ball etwa zwei Meter in Lenas Richtung zu Boden fallen.

Lena und Taps sind etwa gleichzeitig am Ball. Sofort beginnt Taps zu knurren und fletscht ihre Zähne. Lena knurrt Taps nun ihrerseits an.

„Öffne ebenfalls den Mund und zeige deine Zähne,“ rate ich ihr.

Dadurch verkommt Lenas Knurren zwar zu einem rollenden Errrr, aber Tapsy stört sich nicht daran. Nun habe ich da eine Hündin und eine Doggie, die anscheinend das Objekt ihrer Begierde vergessen haben. Sie sind nur damit beschäftigt nicht nachzugeben, ihren Rang auszuhandeln. Als Rudelführer darf ich hier nicht eingreifen. Dennoch behalte ich sie im Auge, damit Taps nicht zuschnappt. Dann wäre das mentale Kräftemessen sofort beendet!

Es vergeht keine Minute, dann legt sich Taps auf den Rücken. Damit, dass sie ihre Kehle freigibt, ist das Kräftemessen für den Augenblick entschieden. Ich streichele unsere Mopsdame und ermuntere Lena, es mir gleich zu tun.

„Du siehst, wie die Spielregeln sind,“ sage ich zu meinem Schatz. „Ein Kampf mit Bisswunden wird unter allen Umständen vermieden. Allenfalls wärest du gekniffen worden. In Zukunft – um was auch immer es geht, ob um ein Spielzeug oder um Nahrung – bist du immer zuerst an der Reihe. Drängelt Tapsy sich vor, knurrst du sie kurz an. Reicht das nicht, weil das was sie will zu verlockend ist, zeigst du ihr die Zähne und knurrst weiter bis sie klein bei gibt. Dann behältst du deinen Rang.“

Lena kommt zu mir und reibt ihren Kopf an meinem Oberschenkel. Ich will ich gerade Gelegenheit geben sich zu äußern, als Taps sich dem Ball nähert.

„Schau, Cherie, hol ihn dir sofort wieder! Das darfst du nicht dulden,“ mache ich sie aufmerksam.

Sofort läuft Lena zu Taps und stößt unter Knurren den Ball weg. Taps dreht den Kopf weg und trottet zu ihrer Decke, wo sie sich ablegt und uns aufmerksam beobachtet.

„Jetzt hängt endgültig dein Etikett ‚MEINS‘ am Ball,“ sage ich lächelnd. „Jedenfalls für die nahe Zukunft! Wenn du etwas sagen möchtest, dann tu es ruhig.“

„Das war aufregend, Herr!“ bricht es aus Lena hervor.

„Und das ist noch nicht alles! Geh mit offenen Augen mit Tapsy um, schau wie sie sich benimmt und geh dazwischen, wenn sie etwas haben will, das dir gehört. Überlasse es ihr auch nicht auf Zeit, denn damit gibst du deinen Anspruch auf das Teil auf! Lasse sie allenfalls bei etwas mitspielen, unterbinde aber sofort jeden Eigentumsanspruch. Lasse ihr im Gegenzug aber auch all die Sachen, die ihr gehören!“

„Das will ich,“ sagt Lena voll Überzeugung. „Wie aber sagst du mir, was du von deinem Doggie willst. Dazu sind doch die Kommandos da.“

„Richtig…“ mache ich und schaue Lena erwartungsvoll an.

„Wann bringst du mir die Kommandos bei? Erst nachdem ich die nonverbale Kommunikation beherrsche?“

„Nein, das mache ich parallel. Vor allem, weil ich am Erlernen der nonverbalen Kommunikation wenig Anteil habe. Darin ist Taps die bessere Lehrerin. Wir können gerne mit den grundlegenden Kommandos jetzt gleich beginnen.“

„Ja, gerne.“

„Also dann, Sprechverbot!“

Ich gehe in die Küche und hole ihre heißgeliebten Erdnüsse ins Wohnzimmer. Sie sollen meine Belohnung darstellen. Auch im Training echter Hunde wird heute die ‚Positive Verstärkung‘ angewandt, statt schmerzhafte Strafen für Fehlverhalten. So stärkt der Trainer die Motivation.

*

Nach dem Mittagessen fordert Dieter mich auf, ihm zu folgen. Er öffnet die Terrassentür und geht weiter in den Garten. Dort ist ein Pool in den Boden eingelassen. Dieter sagt HOPP und deutet auf das Wasser. Ich schaue ihn zweifelnd an, aber er lächelt aufmunternd. Also springe ich aus dem Vierfüßlerstand ins Wasser und vergnüge mich eine Weile darin. Dieter setzt sich in der Zwischenzeit an den Rand und schaut mir zu.

Nach einer Weile meint er:

„Im Wasser bewegst du dich nach Menschenart wie ein Frosch. Eine Hündin schwimmt anders. Sie paddelt mit Vorder- und Hinterbeinen nahe am Körper unter Brust und Bauch. Einfach ist dieser Schwimmstil sicher nicht – du hast gegenüber natürlichen Hunden den Vorteil, dass deine Hände dem Wasser eine größere Angriffsfläche bieten als Hundepfoten. Denke daran: Alles was einfach ist, fordert deinen Ehrgeiz nicht heraus! Du kannst - je nachdem - beim Vorziehen die Hand etwas drehen und dem Wasser so die Kante geben, und beim Zurückstoßen die Handfläche nach hinten drücken. Deine Füße machen dabei Bewegungen wie beim Fahrradfahren – oder zieh sie fast bewegungslos hinterher! Schau selbst, was für dich praktikabel ist…“

Hm, ich stoße mich also vom ein Meter vierzig tiefen Grund ab, lasse mich auf das Wasser gleiten und probiere den neuen Schwimmstil. Unweigerlich gehe ich unter und ziehe die Beine unter den Körper, um mich aufzurichten und Luft zu holen.

Dieter lächelt mich an und streckt seine Hand vom Beckenrand aus, um mir über den Kopf zu streicheln. Dabei verliert er das Gleichgewicht und landet nun seinerseits im Wasser. Prustend und lachend kommt er hoch und nimmt mich in seine Arme.

„Komm,“ sagt er, nachdem er zur Seite geschnieft hat. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Das braucht genauso Übung, wie das eigentliche Schwimmen lernen vor vielen Jahren. Leg dich auf das Wasser. Ich halte dich!“

Ich tue, was Dieter sagt und er unterstützt mich dabei mit seinen Armen bei mir unter Brust und Bauch.

„So jetzt lass mal die Beine senkrecht ins Wasser hängen und tue so, als würdest du Radfahren. Mit den Armen ruderst du unter dem Oberkörper. – Wenn du das zuhause im Schwimmbad übst, lass dir eins von den Balsaholzbrettern geben.“

Ich nicke und versuche es. Ohne Dieters Hilfe würde ich mit Sicherheit nicht vorwärts kommen. Aber bestimmt schaffe ich das irgendwann mit mehr Übung. Nach vielleicht einer Viertelstunde entscheidet Dieter:

„So, ich denke, das reicht für heute.“

Er geht zur Leiter und steigt aus dem Becken. Ich folge ihm direkt. Draußen schnappt sich Dieter eins der Badetücher und beginnt damit, mich trocken zu rubbeln. Ich lasse mich währenddessen langsam wieder auf alle Viere nieder. Zum Schluss rubbelt er sanft mein Haar trocken. Ich bin über die Aktion überrascht und lasse ihn gewähren, mich sanft an ihn lehnend.

Dann erst trocknet sich Dieter selbst ab. Ich frage ihn nun:

„Warum übernimmst du das Trocknen?“

„Eine Doggie sollte sich während der Session ganz aus dem Alltag zurückziehen können, Biggi! Keine Verantwortung, kein Stress. Um alles kümmert sich der Owner – ganz wie bei echten Hunden…“

Ich mache große Augen. Das kannte ich bisher noch nicht. Aber es ist so schön bequem. Ich muss lächeln bei dem Gedanken.

Als Dieter sich abgetrocknet hat, meint er:

„BEI FUSS.“

Er dreht sich um und geht zu den Liegestühlen auf den von der Sonne aufgeheizten Betonplatten der Terrasse. Dort setzt er sich in einen Liegestuhl und sagt: „PLATZ.“

Dabei zeigt er auf die Platten neben seinem Liegestuhl. Ich setze mich dort also auf meine Fersen und beuge meine Ellbogen, den Kopf erhoben und den Blick aufmerksam auf ihn gerichtet. Er lässt nun den rechten Zeigefinger rechts herum kreisen und sagt dabei ROLL. Also lasse ich mich auf meine linke Seite abrollen.

„Braves Mädchen,“ kommentiert er das lächelnd und beginnt in den Himmel zu schauen, als wolle er den Wolken bei ihrem Flug zuschauen.

Auch ich drehe meinen Kopf nach einer Weile gen Himmel und lasse den letzten Rest Feuchtigkeit abtrocknen. Nachdem eine unbestimmte Zeit vergangen ist, lässt sich Dieter wieder vernehmen:

„Bleib du ruhig liegen. Ich gehe rein und koche Kaffee.“

Sprach es und steht auf. Ich folge ihm aus meiner Position mit den Blicken bis er durch die Terrassentür ins Haus gegangen ist. Faul räkele ich mich auf dem warmen Terrassenboden. Minuten später ist Dieter mit einer Kanne und einer Plastikflasche zurück. Er stellt alles auf dem Beistelltisch zwischen den Liegestühlen ab und geht noch einmal hinein. Als er wieder zurück ist, hat er noch eine Kaffeetasse und einen kleinen Teller mit zwei Puddingteilchen in der Hand. Er nimmt wieder Platz, stellt alles ab und füllt seine Tasse mit Kaffee.

Dann sagt er: „ZU MIR.“

Ich komme hoch und nähere mich ihm so weit, dass mein Kinn auf seinem Oberschenkel zu liegen kommt. Er hat ein Puddingteilchen in der Hand und lässt mich nun abbeißen. Dann hält er mir meine Trinkflasche mit dem Mundstück hin und ich sauge einen Schluck kühlen Eistee daraus.

Bald haben wir die Teilchen gegessen. Dieter trinkt noch seine Tasse leer, dann sagt er:

„Wir könnten noch ein wenig Kommandotraining machen, dann ist der Tag auch fast wieder herum…“

Ich mache: „Ohhh…“

Dieter lacht.

„Jede Session hat einen Anfang und ebenso auch ein Ende. Morgen früh bringe ich dich nach dem Frühstück zu Zug. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Beim nächsten Mal zeigst du mir dann, was du gelernt hast und darauf baue ich dann auf, für Weiteres!“

„Okay.“ Ich mache ein trauriges Gesicht. „Wie heißt die Ecke da noch… Die Kyllschleife, wo wir so ungestört herum tollen können… Da gehen wir aber sicher auch nochmal hin?“

„Aber ja!“ sagt Dieter und streicht mir zart über die Wange. „Mal sehen, vielleicht beim nächsten Mal schon!“

„Oh ja!“ rufe ich aus.

„So, jetzt aber Spaß beiseite,“ meint er und, ergänzt: „Das nächste Kommando kennst du sicher schon: BEI FUSS. Es bedeutet, dass du möglichst nahe an meinem Bein mit mir gehen sollst, wohin ich dich auch führe. Dazu tust du einmal so, als würdest du das Kommando zum ersten Mal hören!“

Ich nicke und er sagt: „AIKA, SITZ.“

Also setze ich mich erst einmal auf meine Fersen und schaue erwartungsvoll zu Dieter auf. Er nimmt eine Leine in die Hand und klippt den Karabinerhaken in den Ring meines Halsbandes ein. Dann entfernt er sich bis die Leine locker gespannt ist. Er greift in seine Gürteltasche und fördert einen Schokokrümel zu Tage, den er mir zwischen zwei Fingern hinhält und lockt mich mit sanfter Stimme:

„Komm, AIKA, komm. Hol dir die Schoki.“

Ich will zu ihm hin gehen, aber er entfernt sich von mir. Da die Schokolade lockt, werde ich schneller. Nach zwei weiteren Schritten bleibt Dieter stehen, schiebt mir die Schokolade in den Mund und sagt dabei BEI FUSS. Dann entfernt er sich wieder und ich gehe neben ihm her. Wir haben die Terrasse einmal umrundet, als er wieder stehenbleibt, mir noch eine Schoki gibt und dazu sagt:

„Gutes Mädchen, AIKA. Das hast du ganz gut gemacht! Eine Feinheit in der Ausführung wäre noch, dass du mit deinem Kopf auf Höhe meiner Beine bleibst. Also neben mir, nicht vorläufst. Dann brauchst du dich nicht nach mir umschauen und ich brauche dich nicht durch Zug an der Leine dirigieren. Das ist zum Beispiel dann gut, wenn wir anderen Petplayern begegnen. Dann reicht ein Handzeichen von mir, um dir zu sagen, dass du die Seite wechseln sollst.“

Er macht mit mir noch eine Runde. Dann bleibt er stehen. Ich schaue zu ihm auf und sehe ihn lächeln.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:01

„Das jetzige Kommando kennst du bestimmt noch nicht. Zuerst einmal – PLATZ!“

Ich setze mich also auf meine Fersen und beuge die Ellbogen bis mein Rumpf fast den Boden berührt. Währenddessen hat Dieter ein weiteres Schokokrümel in die Hand genommen, zeigt es mir und führt es an meiner linken Seite vom Kopf langsam Richtung Po. Ich drehe mich nun auf die Seite, um daran zu kommen.

Jetzt sagt er "MÜDE" und gibt mir die Schoki in den Mund. Dabei lobt er mich und streicht mir zärtlich über Wange und Hals. Dann sagt er wieder PLATZ und ich drehe mich wieder auf Unterschenkel und Unterarme.

Nun sagt Dieter noch einmal MÜDE und hält dabei seinen Unterarm senkrecht. Danach lässt er ihn langsam zu Seite sinken. Ich drehe mich nun auch wieder auf die Seite. Er gibt mir noch eine Schoki und sagt dazu:

„Gutes Mädchen, AIKA. Die Armbewegung ist das sogenannte ‚Handzeichen‘, das nonverbale Kommando für MÜDE. Jetzt kommt eine Erweiterung dieses Kommandos. Ich weiß nicht, ob du das auch noch nicht kennst. Folge mir einfach und du wirst sehen…“

Ich nicke wieder und Dieter sagt nun wieder MÜDE. Also lege ich mich ein drittes Mal auf die Seite. Nun führt er ein Schoki zwischen meinen ‚Vorderpfoten‘ am Bauch entlang nach hinten. Seiner Bewegung mit dem Mund folgend, rolle ich mich auf den Rücken.

In der Bewegung sagt er "ROLL" und lässt mich die Schoki essen. Dann sagt ROLL und beschreibt dabei mit der Hand einen Kreis in der Luft, mal rechts herum, mal links herum und danach einen Vollkreis. Immer lobt er mich nach der Ausführung.

Dann bin ich wieder in der SITZ-Position und frage ihn, wann denn die Kommandos MÜDE und ROLL zur Anwendung kommen.

„MÜDE,“ antwortet er, „verwende ich, wenn du dich ablegen und relaxen sollst. ROLL kann man auf Events verwenden. Es hat immer einen gewissen Aha-Effekt. Aber besonders bei Arztbesuchen verwende ich es, wenn du dich auf der Untersuchungsliege drehen sollst.“

„Bei Arztbesuchen?!“

Ich bin vielleicht etwas lauter als üblich und schaue ihn entsetzt an.

„Nicht bei normalen Ärzten,“ beschwichtigt Dieter. „Aber es gibt da mindestens einen Arzt, der mit der Szene vertraut ist. Dort kann ich dir einen Heimtier-Ausweis ausstellen lassen.“

„Du befürwortest Doktorspiele?“

„Hast du schon einmal Doktorspiele mitmachen müssen?“

„Ja, meinem Dom gefiel es,“ sage ich leise.

„Und du magst es nicht, wie ich an deiner Reaktion erkenne. Keine Angst! Ich bin dabei und stoppe den Arzt, bevor er dich derart benutzt. Zum Erlangen eines Heimtierausweises ist es nicht nötig, mit all diesen Instrumenten an dir herum zu spielen! Auch mache ich das nicht ohne dein Einverständnis. Es wird also in den nächsten Monaten, vielleicht Jahren, nicht geschehen!“

Ich atme tief ein.

„Dein Wort in Gottes Ohr…“

„Du kannst mir vertrauen,“ meint er, doch mein Engagement in der Sache ist merklich abgekühlt.

Er muss mein Zurückweichen wohl spüren, denn er sagt nach einer Weile:

„Langsam ist es Abend und damit Zeit zum Abendessen. Dazu kannst du mir wieder als Zweibeiner in der Küche helfen, wenn du magst. Danach schauen wir ein oder zwei DVDs, die du dir aus meiner Sammlung aussuchen darfst. Dann dürfte auch schon Schlafenszeit sein.“

*

Lena hat mich nach dem Kommandotraining gefragt. Dazu brauche ich Lock- und Belohnungsmittel. Ich weiß, dass sie Erdnüsse sehr mag, also gehe ich in die Küche und bringe sie ins Wohnzimmer.

„Einige der Kommandos nutzen dafür die Gestik der Hunde. Zum Beispiel die Spielverbeugung, die du heute kennengelernt hast. Will man nun an einem Dog-Agility-Event teilnehmen und mit seinem Doggie etwas vorführen, dann steht meist eine Verbeugung am Ende des ‚Spiels‘, nicht an dessen Beginn,“ erkläre ich ihr.

Lena schaut mich aufmerksam an. Ich nehme eine Erdnuss zwischen die Finger und zeige sie ihr. Dann führe ich sie langsam nach unten und hinten, also in Richtung ihrer Brust. Lena folgt dem Leckerli mit den Augen, dreht den Kopf und geht dafür automatisch in die Verbeugungsstellung. Nun bekommt sie ihr Leckerli und ich sage „CHERIE“. Dabei verbeuge ich mich ebenfalls und mache eine ausladende Handbewegung. Dies wiederhole ich ein paar Mal, bis Lena ihren Namen und meine Geste zusammen als Kommando zum Verbeugen begreift. Jetzt lobe ich sie freudig und streichele sie zart.

„Genauso der nonverbalen Kommunikation entnommen ist das Kommando GIB PFÖTCHEN,“ erkläre ich ihr dann. „Es entstammt dem Milchtritt des Welpen. Damit wird beim Muttertier der Milchfluss angeregt. Als Kommando gebraucht, soll eine wohlwollende Stimmung zwischen Hund und Mensch, die sich noch nicht kennen, erzeugt werden. Bei sich fremden Doggie und Mensch gilt das Gleiche.“

Ich zeige ihr schrittweise, wie ich mir die korrekte Ausführung des Kommandos vorstelle und freue mich über die Wissbegierigkeit meiner Doggie Cherie.

„Nun komme ich zu einigen speziellen Kommandos,“ sage ich dann.

Ich kommandiere SITZ und befestige eine lange Laufleine an ihrem Halsband. Als das erledigt ist, sage ich FREI.

Lena schaut mich kurz an und ich nicke ihr aufmunternd zu. Sie beginnt sich im Wohnzimmer zu bewegen, wie es ihr spontan in den Sinn kommt. Ich lasse sie gewähren. Als sie sich Tapsy zu nähern beginnt, sage ich in bestimmten Tonfall NEIN und ziehe kurz an der Leine. Lena stoppt ihre Aktion und schaut ängstlich verwundert zu mir auf. Ich gehe zu ihr hin, setze mich neben sie auf den Boden und nehme sie in den Arm.

„Nach dem Kommando FREI,“ erkläre ich ihr, „darfst du dich frei bewegen bis irgendein anderes Kommando kommt. Das Kommando NEIN stoppt jede Aktion. Du bleibst, wo du bist und tust nichts weiter. Insoweit hast du alles richtig gemacht, Liebes!“

Ich gebe ihr eine Belohnungs-Erdnuss und drücke ihr einen Kuss auf den Mund. Dann stehe ich auf und lege ich eine Handvoll Erdnüsse in ein flaches Schüsselchen. Sie hat mein Tun mit ihren Blicken verfolgt. Nun drehe ich mich zu ihr um und halte ihr das Schüsselchen hin in Höhe meiner Brust. Eine Nuss stecke ich mir selbst in den Mund.

Lena kommt heran und stößt mich an. Da ich nicht reagiere, sondern mir wieder selbst eine Nuss in den Mund stecke, reibt sie ihre Wange an meinem Oberschenkel. Ich lächele sie an, wehre sie mit der freien Hand ab und sage HOCH. Dabei mache ich mit der freien Hand Aufwärtsbewegungen. Schließlich will sie sich auf ihre Hinterbeine stellen. Nun sage ich SITZ. Sie beugt ihre Knie bis sie auf ihren Fersen sitzt und muss aus Gleichgewichtsgründen ihre Beine spreizen. Trotzdem kippt sie zur Seite.

„HOCH ist kurz gesagt das Gleiche wie MACH MÄNNCHEN,“ sage ich ihr. Du balancierst auf deinen Zehenballen, auf deinen Fersen sitzend, die Ellbogen angewinkelt und die Fäuste etwa in Schulterhöhe.“

Sie versucht es noch einmal konzentriert und es klappt. Nun füttere ich sie mit ein paar Erdnüssen und lobe:

„Gutes Mädchen, Cherie, gutes Mädchen!“

Ich drehe mich zum Couchtisch um und stelle das Schüsselchen dort ab. Lena ist inzwischen wieder auf allen Vieren und nähert sich nun dem Couchtisch. Dabei schielt sie in meine Richtung, als denke sie ‚Würde er es mir wohl erlauben…‘.

Als sie den Mund über das Schüsselchen stülpen will, sage ich laut NEIN. Sofort hält sie inne und weicht etwas zurück. Sie dreht ihren Kopf zu mir und schaut mich mit großen Augen an. Ich beuge mich zu ihr hinunter und gebe ihr einen Kuss.

„Das hast du richtig gemacht, Liebes! Es kann ja Situationen geben, wo ein NEIN angebracht ist. Jetzt aber sage ich OKAY. Nach diesem Kommando darfst du tun, was du im Begriff warst aus eigenem Antrieb zu tun.“

Sie reibt ihre Seite glücklich an mir und isst die Erdnüsse aus dem Schüsselchen.

Nach einer Weile sage ich bedächtig:

„Weißt du, ich könnte eigentlich mal Dieter anrufen, ob er ein Wochenende Zeit hat, dass wir uns wieder einmal treffen…“

Lena ist inzwischen mit dem Schüsselchen fertig und kommt zu mir gelaufen. Sie springt an mir hoch und lächelt mich an. Dabei bleibt sie in Höhe der MACH MÄNNCHEN-Stellung.

„Das würde dir also auch gefallen,“ resümiere ich.

*

Dieter hat mich zum Zug gebracht und nun sitze ich hier und lasse mich nachhause fahren. Mit meinen Gedanken bin ich allerdings weit weg.

Ich sehe meinen Dom mit seinem Freund im grünen Arztkittel, grüner Haube und weißem Mundschutz. Man hat mich vorher auf die stabile Liege mit dem Lederbezug festgeschnallt, die Knöchel rechts und links in entsprechenden Halterungen fixiert. Dann entrollt der Freund meines Dom eine grüne Rolle mit vielen Innentaschen und einer Reihe silberfarbener Werkzeuge darin. Mich schüttelt es noch, wenn die Bilder vor meinen Augen wieder auftauchen.

Dieter behauptet, das sei nicht Inhalt des Petplay, wie er es versteht. Kann ich seinen Worten trauen?

Ich habe Dieter als Mann kennengelernt, für den Respekt vor mir als Person kein Fremdwort ist. So bin ich für ihn auch kein Gegenstand seiner Lusterfüllung. Stattdessen kümmert er sich echt um mein Befinden.

Ich bin hin und her gerissen. Darüber schlafen wird sicher das Beste sein.

Zwei Tage später hat mich der Alltag wieder voll im Griff. Abends vor dem Fernseher kann ich aber nicht so richtig abschalten. Meine Lieblingsserien fesseln mich nicht so wie sonst. Mich erfüllt eine unerklärliche Leere, eine Sehnsucht, die ich nicht greifen kann. Es muss irgendwie mit der Session in der Eifel bei Dieter zusammenhängen…

Tags darauf fasse ich den spontanen Entschluß und rufe Lena an:

„Fischer.“

„Hallo, Lena. Biggi hier. Sag mal, hast du schon einmal etwas über einen Heimtierausweis gehört?“ falle ich gleich mit der Tür ins Haus.

„Aber ja, Biggi. Taps hat einen für den Fall, dass wir ins Ausland fahren – aber auch, um irgendeinem Arzt oder Behörden zu bescheinigen, welche Impfungen sie hat.“

Ich höre Lena geradezu durch das Telefon lächeln.

„Das meine ich nicht,“ werde ich deutlicher. „Ich meine einen Heimtierausweis mit deinen Daten drin.“

„Ah,“ macht Lena. „Hast du davon gehört und bist nun unsicher, ob du so einen auch haben möchtest.“

„Ja,“ bestätige ich ausweichend.

„Ich würde an deiner Stelle damit warten, bis du mit dem Mann zusammen ziehst, den du dir als deinen Herrn ausgesucht hast,“ rät mir Lena. „Der Ausweis für Doggies ist dem Ausweis für Katzen und Hunde entlehnt. Auf der ersten Seite innen ist ein Bild von dir, dann folgen deine persönlichen Daten und dahinter eventuelle Impfungen. Es ist also ein erweiterter Impfausweis, der nur in der Szene gilt.“

„Und das braucht man in der Szene?“

„Nein, Biggi. Nur wenn du und dein Herr gemeinsam den Ausweis als sichtbares Zeichen eurer Herr-Doggie-Verbindung auswählt. Manche Herren mögen zusätzlich noch ein Tattoo, oder eine Ohrmarke oder einen Chip an ihrem Doggie. – Ich zum Beispiel habe als Tattoo eine Hundetatze an der linken Hinterbacke und eine kleine runde Scheibe als Ohrstecker mit der eingravierten Ausweisnummer.“

„Oh,“ mache ich. „Was ist das: ‚ein Chip‘?“

„Ein kleines Teil, das dir mit einer Spritze unter die Haut gebracht wird und das man mit einem Empfänger orten kann.“

„Und das kann jeder machen?“

Ich mache große Augen.

„Nein! Dazu sind gewisse Hygiene-Standards einzuhalten. Das sollte nur ein Arzt machen – oder ein Piercing-Studio. Letzteres solltest du dir vorher aber genau anschauen!“

„Und Paul…“ frage ich lauernd.

‚Wenn die Frau das alles mit sich machen lässt, was leistet dann der Mann?‘ frage ich mich in Gedanken.

„Paul kümmerte sich während der Prozedur rührend um mich – und scheint sich seitdem noch mehr mit mir verbunden zu fühlen,“ schwärmt Lena. „Bildlich gesprochen räumt er mir sämtliche spitzen Steine aus dem Weg. Manchmal fühle ich mich wie in Watte gepackt – und das mag ich gar nicht!“

Ich muss lachen.

„Wie zeigst du ihm denn, dass du nicht so umsorgt sein willst?“

Jetzt lacht auch Lena.

„Ich bin für ihn kein Spielzeug, wie du weißt. Ich zeige ihm deutlich, dass ich ein eigenständiges Lebewesen bin! Manche würden das vielleicht zickig nennen, aber ich bleibe spielerisch liebevoll. So hat er keinen Grund genervt oder gar böse auf mich zu sein. Er hat schon ein paar blaue Flecken davon getragen…“

Ich muss grinsen.

„Sag mal, hast du dich in der letzten Zeit eigentlich mal wieder mit Dieter getroffen?“ fühlt sie mir nach einer Gedankenpause auf den Zahn.

„Ja,“ bestätige ich. „Wir haben uns letztes Wochenende zu einer Session bei ihm getroffen.“

„Ah, und wie war es?“ hakt sie nach.

„Interessant! So ganz anders als ich Sessions mit Doms bisher kennen gelernt habe.“

„Das ist Pauls und Dieters Merkmal,“ stellt Lena fest. „Wie hat dir das Wochenende gefallen?“

„Ich denke, ich gehe wieder hin – vielleicht sogar regelmäßig…“ resümiere ich.

„Oh, das ist schön!“ ruft meine Gesprächspartnerin begeistert aus. „Dann treffen wir uns bestimmt häufiger!“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:03

„Ich bin dort allerdings mit gemischten Gefühlen weggefahren,“ sage ich nun ehrlicherweise.

„Warum?“ fragt sie zurück.

Ihre Stimme klingt verhalten, leicht traurig.

„Es ging um den Heimtierausweis. Er sprach ihn an für den Fall, dass wir zusammen kommen würden, und dass wir dafür einen Arzt aus der Szene aufsuchen würden.“

„Aber das ist doch sehr verantwortungsbewusst gedacht!“

„Ja, so wie du es mir jetzt erklärt hast. Aber ich sah da plötzlich wieder diese Doktorspiele mit meinem früheren Dom und seinem Freund vor meinen Augen. Da war die ganze Atmosphäre zerstört.“

„Hm, der Dom, mit dem du auf dem Event in Hamburg warst?“

„Nein, nicht Klaus! Einer vor ihm…“

„Ahso… Aber bei Dieter brauchst du die Befürchtungen nicht haben! Da gibt es kein MMF. Er respektiert deine Gefühle genauso wie Paul.“

„Danke dir, Liebes!“ sage ich.

Große Erleichterung schwingt in meiner Stimme mit.

Lenas Stimme vibriert wie nur bei einer lächelnde Person. Sie antwortet mit sanfter, leiser Stimme:

„Wenn du magst, nenn mich ebenfalls CHERIE. Hast du auch schon einen Hundenamen von Dieter bekommen?“

„Ja, AIKA hat er mich genannt.“

„Ein schöner Name, AIKA. Also, dann treffen wir uns sicher bald einmal zu Viert bei Dieter. Hier bei uns wäre Petplay nur eingeschränkt möglich…“

„Das werden wir sicher!“ antworte ich bestimmt.

Ich trenne das Gespräch. Eine große Erleichterung hat mich erfasst. Die emotionale Leere ist verpufft. Das hätte Dieter oder Paul nicht schaffen können. Dazu ist der Kontakt zu Lena sehr wichtig gewesen!

*

„Hi, Lena,“ begrüßt mich Paul, als er von der Arbeit kommt. „Ich war auf dem Heimweg noch schnell auf der Bank. Wir könnten uns endlich ein neues und größeres Auto leisten – oder aber solch ein Nur-Dach-Haus auf Dieters Grundstück in der Eifel…“

„Zumindest ein jüngeres Auto wäre schon schön,“ erwidere ich ihm nach dem innigen Gegrüßungskuß. „Aber das können wir uns bestimmt immer noch leisten – dann eben etwas später. Ein Umzug in die Eifel fände ich besser. Das Geld reicht aber sicher nicht, um das Haus komplett zu bezahlen?“

„Nein, aber ein Drittel könnten wir als Eigenkapital in einen Abzahlungsvertrag einbringen bei der Sparkasse.“

„Sprich darüber mit Dieter, Liebling! Wir sollten dafür nicht unsere Bank wählen sondern seine, weil sie bei ihm in der Nähe liegt. Dann haben wir es nicht so weit, wenn wir dort wohnen.“

„Das mache ich!“ verspricht er mir.

Am Wochenende ruft Paul dann Dieter an und der verspricht Paul, einen Termin bei seiner Bank zu vereinbaren. Vier Wochen nach diesem Gespräch fahren wir schon Donnerstagnachmittag los und sind in der Abenddämmerung bei Dieter angekommen. Für Freitag hat Paul Urlaub bekommen. Wieder übernachten wir in Dieters Gästezimmer und haben wie immer ein fürstliches Frühstück am nächsten Morgen.

Während der Fahrt und bis nach dem Banktermin trete ich als die Partnerin Pauls zweibeinig auf, auch damit der Bankberater keinen falschen Eindruck bekommt. Paul hat seine Bankunterlagen von unserer Sparkasse dabei und Dieter die Bauunterlagen seines Hauses. Das Gespräch in der Bank verläuft in lockerer Atmosphäre. Freundlich werden wir verabschiedet, nachdem wir den Antrag beide unterzeichnet haben.

Danach fährt Dieter mit uns zum Haus zurück. Dort steht inzwischen ein zweites Fahrzeug. Wir steigen in unseren Wagen um und sehen, dass Paul die Schlüssel an das fremde Paar mit einem vielleicht achtjährigen Sohn übergibt. Dann steigt er in seinen Wagen und wir folgen ihm zu seiner Wohnung. Das Haus ist nun für die Dauer von zwei Wochen als Ferienhaus vermietet. Am frühen Nachmittag fahren wir zurück nachhause.

Bald haben wir die Kreditzusage im Briefkasten und Paul beauftragt Dieter mit den Baufirmen in Kontakt zu treten. Die Verträge kommen per Post und werden von Paul unterschrieben zurück geschickt. In den nächsten drei Monaten fährt Paul regelmäßig an den Wochenenden in die Eifel um den Baufortschritt zu beobachten. Schließlich steht unser Haus neben Dieter‘s und wir feiern Richtfest mit den Mitarbeitern der Baufirmen. Dann ist das Dach gedeckt und die Solarpaneele angebracht und Dieter fragt, ob wir den Einzug mit einem Petplay-Event feiern wollen. Dadurch wird die Location bekannt und wir bekommen Kontakt mit noch mehr Petplayern.

Ich bin begeistert und auch Paul bekommt leuchtende Augen, als er zustimmt. Ein Wochenende ist schnell bestimmt und der Termin in der Internet-Community bekannt gemacht. Dieter sagt, er hätte etwas Besonderes vor. Entsprechend gespannt erwarten wir den Termin.

*

Es ist ein warmer sonniger Tag als wir zu dem Petplay-Event in die Eifel fahren. Der Parkplatz vor unseren beiden Häusern ist vollgestellt mit Autos. Dieter kommt uns entgegen und begrüßt uns. An seiner Seite steht Biggi auf zwei Beinen. Beide haben blaue Latzhosen, ein kariertes Arbeitshemd und eine Schirmmütze an.

„Hallo, da seid ihr ja,“ sagt Paul lächelnd und Biggi legt zur Begrüßung ihre Wange an Meine.

Ich umarme sie und Dieter führt uns ins Haus, während unsere Mopsdame Taps aufgeregt um uns herum tänzelt. Drinnen öffnet er die Gästetoilette und zeigt auf einen kleinen Textilienstapel.

„Zieht euch eben um,“ meint er.

Aus dem Wohnzimmer höre ich Stimmengewirr. Biggi trennt sich von uns und geht zu den Leuten, die dort sitzen, um Getränke zu servieren. Wir betreten die Gästetoilette einzeln und ziehen uns die gleiche Arbeitskleidung an, die Biggi und Dieter tragen. Jetzt sehen wir aus, als würden wir auf einem Hof arbeiten. Unsere Alltagskleidung trägt Paul mit Dieter ins Gästezimmer nach oben, während ich mich zu Biggi geselle und ihr helfe. Dabei sehe ich unter den Männern im Wohnzimmer auch ein paar Frauen. Alle haben sie szenetypische Kleidung in Lack, Leder oder Latex an. Durch die Fensterwand zur Terrasse hinaus kann ich erkennen, dass der Rasen mit einem halbhohen Gitter zur ‚Weide‘ umfunktioniert wurde. Als ich genauer hinsehe kann ich erkennen, dass die Weide in mehrere Abteile unterteilt ist. Auf dieser Weide befinden sich „Vierbeiner“ beiderlei Geschlechts in allen Aufmachungen aus Lack, Leder, Latex und auch Kunstfell.

„Sag mal,“ frage ich Biggi in einer ruhigen Minute, „wie läuft das Event eigentlich ab? Das Programm kommt mir etwas seltsam vor.“

Biggi erklärt mir lächelnd:

„Du hast in den Bekanntmachungen sicher gelesen, dass möglichst nur Singles geladen sind. Nachkontrollieren lässt sich das ja nicht, aber Dieter hofft, so eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Hier im Wohnzimmer siehst du die ‚Owner‘ und draußen tummeln sich die ‚Pets‘. Dieter hat sie je nach Art in verschiedene Gehege gesteckt. Später sollen sich die Owner die Pets anschauen dürfen. Dann ertönt irgendwann eine Glocke. Die Pets, die sich die Owner ja auch anschauen konnten, kommen dann an die Gitter und suchen sich ihre Owner aus. Das funktioniert genauso wie die Damenwahl in der Tanzschule.
Dann gehen alle hinüber auf euer Grundstück. Dort ist ein Parcours aufgebaut. Die Pet-Owner-Teams sollen den Parcours nacheinander durchlaufen und die Aufgaben erfüllen. Wir stoppen die Zeit. Dieter und Paul haben in der Zwischenzeit die Gehege hier abgebaut und Tische, Bänke, sowie einen Grillplatz errichtet. Die besten zwei Teams erhalten eine Übernachtung in den beiden Gästezimmern als Gewinn.
Dieter hofft, dass unter den Leuten einige sind, die DS praktizieren ohne SM-Anteile, also so wie wir. So ließen sich Freundschaften begründen.“

Ich höre aufmerksam zu und nicke am Schluss von Biggis Rede. Während wir mit dem Servieren der Getränke beschäftigt sind, läuft Tapsy von einem zum anderen Gast, beschnuppert und begrüßt sie, und holt sich hier und da Streicheleinheiten ab.

„Das wäre schön,“ bestätige ich Biggi.

Ich sehe, dass Dieter in Begleitung von Paul draußen an die Gehege tritt und mit den Pets spricht. Kurz darauf betreten sie die Terrasse und kommen ins Wohnzimmer.

„Hallo,“ sagt Dieter. „Ich möchte mich noch einmal für euer zahlreiches Erscheinen bedanken. Hiermit ist die Veranstaltung eröffnet! Wir werden jetzt alle nach draußen zu den Pets gehen. Dort verteilt ihr euch bitte vor die Gehege der Ponys, Doggies, Kittys, Pigs. Je nachdem welche Art von Pets euch zusagt. Dann schaut ihr euch das Angebot in den Gehegen an. Die Pets werden ebenso das Angebot an Ownern interessiert betrachten. Auf ein Glockensignal hin kommen sie an den Zaun zu dem Owner, den sie sich für das nachfolgende Agility als Teampartner ausgesucht haben. Die Teams gehen dann hinüber zu den Parcours, wo sie weitere Anweisungen von Paul hier“ – er zeigt auf meinen Herrn – „erhalten.“

Die Leute stehen auf und drängen durch die Terrassentür nach draußen. Am Gitter verteilen sie sich vor den verschiedenen Gehegen, die durch Schilder gekennzeichnet sind. Aber auch an den Kostümen der Pets lässt sich erkennen, welcher Art sie angehören.

Etwa zehn Minuten später hat sich das Hin-und-Her-Gewusel gelegt. Jetzt ertönt eine Glocke über einen Lautsprecher und auch das Gewusel auf dem Gras legt sich. Männlein und Weiblein halten sich in etwa die Waage, wie ich sehen kann. Die Pets kommen an das Gitter zu den Ownern. Ich kann beobachten, dass einige aus der Gruppe der Owner einen Schritt zurück machen. Auf diese Weise dauert es eine gute halbe Stunde bis sich alle Teams gebildet haben. Dieter lässt dazu das jeweilige Pet zu dem Owner aus der Umzäunung.

Nach und nach gehen die Teams hinüber auf unser Grundstück. Dort sollen wir unverzüglich mit der Wertung auf dem Parcours beginnen, hat Dieter gesagt. Wir sollen nicht warten bis alle Teilnehmer bei uns sind. Es bringt Spaß und viel Lachen von Seiten der Zuschauer.

Als nach zwei Stunden alle Teams den Parcours durchlaufen haben, bringe ich die Wertungs-Ergebnisse zu Paul und kann sehen, dass die Gitter am Rand zusammen gestellt und stattdessen Partytische und –bänke aufgestellt worden sind. Der Grill glimmt auch schon und erste Würste brutzeln.

Zurück auf unserem Grundstück informiere ich die Leute darüber und während sie zurückströmen stellen wir uns an die Tische unter denen Körbeweise Brötchen stehen. Sie müssen aufgeschnitten werden. Dieter schlägt das Fass an und beginnt die ersten Gläser zu füllen.

*

Mein Name ist Anita. Ich bin schon ein paar Jahre auf der Seite der Petplay-Community angemeldet. Dort habe ich mich Feli genannt, eine Abkürzung von Felitae, und genauso unnahbar wie eine Katze gebe ich mich auch, wenn ich per Persönlicher Nachricht Avancen anderer männlicher Community-Mitglieder bekomme. Deren Nachrichten sind vielfach so flach, dass man denken könnte, ihr Gehirn ist ihnen in die Hose gerutscht.

Irgendwann habe ich meiner Freundin Lisa davon erzählt und sie hat sich ebenfalls auf der Seite angemeldet. Unser liebster Aufenthalt dort ist der Story-Blog. Sehr interessant, was für Geschichten sich die Leute ausdenken! Aber ich könnte mir nie vorstellen, Petplay real zu leben…

Irgendwann lese ich eine Geschichte, die mich fesselt. Es geht dort um eine Frau, die in die Rolle der Hündin eines Mannes schlüpft. Das allein lässt mir einen Schauer den Rücken hinunter laufen, heißt das doch, man gibt zumindest zeitweise seine Selbständigkeit auf und lässt sich vertrauensvoll führen. Gut, dass es sich um ein Märchen, um reine Phantasie handelt!

Der Verlauf der Story beginnt mich jedoch zunehmend zu faszinieren. Bisher bin ich der Meinung gewesen, Petplay sei ein Ableger des BDSM, und die Herren benutzen die Frauen als Spielzeug ihrer sexuellen Lust. Sie zitieren sie zu sich, gebrauchen sie wie einen Gegenstand und schicken sie weg, um sie bald wieder zu sich zu rufen. Das Spiel geht so lange bis sie ihrer überdrüssig werden oder sie eine andere Frau gesehen haben und ihr Jagdtrieb wieder erwacht ist.

Die Story handelt jedoch von einem Mann, dem sich die Frau zwar hingibt, aber er benutzt sie nicht. Stattdessen kümmert er sich um sie. Er ermuntert sie, ihre Emotionen zu leben und bedient ihre Gefühle. Er sorgt sich um ihr Wohl und pflegt sie, als wäre sie das Tier, das sie spielt. Auch aus dem Blickwinkel der Frau finde ich dieses Verhalten himmlisch.

Als ich mit Lisa über die Geschichte spreche, macht sie mich darauf aufmerksam, dass das nur die eine Seite ist. Daneben bestimmt der Mann über die Frau und sie braucht ein gehöriges Maß an Vertrauen ihm zu gehorchen, weiß sie doch nicht wohin das führt. Hat er wirklich immer ihr Wohl im Auge? Oder nutzt er sie nicht doch letztlich aus?

Ich bin schon etwas tiefer in der Geschichte drin, und antworte ihr:

„Zu einer lockeren bis festeren Beziehung gehören immer zwei. Das ist im normalen Alltag genauso. So wie ich die Geschichte verstehe, lässt er der Frau – seiner Doggie – ihre Eigenarten. Ein Hinausschieben von Grenzen, ein Überwinden von mentalen Hürden findet nicht statt. Das unterscheidet diese Geschichte vom BDSM. Ich sehe ein Gleichgewicht der Protagonisten.“

Lisa brummt zweifelnd. Also schreibe ich einen Beitrag unter die Geschichte. Ich lobe die beschriebene Gewaltfreiheit und bekenne, dass ich bisher dachte Petplay sei nur mit sadomasochistischen Praktiken denkbar.

Der Autor bedankt sich kurz darauf in einem weiteren persönlich gehaltenen Beitrag für meine Rückmeldung und sagt, dass er mit seinen Ansichten zum Thema hinter der Geschichte steht, was mich sehr für ihn einnimmt.

Monate später bietet der Autor in einem Beitrag einen Petplay-Nachmittag für alle interessierten Singles an. Um das Kennenlernen untereinander zu fördern sollen die Pets sich ihre Owner auswählen, mit denen sie die Aktivitäten und Spiele durchlaufen möchten. Das finde ich so interessant, dass ich Lisa überrede mit mir zu der Location in die Eifel zu fahren. Ich nehme mir fest vor, das Angebot an Ownern auf Herz und Nieren zu prüfen. Dabei kann Lisa mir eine große Hilfe sein.

Im Verlaufe des Nachmittages müssen wir allerdings feststellen, dass wohl außer den Veranstaltern alle anderen Männer sadomasochistischen Praktiken anhängen und im Übrigen nur an dem Einen interessiert sind. Wir stehen auf, lassen sie sitzen und setzen uns etwas abseits der Leute, um fertig zu essen und dann zu fahren. Das hat die jüngere der beiden Servicekräfte wohl bemerkt, denn sie kommt auf uns zu, setzt sich und fragt nach unseren Eindrücken während des Events.

*

Einer der männlichen Doggies, ein etwa gleichaltriger Mann, steht von seinem Platz auf, wo er sich mit seiner Ownerin eine ganze Zeit unterhalten hat und kommt zu mir.

„Was kann ich Ihnen Gutes tun?“ frage ich.

Ich denke, er möchte für sich und seine Begleitung, die er hier kennengelernt hat, etwas zu essen bestellen. Er schaut mich mit zweifelnder Miene an.

„Sagen Sie mal,“ setzt er an. „Sind hier alle Frauen so – teuer?“

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und frage zurück:

„Wie meinen Sie das?“

„Nun ja, der Nachmittag war interessant. Ich habe die Frau eben gefragt, ob es eine Fortsetzung geben könnte. Sie wohnt in Köln – genau wie ich…“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:05

„Das sind doch die besten Voraussetzungen für ein gemeinsames Faible!“ stelle ich fest.

„Wissen Sie, was sie geantwortet hat? Für 400 Euro pro Monat könnten wir uns gerne an einem Nachmittag pro Woche bei ihr treffen. Dann könnte ich mich ganz ins Dogspace fallen lassen…“

Ich schaue mein Gegenüber enttäuscht an.

„Das hätte ich nicht gedacht, dass hier einige ein Geschäft aus dem Faible machen. Mir würde so etwas nie in den Sinn kommen!“ entgegne ich ihm.

„Würden Sie mich als ihr Doggie trainieren?“ fragt mein Gegenüber hoffnungsvoll.

Ich lächele ihn an und strecke ihm die Hand hin. Er nimmt sie und schüttelt sie kurz.

„Ich heiße Dieter,“ stelle ich mich vor.

„Ich bin der Klaus,“ sagt mein Gegenüber.

„Ich bin allerdings hetero,“ dämpfe ich seine Erwartungen, „ich kann mit einem männlichen Doggie wenig anfangen. Es geht ja doch nicht bloß um das Kommandieren und Gehorchen. Es entstehen Sympathien zwischen Herr und Doggie. Im Idealfall wird mehr daraus. - Wie bist du eigentlich zum Dogplay gekommen?“

„Ich arbeite seit Jahren in einer großen Fabrik in Köln am Band,“ berichtet Klaus. „Zuhause hatte meine Ex das Regiment. Allerdings ging die Beziehung vor drei Jahren in die Brüche. Seitdem versuche ich, mich neu aufzustellen. Über das BDSM bin ich zum Petplay gekommen. Bin also noch ganz neu und fand das Angebot hier so interessant, dass ich es mir einmal anschauen wollte.“

„Das tut mir dann leid, dass du auf Anhieb nicht die Richtige für dich gefunden hast. Aber das kann ja noch kommen,“ versuche ich ihn zu trösten. „Aber sag, in einer großen Fabrik in Köln am Band… Das erinnert mich an etwas.“

„Ja?“

„Ich habe bei Ford Köln meine Ausbildung gemacht und bin danach ins Hauptwerk ans Band gekommen. Nicht direkt ans Band,“ präzisiere ich, „sondern in eine Werkstatt neben dem Band. Dort sollte ich Kleinserien von Ersatzteilen für das Band herstellen unter Zeitvorgabe. Zusätzlich saß mir der Meister ständig im Nacken. Ich habe es nur ein halbes Jahr dort ausgehalten. Gebuckelt habe ich im Elternhaus genug. Das brauche ich nicht auch noch auf der Arbeit! Heute habe ich verstanden, dass der Meister wohl Druck von oben auszuhalten hatte, und diesen nach unten weitergegeben hat… Ich bin allerdings anders gestrickt: Aufgrund meiner kindlichen Erfahrungen war ich nun nicht mehr bereit zu buckeln. Lieber steh ich mit geradem Rücken da und biete den Meinen eine Stütze, Schutz und Sicherheit. Auch ich habe ins BDSM hinein gerochen und festgestellt, dass das nichts für mich ist.
Etwas anderes - stell dir mal vor, du stehst einem Rudel Doggies vor, wärst der Rudelführer. Wie würdest du mit den Doggies deines Rudels umgehen?“

„Nun,“ beginnt Klaus bedächtig, “als Rudelführer läge mir einerseits auch das Wohl des Rudels am Herzen, andererseits müsste ich aber auch darauf achten, stets Rudelführer zu bleiben. Es wird sicher öfter zu Rangkämpfen kommen…“

„Und du wirst das Rudel führen, wie der Name schon sagt…“

„Natürlich, aber Führen ist dann nicht Selbstzweck, sondern die Verantwortung für das Wohl des Rudels steht im Vordergrund.“

„Richtig, Klaus. Kannst du dir denken, warum ich dich gefragt hab?“

„Hast du eine Rudel Doggies?“ fragt er mit einem lauernden Gesichtsausdruck.

„Nein,“ antworte ich mit vielleicht etwas zuviel Schärfe in der Stimme. „Im Übrigen halte ich Sex für die schönste NEBENSACHE der Welt. Männer, deren Gehirn vorne in der Hose sitzt, kann ich nicht gebrauchen!“

Etwas versöhnlicher ergänze ich: „Du sprachst eben von verantwortungsbewusstem Führen mit Blick auf das Wohl der Doggie. Wie wäre es, wenn du die Seite wechselst? Werde Owner, jedoch nicht sexorientiert, sondern gefühlvoll und einfühlsam. Sieh in deiner Doggie kein Spielzeug deiner Lust, sondern ein Lebewesen mit Gefühlen, das sich dir anvertraut. Vertrauen ist ein hohes Gut! Und Verantwortung ist eine große Aufgabe!“

„Hmmm,“ brummt er. „Du meinst?“

„Ja,“ sage ich. „Setz dich erst einmal her.“

Ich weise auf einen freigewordenen Tisch in der Nähe und stelle zwei Gläser darauf. Ich setze mich über Eck und rufe:

„AIKA, ZU MIR!“

Biggi hat den letzten Teil der Unterhaltung mitbekommen und kommt nun heran. Zwischen mir und Klaus geht sie auf alle Viere und schaut zu mir auf. Ich nehme mein Glas, setze es ihr an den Mund und lasse sie einen Schluck trinken. Dann lege ich ihr meine Hand auf die Schultern und sage zu Klaus:

„Verstehe dich als Owner nicht als Domsad, sondern kümmere dich, sorge, pflege, trage die Verantwortung, so dass dein mögliches späteres Doggie sich bei dir sicher und geborgen fühlt.“

Klaus nickt.

„Das hat was,“ meint er dazu.

„Vertrete nicht bloß deine Interessen gegenüber der Umwelt. Mach dir auch ihre Interessen zu eigen und vertrete auch sie! Das nennt man ‚Verantwortung übernehmen‘.“

„Ich…“ beginnt Klaus, als Lena hinzu tritt.

„Dieter, darf ich kurz unterbrechen?“

„Ja, was hast du denn?“

„Ich habe mich dahinten mit zwei Frauen unterhalten –Pets-. Sie sind ziemlich desillusioniert…“

„Probleme mit dem Event? Ideen, es zu verbessern beim nächsten Mal?“

„Nein, es geht um die Owner, die sie hier kennengelernt haben. Sie haben hier andere Charaktere erwartet als die üblichen, weil sie von deinem Roman fasziniert waren.“

„Hm, ein Roman ist ein Roman. Er beschreibt ein idealisiertes Leben. Klar, ich stehe voll dahinter. Aber es müssen sich auch noch andere finden, denen der Roman Denkanstöße gibt, um sie ins reale Leben zu überführen wie bei uns.“

Ich drehe mich zu Klaus um.

„Wäre das nicht etwas für dich?“

„Ich kenne deinen Roman nicht! Wie soll ich mich ihnen gegenüber denn verhalten? Was erwarten sie von mir? Eigentlich wollte ich zuhause eine Weile darüber nachdenken! Wenn wir in Kontakt bleiben könnten für die vielen Fragen, fände ich das gut.“

„Denk einfach daran: Du bist kein Domsad, aber du bist der Rudelführer, du sagst wo es lang geht, aber nicht mit Blick auf deinen persönlichen Lustgewinn, sondern mit Blick auf ihr Wohl, auf das Wohl des Rudels! Damit dürftest du punkten. Denk einfach an das, was ich dir gesagt hab.“

Ich nicke ihm aufmunternd zu. Klaus steht mit zweifelndem Gesicht auf. Er lässt sich von Lena zu den beiden Frauen führen. Gespannt schaue ich hinter ihm her.

In diesem Moment treten die beiden Pärchen an mich heran, die als Sieger aus dem Parcours-Lauf hervor gegangen sind. Einer der ‚Owner‘ spricht mich an.

„Hey, habt ihr hier auch ein Spielzimmer?“

Ich schaue ihn groß an und schüttele nach einer Gedankenpause den Kopf.

„Nein, der Herr. Wir praktizieren hier Petplay und kein Sadomaso…“

Der Mann dreht sich schulterzuckend zu dem Anderen um, dann wendet er sich wieder mir zu.

„Dann verzichten wir gerne auf die Übernachtung. Kennen Sie einen Club in der Nähe?“

„Leider nein. Aber das lässt sich leicht googlen,“ antworte ich ihm.

Daraufhin entfernen sich die Vier in Richtung Parkplatz. Ich schaue Biggi vielsagend an. Nach einer Weile schaue ich mich um und erkenne, dass nur noch wir Vier und das Grüppchen, das Lena zusammen gebracht hat, anwesend sind. Die anderen haben sich geräuschlos davon gemacht, als das Angebot an Speisen und Getränken allmählich zur Neige geht.

*

„Hey, ich bin die Lena. Darf ich fragen, ob euch das Event gefallen hat?“ fragt die Servicekraft und setzt sich zu uns.

„Hallo, ich heiße Anita und das ist meine Freundin Lisa. Ehrlich gesagt, wir haben uns etwas anderes versprochen von diesem Nachmittag,“ antworte ich ihr.

Lena schaut interessiert.

„Ward ihr schon einmal irgendwo anders auf einem Event? Wo liegt der Unterschied? Was könnten wir beim nächsten Mal anders, besser machen?“ hakt sie nach.

„Ich weiß auch nicht,“ bekenne ich. „Nein, wir waren noch auf keinem anderen Event. Wir sind Mitglied auf der Petplay-Community-Seite und praktizierten Petplay bisher mehr als Kopfkino. Aus diesem Grund war der Storyblog unser liebster Aufenthalt.“

„Darf ich fragen, wo für euch die mentale Hürde liegt, Petplay real zu praktizieren?“

„Aus den Beiträgen im Forum und den meisten Stories geht hervor, dass die Leute das Petplay als Ableger des BDSM betrachten – und das liegt uns nun ganz und gar nicht! Sicher, davon lesen kann man. Hier und da läuft einem beim Lesen ein Schauer den Rücken hinunter. Aber eines fehlte lange Zeit völlig: Es ist zu sehr körperbetont! Die Gefühle werden kaum angesprochen. Man schielt zu sehr auf die eigene Lusterfüllung und geht davon aus, dass der Mitspieler dann ebenfalls Lust empfindet. Das mag ja sein, aber die Gefühle werden davon nicht angesprochen. Die Zärtlichkeit bleibt auf der Strecke. Geborgenheit will sich nicht einstellen.
Da fiel mir die Geschichte von Veranstalter dieses Events in die Hände und plötzlich erkannte ich, dass Petplay und BDSM nicht zwingend zusammen gehören müssen. Als er dann zu diesem Event eingeladen hat, wollte ich unbedingt hier hin, um das einmal real zu erleben.“

„Und jetzt bist du enttäuscht. Dazu kann ich nur sagen, ob ein Event Spaß macht oder nicht, hängt von den Teilnehmern ab. Der Veranstalter kann nur moderieren und den Service in Gang halten. Die Teilnehmer dagegen geben das wieder, was du auch auf der Seite der Community im Internet festgestellt hast.
Ich mache dir einen Vorschlag: Ich gehe zu Dieter, so heißt der Veranstalter real, und erzähle ihm von euch. Er hat sicher einen Rat parat.“

„Ja, okay,“ stimme ich zu und schaue Lisa dabei an. Sie nickt kaum merklich.

Lena erhebt sich und geht zu dem Tisch in der Nähe der Theke, an dem der Veranstalter gerade mit einem männlichen Teilnehmer des Events spricht. Um uns herum brechen die anderen Teilnehmer des Events nacheinander auf.

Lena spricht kurz mit Dieter, der zu uns herüber schaut und kurz lächelt. Dann spricht er noch einmal mit dem Gast, der sich erhebt und in Lenas Begleitung an unseren Tisch kommt.

„Hallo, ich bin der Klaus. Darf ich fragen, welche Wünsche und Phantasien, Träume und Sehnsüchte Sie antreiben? Was hat Sie zur Teilnahme an diesem Event bewegt?“

„Um es gleich klarzustellen,“ antworte ich bestimmt, „für ein Sexdate sind wir nicht hierhergekommen!“

Der Mann hebt abwehrend die Hände.

„Danach steht mir beim ersten Kennenlernen überhaupt nicht der Sinn! Ich will einzig reden, kennenlernen, spüren, ob Sympathie rüberkommt, oder nicht. Ich bin keiner von der ‚Ohne-Anlauf-Fraktion‘!“

„Okay,“ sage ich. „Das wollte ich nur mal voraus geschickt haben. Wir zählen uns zu den Katzen, das heißt wir sind eigenständig. Unser Vertrauen zu gewinnen braucht seine Zeit. Dann mögen wir gerne kuscheln und dass sich unser eventueller Owner gefühlvoll mit uns beschäftigt. Schmerzen und unhygienisches mögen wir gar nicht!“

„Ich denke mal, ich stelle mich kurz vor: ich bin 51 und seit drei Jahren geschieden. Ob ich mich nun mit Hündinnen oder Katzen beschäftige, muss ich noch selbst herausfinden. Aber gleich mit zweien? Ich bin nicht sadistisch veranlagt, möchte Sie also nicht als mein Spielzeug benutzen, sondern Ihnen Gelegenheit geben Ihre Gefühle auszuleben. Der Halter eines echten Tieres kümmert sich um das Wohl und die Pflege, dafür ist das Tier ihm gegenüber hingebungsvoll und treu. Beide Seiten tragen also zum Gelingen bei. Genauso verstehe ich eine Pet-Owner-Verbindung.
Genau wie gegenüber einem Tier, übernehme ich auch gegenüber einem Pet Verantwortung. Mir ist bewusst, dass Sie als Frau ihre Selbstverantwortung kaum aufgeben wollen! Aber in der Zeit, in der Ihr Vertrauen wächst – was durchaus Wochen bis Monate dauern kann, das ist mir bewusst – können sie Teile ihrer Verantwortung auf mich übertragen und auch wieder entziehen!“

„Das ist in etwa das, was ich in der Geschichte des Event-Veranstalters gelesen habe. Plappern Sie da etwa etwas nach, oder ist das ihre echte Überzeugung?“ hakt Lisa jetzt nach, bevorich selbst etwas sagen kann. Das Ganze kommt auch mir etwas seltsam vor.

„Dieter hat auch meinen Herrn, Paul, von seiner Sicht auf das Petplay überzeugt,“ wirft Lena dazwischen.

„Ich muss gestehen,“ antwortet Klaus, „dass das Gesagte eher meinem Gefühl entspricht. Ich selbst habe noch wenig Erfahrung darin ein Pet verantwortungsbewusst zu führen. Ich habe eben mit Dieter gesprochen und er hat mir versprochen, mir zu zeigen wie das unterbewusste Gefühl in bewusstes Tun überführt werden kann. Möchten Sie gleichzeitig mit mir bei Dieter in die Lehre gehen?“

Ich werfe Lisa einen vielsagenden Blick zu. Eigentlich würde ich das Gespräch hier abbrechen wollen. Aber nachdem die letzten vier Eventteilnehmer den Grillplatz verlassen haben, kommen Dieter und Paul mit der älteren Servicekraft auf uns zu.

„Dürfen wir uns setzen?“ fragt Dieter und setzt sich wie selbstverständlich neben Klaus.

Neugierig bleibe ich sitzen. Die Anderen setzen sich ebenfalls.

„Was denken Sie über Petplay allgemein und das Event im Besonderen?“ richtet Dieter seine Frage an mich und Lisa.

„Das Event ist ja früh zu Ende,“ stellt Lisa fest.

Dieter lächelt gequält.

„Was heißt ‚früh‘,“ sagt er. „Dass die Kennenlern-Gespräche bei Essen und Trinken nicht immer den gewünschten Erfolg haben, ist bei der Unterschiedlichkeit der Charaktere und Vielzahl der Neigungsvarianten eigentlich normal. Umso schöner finde ich, dass wir hier nun zu Siebt zusammen sitzen, wo wir vorher zu Viert waren.“

„Klaus sagte gerade, dass er von Ihrer Art Petplay zu leben fasziniert ist und Sie ihm versprochen haben, ihm das WIE zu zeigen…“

Dieter schaut Klaus vielsagend an und schaut mir dann gewinnend lächelnd in die Augen.

„Damit wären wir dann schon drei ‚Owner‘. Ich habe auch Paul ‚meine Art Petplay zu leben‘, wie du es nennst, beigebracht. Paul und Lena sind inzwischen ein Paar und Biggi hier ist mit mir befreundet.“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:07

Er weist auf die ältere Servicekraft, die auf der anderen Seite neben Dieter Platz genommen hat.

„Ich mache euch Dreien einen Vorschlag,“ sagt er dann. „ Da unsere beiden Gästezimmer frei sind, die Gewinner haben dankend verzichtet, biete ich sie euch an. - Paul ist sicher einverstanden. – Und morgen Vormittag erlebt ihr Lena und Biggi als Doggies. Ihr könnt dabei zuschauen, wie wir mit unseren Doggies umgehen und danach überlegt ihr euch in den nächsten Wochen, was ihr wollt.“

Paul hat freundlich lächelnd genickt, als das Gespräch auf sein Gästezimmer gekommen ist.

„Ich nehme mit Lisa eins und Klaus kann das Andere haben!“ stimme ich neugierig zu.

„Selbstverständlich,“ bestätigt Dieter. „Helft ihr uns beim Aufräumen?“

„Gern,“ bestätige ich lächelnd.

Es dauert fast zwei Stunden, bis alle Gerätschaften und Partymöbel in einem Baucontainer verstaut sind. Die Dämmerung ist herein gebrochen. Wir versammeln uns in Dieters Wohnzimmer, wo wir ihn mit Fragen löchern können. Ich finde es wohltuend, wie er selbst für das scheinbar Unsinnigste offen ist. So wird es spät an diesem Samstag, als wir uns alle in unsere Zimmer zurückziehen.

Bemerkenswert ist mir Lenas Bekenntnis zu ihrer Partnerschaft mit Paul erschienen. Es hat damit begonnen, dass einer aus der Runde – ich glaube, Klaus hat es fallen gelassen – das Wort ‚Liebe‘ ins Gespräch gebracht hat. Paul hat sich eingeschaltet und präzisiert:

„Liebe ist übrigens mehr als die sexuelle Harmonie, für die das Wort heute oft gebraucht wird! Genauso wichtig ist die emotionale Hingezogenheit zum Partner.“

Lena hat sich daraufhin eingeschaltet:

„Ohne die Liebe zum Partner hat der Sex miteinander nicht diese Kraft! Die Liebe verbindet beide auf emotionaler Ebene. Sie macht langmütig, lässt also vieles zu, worüber andere schon längst in Streit geraten wären. Sie lässt einen nicht nach seinem persönlichen Vorteil suchen oder nachtragend werden, sondern versucht das Wohl des Anderen zu vermehren. Sie respektiert den anderen, verurteilt die Lüge, lässt einen ritterlich und ehrenhaft handeln. Die Liebe hält allen Anwürfen von außen stand!“

Während Lena redet, werden meine Augen immer größer. Dann platzt es aus mir heraus:

„Das ist doch alles Theorie! Das ist ein hohes Ideal von der Liebe, die im Alltag nicht lange Bestand hat! Wie willst du deine Ideale denn durch den Alltag retten?“

Paul antwortet für Lena, während sie sich an ihn schmiegt:

„Wir sind alle nur Menschen und keine Halbgötter. Aber wir sind intelligent genug frühzeitig Anzeichen zu erkennen, dass man sich auseinander lebt und darüber offen sprechen. Dann lässt sich gegensteuern. Lena ist das wichtigste Lebewesen auf diesem Planeten für mich! Umgekehrt gilt sicher das Gleiche.“

Er lächelt, während sie sich etwas streckt und ihm einen Kuss auf die Wange drückt. Auch Biggi schaut Paul an und dann zu Dieter.

„Wie will ich nun gegensteuern?“ nimmt er den Faden wieder auf. „Es gibt eine Reihe negativer Einflüsse, die man kennen muss: einmal, wenn wir uns des anderen nicht mehr bewusst sind, wenn uns der andere egal zu werden beginnt. Dann das unstillbare Verlangen nach mehr. Wenn uns der andere nicht mehr genug ist. Oder, wenn das Mitgefühl schwindet und der Selbstsucht Platz macht. Auch die Angst vor der Vergänglichkeit, vor dem Ende des Mitgefühls. Sowie, wenn die Gefühle nicht mehr unser Handeln bestimmt, sondern das körperliche überhandnimmt. Und letztlich, nur noch zu glauben, was man sieht. Wenn also die Rationalität mehr Gewicht bekommt als die Emotionalität. Schließlich die Besserwisserei, die verblendete Selbstüberzeugung, der Fanatismus.
Das muss alles auf den Tisch und besprochen werden, ohne den Anderen mit Vorwürfen zu überhäufen. Dann müssen Lösungen gesucht werden – Verhaltensänderungen nicht nur beim Anderen, sondern auch bei sich selbst.“

„Das ist ein Riesen-Programm! Ich weiß nicht, ob je ein Mensch dazu fähig ist…“ sage ich.

Wahrscheinlich klingt meine Stimme entmutigt, denn nun sagt Dieter:

„Verliere niemals den Mut! Erinnere dich an das, was dich einmal mit deinem Partner zusammen gebracht hat und überlege dir, ob du das wirklich über Bord werfen willst. Außerdem, nichts geschieht von jetzt auf gleich. Alles entwickelt sich – von einer Mücke zu einem Elefanten. Die Mücke lässt sich noch leicht bekämpfen!“

„Okay,“ sage ich und spüre, wie mir die Lider schwer werden.

Ich schaue Lisa an und sage dann:

„Seid ihr uns böse, wenn wir schlafen gehen wollen?“

„Aber nein, zieht euch ruhig zu zurück und träumt etwas Schönes!“

Ich stehe auf und auch Lisa erhebt sich. Wir gehen die Treppe hoch zum Gästezimmer und wünschen noch einmal eine ‚Gute Nacht‘. Dabei sehen wir, dass auch die Anderen sich erheben und die Gläser in die Küche bringen.

*

Am nächsten Morgen werde ich von Geschirrgeklimper wach. Die Sonne schaut über die hohen Bäume des nahen Waldes und taucht das Gästezimmer durch die Vorhänge in ein Dämmerlicht. Ich stehe auf, ziehe die Vorhänge zur Seite und öffne einen Fensterflügel. Schlagartig wird es hell im Zimmer. Nadelholzduft und Vogelstimmen erfüllen die Luft. Lisa regt sich nun auch, setzt sich auf und kneift die Augen zusammen.

„Musst du unbedingt den großen Scheinwerfer anknipsen?“ fragt sie scherzhaft.

Dann steht auch sie auf. Wir gehen ins Bad auf dieser Etage. Von unten strömt uns der Duft frischen Kaffees entgegen.

Schließlich sind wir fertig und gehen die Treppe hinab ins Wohnzimmer. Unten sitzen die drei Männer schon am Esstisch. Zwei freie Gedecke zeigen uns, wo wir uns setzen dürfen.

„Hallo, guten Morgen,“ begrüßt uns Dieter. „Habt ihr gut geschlafen?“

„Ja, danke, sehr gut,“ antworte ich lächelnd.

Wir treten an den Tisch. Ich will gerade nach Biggi und Lena fragen, da sehe ich beide auf allen Vieren neben ihren ‚Haltern‘ von Tellern essen, die auf dem Boden stehen. Tapsy, ihr Mops, beschäftigt sich zwei Meter entfernt mit seinem Futternapf.

Biggi und Lena haben beide Leggings und einen BH an. Dazu Ballerinas, Knieschoner, Fausthandschuhe und ein Halsband. Räuspernd setze ich mich. Dieter wünscht uns einen guten Appetit und sagt, dass wir gerne zulangen sollen. Wegen der seltsamen Atmosphäre kann ich allerdings nicht viel essen. Natürlich, Dieter hat gestern Nachmittag gesagt, dass er uns heute reales Petplay zeigen möchte und wir haben neugierig eingewilligt, aber gewöhnungsbedürftig ist das Ganze doch.

„Ihr seid Mitglieder der Petplay-Community,“ versucht Dieter die Stille zu durchbrechen. „Ihr habt euch, wie ihr sagt, bisher hauptsächlich dort im Storyblog aufgehalten und die Geschichten auf euch einwirken lassen. Manches Mal ist euch ein Schauer den Rücken herunter gelaufen beim Lesen, und durch meine Geschichten ist dir aufgegangen, dass Petplay nicht unbedingt etwas mit BDSM zu tun haben muss, hast du gesagt, Anita.
Die Neugier darauf Petplay live zu erleben, hat dich gestern hier übernachten lassen…“

„Das stimmt alles,“ meine ich. „Aber es ist doch etwas anderes, darüber zu lesen und es live zu erleben.“

„Gestern hast du an einem Petplay-Event teilgenommen…“

„Das ist richtig. Ich weiß auch nicht, was los ist. Gestern, das war so anders…“

„Die Teilnehmer kamen überwiegend aus der BDSM-Szene. Du sahst deine Ansicht über das Petplay bestätigt. Diese Bestätigung gab dir eine gewisse Sicherheit. Das Neue heute Morgen macht dich unsicher?“

„Ja, so könnte man sagen,“ antworte ich, erleichtert, dass Dieter mich anscheinend versteht.

„Keine Angst, Anita. Niemand verlangt von dir, dass du auf alle Viere gehst! Zwang gibt es bei uns nicht! Erlebe den Tag, bis ihr beide fahren müsst, aus der Perspektive eines unbeteiligten Zuschauers. Fragen, die in deinen Gedanken aufsteigen – stell‘ sie sofort und wenn sie dir noch so absurd erscheinen. Ich bin für alles offen! Auch kannst du später gern die Telefonnummer von Lena oder Biggi haben, um dich mit ihnen auszutauschen, wann immer du das Bedürfnis hast.“

„Okay, gerne,“ erleichtert schaue ich zu den beiden Doggies hinunter, deren Blick zu kreuzen ich bisher vermieden habe.

Beide haben ihre Teller leer. Lena schaut lächelnd zu mir auf und nickt mir freundlich zu.

„So, wir wollen uns für einen Waldspaziergang fertig machen,“ bemerkt Dieter nun.

Paul und auch Dieter beugen sich zu ihren Doggies hinunter und reinigen ihnen den Mund. Die Mops-Dame kommt heran und springt fiepsend an Pauls Arm hoch. Er streichelt sie mit der freien Hand bis er aufsteht. Da lässt sie von ihm ab.

Sie läuft zu ihrem Kissen und bringt einen Kunststoffknochen, den sie vor sich fallen lässt. Dann streckt sie ihren Hintern in die Luft und stupst das Spielzeug mit ihrer Schnauze an. Lena wendet sich ihr zu, beugt ihre Ellbogen so, dass auch ihr Hintern hoch zeigt, und stupst den Knochen mit einer Faust seitlich vielleicht dreißig Zentimeter weg. Taps springt hinzu und stupst den Knochen mit ihrer Schnauze noch etwas weiter weg. Lena macht einen Schritt auf Fäusten und Knieschonern hinterher und stößt den Knochen ein kleines Stück in Biggis Richtung.

Biggi kommt hinzu, geht nun ebenfalls durch Beugen ihrer Ellbogen mit dem Kopf tiefer und stößt den Knochen in die andere Richtung.

Die Männer haben in der Zwischenzeit den Tisch abgeräumt und Dieter sagt nun:

„AIKA, CHERIE, ZU MIR!“

Beide Doggies stoppen das Spiel und laufen zu Dieter. Er leint sie an, während Paul sich Taps schnappt und ebenfalls anleint. Dann hält er uns die Leinen hin.

„Wenn ihr mögt, führt ihr die Doggies und den Hund. Wir wollen uns eben schnell Gummistiefel anziehen und zwei längere Bohlen mitnehmen. Wir hatten schon länger vor, eine provisorische Brücke über die Kyll zu legen. Dies wäre dann der Anfang.“

Ich nehme die Leine mit Lena am anderen Ende etwas zögernd entgegen. Lisa nimmt Biggi grinsend und Klaus darf sich mit Taps zufrieden geben. Paul und Dieter ziehen Gummistiefel an. Dann gehen wir nach draußen.

Vor dem Haus meint Dieter:

„Wartet mal kurz.“

Dieter und Paul gehen um die Hausecke und haben wenig später eine etwa fünf Meter lange faustdicke Bohle über der Schulter liegen. Sie gehen auf die Nadelholzschonung hinter den Häusern zu und Dieter fordert uns auf, ihnen zu folgen.

„Die Häuser werden von Zeit zu Zeit an Feriengäste vermietet und die Fichten hier werden in der Weihnachtszeit als Weihnachtsbäume verkauft,“ erklärt er uns.

„Damit unterhaltet ihr die Häuser?“ frage ich ihn.

„Ja, aber nicht nur die Häuser. Der Gewinn ist unser Lebensunterhalt. Wir sind selbständig,“ antwortet Dieter mir.

„Oh,“ entfährt es mir.

Nach ein paar Minuten betreten wir den Wald auf einem sandigen Weg.

„Ich denke, wir könnten die Doggies hier von der Leine lassen. Was denkst du, Dieter?“ sagt Paul.

Dieter dreht sich ein wenig dem Sprecher zu, wodurch seine Bohle einen Schwenk macht. Dieter stoppt die Bewegung sofort und antwortet:

„Eine gute Idee. AIKA und CHERIE kennen den Weg.“

Er bleibt stehen, während Paul ein paar Schritte weitergeht. Jetzt dreht sich Dieter vorsichtig um, damit er uns das Holz auf seiner Schulter nicht vor die Birne knallt. Dann fragt er:

„Ihr kennt euch aus mit Hundekommandos?“

Wir schütteln fast synchron die Köpfe, und ich antworte:

„Das wollten wir ja mit der Zeit bei euch lernen.“

„Okay,“ meint er und sagt: „CHERIE, AIKA, SITZ!“

Lena und Biggi setzen sich prompt auf dem Weg auf ihre Fersen.

„Jetzt könnt ihr die Leinen von den Halsbändern lösen,“ sagt er zu uns. „Klaus, lass Tapsy noch angeleint bis wir die Wiese erreicht haben, die unser Ziel ist.“

Klaus will sich gerade zu Taps hinunter beugen, stoppt aber in der Bewegung und kommt schulterzuckend und lächelnd wieder hoch. Dieter sagt jetzt:

„CHERIE, AIKA, FREI!“

Sofort laufen beide Doggies vom Weg herunter auf den weichen Waldboden. Lena erhebt sich in den Zweifüßler-Stand und reckt sich. Dann geht sie wieder runter in den Vierfüßler-Stand und beginnt zwischen den Bäumen hindurch unserem Weg zu folgen. Biggi macht es nun auch und Taps zieht bellend an der Leine in Richtung Lena.

Paul dreht sich ein wenig und ruft Klaus zu:

„Zieh mit einem kurzen Ruck an der Leine und sag in strengem Tonfall BEI FUSS.“

Klaus beherzigt den Rat. Taps fiept kurz auf und kommt an Klaus‘ Seite. Einige Minuten später läuft sie wieder etwas voraus, Lena immer im Blick, zieht aber nicht mehr an der Leine. Wir bilden nun den Abschluss der kleinen Gruppe. Was mir auffällt ist, dass sowohl Lena als auch Biggi nicht mehr auf Fäusten und Knien laufen, sondern auf Fäusten und Zehenballen. Beide halten ihre Knie fast eine Fußlänge über dem Boden.

Dann biegt Paul in einen Trampelpfad ein, der rechts vom Weg abzweigt. Dieter wartet bis Paul zwischen den Bäumen verschwunden ist, dann betritt auch er den Trampelpfad. Biggi und Lena sind stehengeblieben und beobachten, was die Männer tun. Während sie warten, stehen sie wieder auf Fäusten und Knien. Dann betreten auch sie den Pfad. Taps zieht Klaus hinter den Beiden her. Er stolpert fast. Als wir den Pfad betreten sehen wir, dass es hier in Stufen abwärts geht. Die Stufen werden von Baumwurzeln gebildet, die den Pfad queren. Vorsichtig übersteigen wir die Wurzeln und gelangen so allmählich abwärts. Voraus erkennen wir ein Schilfdickicht, das Paul und Dieter unten am Ende des Pfades etwa Mannsbreit niedergewalzt haben. Dahinter sehe ich fließendes Wasser und das Gluckern des Wassers kommt nun zu den Vogelstimmen, die uns während des ganzen Spazierganges begleitet haben.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:09

Paul und Dieter haben die Bohlen auf den Boden gelegt, so dass sie eine Brücke für uns über den Bach bilden. Mit Bachkieseln festigen sie den Sitz der Bohlen, dann sagt Dieter lächelnd:

„So, ihr könnt rüber kommen.“

Als erste benutzen Lena und Biggi die Brücke auf allen Vieren, dann Klaus mit Tapsy und zum Schluss überqueren wir den Bach.

„Hier kannst du Taps von der Leine lassen,“ sagt Dieter zu Klaus, der das umgehend macht.

Tapsy läuft los. Nach etwa zehn Metern bleibt sie stehen und dreht sich um. Paul nimmt einen Gegenstand aus der Tasche, ruft so etwas wie HOOO und wirft ihn mit Schwung über die Wiese. Die beiden Doggies und Taps laufen nun hinter dem Gegenstand her.

„Kommt, wir gehen auch etwas in die Wiese hinein. Diese Gegend hier nennt man die Große Kyllschleife. Der Fluss – hier mehr noch ein Bach – ändert hier seine Richtung ziemlich extrem: Er fließt fast in die Gegenrichtung. Im Laufe von Jahrmillionen vielleicht, hat er diese Steilwand aus dem Fels gewaschen und hier wo wir stehen Sediment abgelagert,“ erklärt Dieter und zeigt in die Runde.

Die Doggies haben den geworfenen Gegenstand erreicht und scheinen sich nun darum zu streiten. Taps bellt und knurrt im Wechsel, hat das Teil mal in der Schnauze, mal lässt sie es fallen und nähert sich dabei uns mehr und mehr.

Lena und Biggi knurren ebenfalls, wie ich erstaunt feststelle. Dabei verschwinden ihre Köpfe immer wieder im Gras, während ihre Hintern ständig zu sehen sind. Dass Doggies so tief ins Dogplay eintauchen können, befremdet mich etwas.

Paul muss das an meinem Gesichtsausdruck ablesen, denn er sagt:

„Keine Panik, Anita. Wir geben unseren Doggies den Raum ihre Gefühle zeitnah ausleben zu können. Sie sollen sie nicht aus rationalen Gründen unterdrücken, um dann später einer Vertrauensperson zu erzählen, ‘da ist mir das und das passiert, dabei habe ich mich so und so gefühlt‘. Das Hier und Jetzt ist ausschlaggebend! Dass Normalos so etwas nicht verstehen würden, ist uns klar. Darum gehen wir dazu an Orte, wo wir fürs Dogplay unter uns sind!“

„Aber Knurren und Bellen…“

Paul schüttelt lächelnd den Kopf.

„Bellen wirst du CHERIE und AIKA nie hören. Und das Knurren ist unter Hunden als Warnung gemeint. Da wir auf nonverbale Kommunikation wert legen, als die Gestik und Mimik der Hunde mitsamt der dezenten Lautäußerung, die die Gestik noch unterstreicht – muss das halt sein. Es wird niemals zum Beißen kommen! Verletzungen vermeiden Hunde durch Beschwichtigungsgesten. Nur bei Kampfhunden wurde letzteres durch Erziehung arg eingeschränkt. Das gilt jedoch nicht für Doggies, die zu liebenswerten Familienhunden erzogen werden.“

„Erziehen…?“

Meine Stirnfalten werden tiefer.

„Das darfst du dir nicht nach Art der SMler vorstellen,“ beschwichtigt Paul. „Wir erziehen nicht mit der Peitsche. Unser Erziehungsmittel ist nicht die Angst vor der Strafe, der Schmerz, sondern die Motivation durch Lob und Belohnung. ‚Positive Verstärkung‘ nennt die Wissenschaft das.“

„Ah…“

Lena hat sich von Biggi und Taps getrennt und verschwindet hinter ein paar Büschen. Wenige Minuten darauf sehe ich, wie sie sich im Rücken von Paul anpirscht, tief in das Gras gedrückt. Hinter Paul kommt sie hoch und ist mit zwei Schritten an ihm dran. Sie stößt ihn um und alle lachen. In diesem Moment, als Dieters Aufmerksamkeit auf Paul und Lena gerichtet ist, wird auch er von Biggi umgestoßen.

Zuerst stehe ich sprachlos da und beobachte das Szenario. Dann falle auch ich in das Lachen ein. Lena und Biggi lecken Paul und Dieter ab, die am Boden liegen. Sie wehren sich nur halbherzig und kommen nur langsam in sitzende Stellung hoch. Sie knuddeln ihre Doggies. Es ist ein friedliches, zärtliches Bild, das sich mir da bietet. Auch Taps ist inzwischen herangekommen, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen.

Nach einer Weile sagt Dieter zu mir, da ich als einzige noch stehe:

„Komm, setz dich zu uns, Anita.“

Klaus und Lisa haben vorhin sich zusammen hin gehockt. Ich sehe sie zärtliche Blicke austauschen. Ich hocke mich nun auch hin. Dieter zieht seine Jacke aus und breitet sie im Gras aus. Paul sieht das und macht es ihm gleich.

„Macht es euch ruhig bequem,“ meint er und weist auf die Jacken auf dem feuchten Gras.

Zögernd folgen wir der Aufforderung. In der nächsten Stunde, die wie im Flug vergeht, löchern wir Dieter und Paul zum Petplay. Nach einer Weile rufen sie Biggi und Lena hinzu und erlauben ihnen zu sprechen. Nun erhalten wir das Petplay, wie die Vier es leben, auch aus der Sicht der Doggies erklärt. Als wir uns dann auf den Rückweg machen wollen und aufstehen, sehe ich, dass Lisa sich an Klaus Schulter angelehnt hat.

Auf dem Rückweg frage ich deshalb Lisa:

„Wie findest du Klaus?“

„Ich denke, er ist ein lieber Kerl,“ meint sie. „In seiner Nähe fühle ich mich wohl.“

„Hmm…“ brumme ich.

„Ist da Eine eifersüchtig?“ lacht sie. „Wart‘ ein bisschen! Du wirst auch noch ein Schnuckelchen für dich finden!“

„Eifersüchtig? Ich?“ lache ich zurück.

Natürlich weiß ich, dass Klaus nicht uns beide haben kann. Es wird wohl noch etwas dauern bis ich einen Owner finde, wie Dieter, Paul und bestimmt auch Klaus sie sind. Dieter, der mit Klaus nun auf dem Rückweg den Abschluss bildet, sagt in diesem Moment:

„Kommt doch wenn ihr Zeit an den Wochenenden habt – und wir gerade keine Feriengäste hier haben – gemeinsam hierher. Wir bringen euch die nonverbale Kommunikation und die Hunde-Kommandos bei.
Anita, du brauchst dich wirklich nicht als fünftes Rad am Wagen fühlen! Konzentriere dich auf deine Freundschaft mit Lisa. Das ist zu wertvoll, um es durch Konkurrenzdenken aufs Spiel zu setzen! Wir werden einfach weiterhin Events wie das Gestrige veranstalten. Dabei wird sich auch ein Owner für dich finden, der ins Schema passt!“

Ich bin ihm dankbar für die aufbauenden Worte und nehme mit vor, sie zu beherzigen. Nachdem wir wieder zurück sind, essen wir gemeinsam bei Dieter. Dabei kommen lustige Ereignisse während des gestrigen Parcourslaufes zur Sprache. Das trägt sehr zu der wohltuend gelösten Atmosphäre bei. Danach verabschieden wir uns und fahren nachhause.

*

Meine Freundin Anita, eine Anime-/Manga-Begeisterte, hat mich bei einem unserer Treffen darauf angesprochen, dass sie sich vor einiger Zeit auf einer Petplay-Community-Seite im Internet angemeldet hat. Ich runzele die Stirn und frage:

„Was ist denn das?“

„Das sind Leute, die im Rollenspiel ‚Haustier‘ und dessen Halter spielen, Lisa.“

„Hä?“

Ich zweifele etwas an Anitas Geisteszustand. Entsprechend entgeistert habe ich sie in dem Moment angeschaut und meinen Cappuccino hart auf die Tischplatte aufgesetzt.

„Du weißt doch von meinem Anime-Manga-Faible…“

„Ja, die Bildchen sind wirklich schön…“

„Und die Geschichten dahinter so schön emotional… Ich habe vor Längerem auf Youtube nach entsprechenden Videos gesucht und da welche gefunden mit realen Personen – keine Comics. Dabei ist der Begriff ‚Kemonomimi‘ des Öfteren gefallen. Im Laufe der Recherchen kam ich dann zum ‚Petplay‘. Danach habe ich gegoogled. So bin ich auf die Community gestoßen. Ich gebe zu, es ist etwas verwirrend.“

„Und diese Petplayer halten sich für ein Tier?“ frage ich, immer noch sehr zurückhaltend.

„Nein, so wie andere Leute in ihrer Freizeit irgendeinem Hobby nachgehen und dabei ihre Entspannung vom Alltagsstress finden, entspannen diese Leute dadurch, dass sie ein Haustier oder dessen Halter SPIELEN.“

„Hm, und was gefällt dir daran?“

„Du weißt doch, dass ich diese Comics früher regelrecht verschlungen und später nachgezeichnet habe.“

„Ja, an den Wänden hängen ja noch genug Kittys…“ entgegne ich grinsend.

„Auf der Seite,“ erzählt Anita weiter, „wird das Thema im Forum mit Beiträgen von allen Seiten beleuchtet. Außerdem werden Treffen bekanntgegeben und es existiert dort ein Storyblog. Darin werden Phantasie-Geschichten von Mitgliedern veröffentlicht. Diese Geschichten lassen Einem manches Mal einen Schauer den Rücken herunter rieseln. Wenn du magst, zeige ich es dir, wenn wir uns das nächste Mal bei mir treffen.“

Anita hat mich neugierig gemacht. Es ist doch ein Riesenunterschied, ob jemand Mangas mag und die Geschichten verschlingt und ob jemand das live nachspielt. Also sage ich:

„Ja, gern.“

Wie reden noch über so Einiges bis Anita aufbricht. Wir umarmen uns zu Abschied wie immer.

Eine Woche später bin ich bei Anita turnusmäßig verabredet. Wir unterhalten uns über alltägliches bis ich sie auf das ungewöhnliche Thema anspreche, dass sie beim letzten Treffen angeschnitten hat.

„Was ist denn nun mit dem Petplay? Du wolltest mir doch etwas zeigen!“

Anita holt ihren Laptop an den Tisch und setzt sich neben mich. Sie startet das Gerät und wählt sich ins Internet ein. Dann ruft sie eine Seite auf und meldet sich an.

„Schau mal hier,“ sagt sie, „alle möglichen Tierarten sind vertreten, Ponys, Hunde, Katzen, Kühe, Schweine – und da ist der Storyblog.“

„Als was hast du dich denn angemeldet?“ werfe ich dazwischen.

„Mein Nickname ist FELI, eine Abkürzung von Felitae. Ich spiele eine Kitty, selbständig, manchmal unnahbar, jedoch verkuschelt, wenn ich Vertrauen gewonnen habe.“

„Und? Hast du zu jemandem Vertrauen gefasst?“

„Den Richtigen habe ich leider noch nicht gefunden. Aber man soll nichts überstürzen – wie im normalen Alltag ja auch. Viel zu vielen Kerlen ist das Gehirn in die Hose gerutscht. Ich habe den Eindruck, dass sie sich bloß hier angemeldet haben, um über diese Schiene eine Frau ins Bett zu bekommen. Hier kehre ich die Unnahbare heraus, die auch schonmal ihre Krallen zeigt.
In den Beiträgen im Forum bekommt man den Eindruck, dass Petplay eine Spielart des BDSM ist. Auch viele Geschichten im Storyblog geben diesen Eindruck wieder. Man kann sich das wirklich nur durchlesen. Das Kopfkino lässt Einen hier und da erschauern. Live erleben möchte ich das nicht!“

„Weißt du was? Ich melde mich da ebenfalls an. Als unnahbare Katze Kerlen zeigen, wo der Hammer hängt, macht mir Spass,“ sage ich.

Meine Mundwinkel umspielt ein leichtes Grinsen. In den nächsten Minuten habe ich mich ebenfalls angemeldet. Wir überfliegen die Seite noch etwas, rufen das eine oder andere Thema auf und lesen es an. Dann meine ich:

„Komm, lass uns das Internet ausschalten. Schließlich leben wir in der Realität und nicht in einer Phantasiewelt.“

Den Rest des Nachmittags reden wir über anderes und amüsieren uns über Episoden, die wir in den letzten Tagen miterlebt haben.

In den nächsten Tagen gehe ich immer wieder einmal auf diese Internet-Seite. Auch recherchiere ich bei Google, was es über den Begriff BDSM zu lesen gibt. Und tatsächlich finden sich Parallelen. Bei einer Geschichte im Storyblog vermisse ich aber den Bezug zum BDSM. Ich mache Anita darauf aufmerksam und sie zeigt sich in der Folgezeit fasziniert von der Geschichte. Ich muss sagen, sie ist auch wirklich gut geschrieben. Jedoch: Gibt sie auch wirklich das Wesen des Autors wieder? Die Kerle halten bei Treffen selten das, was sie vorher beim Texten als Eindruck vermittelt haben…

Viel zu oft vertraut sie dem Mann viel zu schnell und wird immer mehr zum Spielzeug seiner sexuellen Lust. Er holt sie zu sich, wann er ‚es‘ braucht und schickt sie weg, wenn er für den Moment genug hat. Dass es für sie auch solche Zeiten gibt, ist für ihn von minderem Interesse. Dann beginnt er immer mehr zu verlangen. Bisherige NoGos von ihr werden zu Hürden, die es zu überwinden gilt, und sie macht das alles mit, um ihn nicht zu verlieren. Oft genug sieht er aber dann eine andere Frau, die ihm gefällt. Sein Jagdtrieb erwacht erneut und er lässt seine bisherige ‚Flamme‘ fallen, die dann in ein emotionales Loch gerät. Nein, so etwas wird mir nicht geschehen. Ich bin jetzt vorgewarnt! Und auf Anita werde ich achtgeben. Das bin ich ihr als langjährige Freundin schuldig!

Monate danach spricht mich Anita auf einen Beitrag im Forum an.

„Lisa, hast du gelesen? Der Autor der Geschichte, über die wir vor einem halben Jahr so gegensätzlich diskutiert haben, hat die Teilnahme an einem Petplay-Event angeboten, dass er in vier Wochen organisieren will. Es soll in der Eifel stattfinden. Das ist nicht so weit weg von uns.“

„Nein…“

Ich muss gestehen, so viel will ich gar nicht wissen über die Leute dort. Ich habe mir meine Meinung gebildet und das reicht. Die Geschichten in dem Storyblog sind amüsant zu lesen, sind es doch nur moderne Märchen, reine Phantasie.

Anita fährt ihren Laptop hoch und geht auf die Internetseite. Dann holt sie den Beitrag auf den Bildschirm und lässt ihn mich lesen.

„Du willst dort hin. Habe ich recht?“ frage ich sie.

„Ja, Lisa. Einmal sollten wir aus unserem Elfenbeinturm heraus treten und uns unter die Leute mischen. Wenn es uns nicht zusagt, fahren wir einfach wieder!“

„Wenn wir das dann noch können…“

„Nun hör‘ mal, Lisa! Wenn uns einer an die Wäsche will, wehren wir uns! Wir werden uns nicht Hals über Kopf auf etwas einlassen, was wir nicht auch hundertprozentig selbst wollen.“

„Okay, Anita. Gespannt bin ich auch, was uns erwartet.“

„Na also!“

Für Anita ist die Sache damit abgetan. Wir schauen uns im Bastelbedarf nach Plüschteilen um und nähen den Stoff auf alte Bikinis, so dass das entfernt nach Manga-Kittys aussieht. Haarspangen versehen wir mit Plüsch-Ohren und im Haustierhandel erstehen wir zwei Halsbänder. Damit ausgerüstet fahren wir an dem Samstag, an dem das Event stattfinden soll zu der angegebenen Adresse.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:11

Einige Leute sind schon vor uns da. Es kommen aber noch mehr, als wir schon dort sind. Ein Mann kommt uns aus einem der beiden kuriosen Häuser entgegen, die dort stehen. Die Dächer reichen bis zum Erdboden.

„Hallo, herzlich willkommen! Ich bin Dieter Mattes. Sie wollen sicher an dem Event teilnehmen, das ich angeboten habe.“

„Hallo, ja, das wollen wir. Das ist meine Freundin Anita Pohl und ich bin Lisa Mertens. Wir sind Kittys.“

„Ah, okay. Ich habe mir den Ablauf in etwa so gedacht: Die Owner hole ich zu mir ins Haus und für die Pets habe ich im Garten mehrere Gehege aufgebaut. Wir haben ja das Glück, heute schönes Wetter zu haben. Wenn keiner mehr kommt, bringe ich dann die Owner nach draußen zu den Pets. Ihr könnt euch gegenseitig beäugen und wenn ein Signal ertönt suchen sich die Pets ihre Owner aus. Das funktioniert genauso, wie die Damenwahl in der Tanzschule“ – er zeigt ein gewinnendes Lächeln – „dann gehen die Teams aus Pet und Owner rüber auf das Nachbargrundstück. Dort ist ein Parcours aufgebaut. Es müssen Aufgaben gelöst werden und schnell sollten die Teams sein. Die zwei besten Teams haben eine Nacht in einem der beiden Gästezimmer gewonnen, so sie das überhaupt wollen. Nach dem Parcourslauf kommt ihr wieder herüber auf das Grundstück hinter diesem Haus. Dort ist dann ein Grillplatz eingerichtet mit genügend Tischen. Jetzt kann man sich stärken und einander kennenlernen.
Es ist mein erstes Event dieser Art. Ich hoffe, es gefällt euch. Wenn ihr euch umziehen wollt, im Eingangsbereich könnt ihr dafür gerne meine Gästetoilette benutzen!“

Er öffnet die Haustür und zeigt auf die Zimmertür gleich links. Ich nicke und schaue Anita an. Sie lächelt mir zu, also verschwinde ich als erste hinter der Tür, um als Kitty wieder heraus zu kommen. Während ich auf Anita warte, kommt eine Frau um die Vierzig in einer blauen Latzhose, Hemd und Mütze auf mich zu. Sie trägt ein Tablett mit belegten Broten in der Hand und fragt, ob ich mich vorab stärken möchte.

Ich nehme zwei Brote vom Tablett herunter und frage, ob es auch etwas zu trinken gäbe.

„Aber ja,“ antwortet sie lächelnd und dreht sich um, um kurz danach mit einem Korb Flaschen wieder zu kommen. Sie stellt ihn in Reichweite ab und kümmert sich dann wieder um die Gäste im Wohnzimmer.

Als Anita aus der Gästetoilette kommt, gebe ich ihr das zweite belegte Brot und bücke mich nach einer der Limonadeflaschen. Dieter kommt nun wieder hinzu.

„Ich führe euch zu eurem Gehege,“ meint er und hält uns die Haustür auf.

Wir umrunden das Haus und betreten den Garten. Mit Gittern hat er mehrere Bereiche auf dem Rasen dort abgetrennt. Er führt und zu einem Bereich, an dem er das Schild „Kittys“ angebracht hat und öffnet das Gitter so weit, dass wir hindurch schlüpfen können. Eine weitere Kitty ist schon drin.

Ich schaue mich auf dem Areal um und sehe, dass mindestens die Hälfte der Pets in dem Gehege sind, das mit „Ponys“ bezeichnet ist. Ein Großteil der anderen Pets befinden sich im Dogs-Gehege. Wir drei sind im Moment die einzigen Kittys auf dem Event. Dann sehe ich noch je eine Cow und ein Pig.

‚Hm,‘ denke ich mir. ‚Das hier wird wohl eher ein ‘Ponyplay-Event.‘

Ich bin gespannt, was es alles auf dem Parcours nachher zu sehen und zu erleben gibt. Wir haben inzwischen aufgegessen und die leeren Flaschen stellt Anita ans Gitter am Rand des Geheges.

Nach einer Weile kommt Dieter zu uns und spaziert auf und ab an den Gehegen, während er uns nochmal den Ablauf erklärt. Dann geht er durch die Terrassentür ins Haus und redet dort auch noch einmal mit den anderen Teilnehmern, den Ownern. Inzwischen ist noch ein Pärchen im Arbeitsanzug hinzu gekommen, die etwas jünger sind als Dieter und dessen Partnerin.

Dann öffnet er die Terrassentür und lässt die anderen Teilnehmer zu uns heraus. Sie gehen auf dem schmalen Streifen zwischen Koniferen-Hecke und Gitter an den Gehegen entlang und verteilen sich, sicher je nach Neigung. Nun wenden sie sich den Pets zu und beäugen uns interessiert. Wir sind auch nicht schüchtern und beobachten genauso interessiert, wie sich die Owner geben, die vor dem Katzengehege stehen geblieben sind. Es ist keine weitere Kitty dazu gekommen. Einige Owner gehen also weiter.

Als der Glockenton über einen Lautsprecher ertönt, nähern wir uns dem Gitter. Wir haben uns vorher verständigt zu wem wir gehen wollen. Es ist ja alles nur ein Spiel. Wenn sich der Owner als nicht akzeptabel herausstellt, war es das eben.

Dieter kommt hinzu und öffnet das Gitter, an dem sich einer der Owner vorher vergeblich abgemüht hat. Wir gehen durch eine Lücke in der Hecke auf das Nachbargrundstück und schauen uns erst einmal an, was der Veranstalter dort aufgebaut hat. Wir sehen ein paar Stangen zwischen denen eine weitere Stange waagerecht hängt, die bestimmt übersprungen werden soll. Danach kommt eine Slalomstrecke, gekennzeichnet durch eine Reihe eng hintereinander stehender Stangen. Schließlich hängen mehrere Reifen in Toren aus zwei Stangen, zwischen denen eine Stange in über zwei Meter Höhe befestigt ist. Damit ist das Ende des Grundstückes erreicht. Hier teilt sich der Parcour. Zurück geht es auf der einen Seite durch einen Schlauch und auf der anderen Seite mit einem Sulki, vor den das Ponygirl, oder der Ponyboy gespannt werden muss.

Die jüngere der beiden Frauen in der blauen Latzhose nimmt die Zeit und schreibt Fehlerpunkt auf, wenn die einzelnen Geräte nicht regelgemäß genommen werden. Wir starten kurz hintereinander. Über den Platz hallt das Gelächter der Teilnehmer. Auch wir haben im Parcours eine Menge Spaß. Dann gehen wir wieder zurück auf das erste Grundstück. Dort hat ein Umbau stattgefunden.

Wir gehen an den Grill und nehmen uns jeder ein Bratwurstbrötchen. Damit in den Händen gehen wir an einen freien Tisch und setzen uns mit unseren Teamgefährten zum Essen hin.

„Was habt ihr heute noch vor?“ prescht einer der Beiden vor.

Ich versetze ihm gleich einen Dämpfer.

„Wir sind Kittys. Das heißt, wir können verschmust sein, aber auch kratzbürstig! Um uns verschmust geben zu können, muss man unser Vertrauen gewinnen, um uns werben, uns Zeit lassen. Wir sind hier nicht hergekommen, um die Nacht gleich in irgendwelchen Betten mit uns noch fremden Männern zu verbringen!“

„Och, gebt euch doch nicht so unnahbar!“ fällt da der Andere ein. „Wir wollen doch nur spielen…“

Bei dem letzten Wort wechseln die beiden Männer einen Blick. Ein feines Lächeln umgibt ihre Mundwinkel.

„Was verstehst du unter spielen?“ hakt Anita nach.

„Wir fragen einfach den Veranstalter. Der wird bestimmt ein Spielzimmer haben. Ihr mögt doch sicher Bondage und anderes?“

„Da seid ihr bei uns falsch!“ antwortet Anita scharf. „Wir sind Kittys. Ihr habt doch sicher schon einmal etwas von Kemonomimi gehört?“

„Was ist denn das für ein Quatsch?“ lacht der Kerl ihr frech ins Gesicht. „Komm, gib dich nicht so…“

Er greift über den Tisch nach Anitas Oberarm. Sie springt ruckartig auf, dass die Tischplatte mit der Kante den Männern auf die Oberschenkel stürzt. Ich erhebe mich ebenfalls. Die Männer zeigen eine Mimik mit einer Mischung aus Schmerz und Überraschung. Sie stellen den Tisch wieder auf seine Beine, stehen ihrerseits auf und zucken die Schultern.

„Na, dann eben nicht, ihr Zicken,“ meint der Eine.

Sie schauen in die Runde, wohl um abzuschätzen, ob sie irgendwo anders mehr Glück haben. Schließlich entfernen sie sich. Ich schaue Anita an und sagte mit einem zuckenden Mundwinkel:

„Gut gekontert, Liebes!“

„Und was machen wir jetzt?“ fragt sie, einen tiefen Atemzug nehmend.

„Erst einmal setzen wir uns wieder und essen zu Ende. Dann fahren wir…“ antworte ich ihr.

Sie nickt und wir setzen uns wieder zurück an den Tisch. In dem Moment spricht uns die eine Servicekraft an. Sie ist unbemerkt von uns hinzu getreten.

Sie fragt uns nach unseren Eindrücken vom Event, und Anita sagt ihr rundheraus, dass sie sich mehr von dem Nachmittag versprochen hat.

Sie nennt ihren Namen, Lena, und fragt, ob wir schon einmal irgendwo anders ein Event besucht haben und was dort anders war. Dies sei ihr erstes Event und man könne ja voneinander lernen.

Anita erklärt ihr, dass wir Petplay bisher nur als Kopfkino betrieben haben, und wir uns hauptsächlich im Storyblog auf der Internetseite der Community aufgehalten haben. Durch die Geschichte des Veranstalters dort wären wir auf ihn aufmerksam geworden und sind dann neugierig seiner Einladung gefolgt.

Lena bückt sich nach den vier Flaschen auf dem Boden und fragt:

„Darf ich euch neue Getränke bringen? Wißt ihr was: Ich mache Dieter, so heißt der Veranstalter real, darauf aufmerksam. Er wird sicher einen Rat für euch haben!“

Anita schaut mich an. Ich nicke ihr zu. Also stimmt Anita Lenas Vorschlag zu. Lena geht zu dem Tisch, an dem der Veranstalter gerade mit einem männlichen Teilnehmer des Events spricht. Um uns herum brechen die anderen Teilnehmer des Events nacheinander auf.

Ich sehe, wie Dieter noch einmal mit dem Gast spricht, der sich daraufhin erhebt und in Lenas Begleitung an unseren Tisch kommt. Er stellt sich höflich vor und fragt, was uns zur Teilnahme bewegt hat.

Zuerst einmal geht Anita voll in Abwehrhaltung und stellt klar, dass wir nicht für ein Sexdate hergekommen sind.

Das Ansinnen wehrt Klaus, wie der Mann heißt, sofort ab. Das sei nicht seine Art beim ersten Kennenlernen.

Anita schiebt etwas versöhnlicher nach, dass wir auch nicht an irgendwelchen SM-Praktiken interessiert sind. Klaus geht darauf ein. Er sagt, dass er sich in der Rolle des Owners ebenfalls erst noch einrichten muss. Er hätte eben mit dem Veranstalter darüber gesprochen und ihm gefällt die Art, wie Dieter das Thema angeht sehr gut.

„Möchten Sie gleichzeitig mit mir bei Dieter in die Lehre gehen?“ fragt er.

Anita, die das Gespräch bisher geführt hat, wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Sie möchte das Gespräch sicher hier beenden und aufbrechen. Da treten Dieter und Paul mit der älteren Servicekraft an unseren Tisch.

„Dürfen wir uns setzen?“ fragt Dieter, lächelt uns freundlich an und setzt sich wie selbstverständlich neben Klaus. „Was denken Sie über Petplay allgemein und das Event im Besonderen?“

„Das Event ist ja früh zu Ende,“ stellt ich trocken fest.

Dieter lächelt gequält. Damit müsse man immer rechnen, meint er und sagt, dass er es schön findet, dass sich zumindest sieben Gleichgesinnte zusammen gefunden haben. Er bietet uns an, in den Gästezimmern zu übernachten und morgen Vormittag Dogplay live zu erleben an den Beispielen CHERIE und AIKA. Dabei zeigt er erst auf die jüngere, dann auf die ältere Servicekraft. Danach könnten wir überlegen, ob das etwas für uns ist.

Anita stimmt neugierig zu, nachdem wir wieder Blicke getauscht haben. Dann helfen wir beim Aufräumen und lassen den Abend in Dieters Wohnzimmer in gelöster Atmosphäre ausklingen. Dabei erfahren wir, dass Paul und Lena ein Paar sind. Biggi und Dieter sind miteinander befreundet. Das Wort ‚Liebe‘ – Klaus hat es ins Gespräch gebracht – kommt mir im Zusammenhang mit Petplay etwas befremdlich vor.

Paul schaltet sich hier ins Gespräch ein:

„Wenn heute jemand von Liebe spricht wird damit meist Sex assoziiert. Das greift zu kurz! Denkt mal an die Liebe zwischen Mutter und Kind, oder zwischen einem Menschen und seinem geliebten Haustier!
Liebe ist mehr als die sexuelle Harmonie! Genauso wichtig ist die emotionale Hingezogenheit zum Partner.“

Lena präzisiert:

„Ohne die Liebe zum Partner hat der Sex miteinander nicht diese Kraft! Die Liebe verbindet beide auf emotionaler Ebene. Sie macht langmütig, lässt also vieles zu, worüber andere schon längst in Streit geraten wären. Sie lässt einen nicht nach seinem persönlichen Vorteil suchen oder nachtragend werden, sondern versucht das Wohl des Anderen zu vermehren. Sie respektiert den anderen, verurteilt die Lüge, lässt einen ritterlich und ehrenhaft handeln. Die Liebe hält allen Anwürfen von außen stand!“

Anita ruft aus, als sie diese Aussagen hört:

„Das ist doch alles Theorie! Das ist ein hohes Ideal von der Liebe, die im Alltag nicht lange Bestand hat! Wie willst du deine Ideale denn durch den Alltag retten?“

Paul antwortet ihr, während Lena sich an ihn schmiegt:

„Wir sind alle nur Menschen und keine Halbgötter. Aber wir sind intelligent genug frühzeitig Anzeichen zu erkennen, dass man sich auseinander lebt und darüber offen sprechen. Dann lässt sich gegensteuern. Lena ist das wichtigste Lebewesen auf diesem Planeten für mich! Umgekehrt gilt sicher das Gleiche.“

Während Paul das sagt, schmiegen sich die beiden Pärchen zärtlich aneinander.

„Wie will ich nun gegensteuern?“ redet Paul weiter. „Es gibt eine Reihe negativer Einflüsse, die man kennen muss: einmal, wenn wir uns des anderen nicht mehr bewusst sind, wenn uns der andere egal zu werden beginnt. Dann das unstillbare Verlangen nach mehr. Wenn uns der andere nicht mehr genug ist. Oder, wenn das Mitgefühl schwindet und der Selbstsucht Platz macht. Auch die Angst vor der Vergänglichkeit, vor dem Ende des Mitgefühls. Sowie, wenn die Gefühle nicht mehr unser Handeln bestimmt, sondern das körperliche überhandnimmt. Und letztlich, nur noch zu glauben, was man sieht. Wenn also die Rationalität mehr Gewicht bekommt als die Emotionalität. Schließlich die Besserwisserei, die verblendete Selbstüberzeugung, der Fanatismus.
Das muss alles auf den Tisch und besprochen werden, ohne den Anderen mit Vorwürfen zu überhäufen. Dann müssen Lösungen gesucht werden – Verhaltensänderungen nicht nur beim Anderen, sondern auch bei sich selbst.“

„Das ist ein Riesen-Programm! Ich weiß nicht, ob je ein Mensch dazu fähig ist…“ antwortet ihm Anita nachdenklich.

„Verliere niemals den Mut!“ sagt Paul nun. „Erinnere dich an das, was dich einmal mit deinem Partner zusammen gebracht hat und überlege dir, ob du das wirklich über Bord werfen willst. Außerdem, nichts geschieht von jetzt auf gleich. Alles entwickelt sich – von einer Mücke zu einem Elefanten. Die Mücke lässt sich noch leicht bekämpfen!“

„Okay,“ sagt Anita, schaut auf die Uhr und dann mich an. „Seid ihr uns böse, wenn wir schlafen gehen wollen?“

„Aber nein, zieht euch ruhig zu zurück und träumt etwas Schönes!“ wünscht uns Dieter.

Wir stehen auf und gehen die Treppe hoch zum Gästezimmer. Von der Treppe wünschen wir noch einmal eine ‚Gute Nacht‘. Dabei sehen wir, dass auch die Anderen sich erheben und die Gläser in die Küche bringen.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:13

Am nächsten Morgen weckt mich Anita. Sie hat die Vorhänge schon zurückgezogen und die Sonne erhellt das Zimmer. Als wir ins Bad gehen, strömt uns von unten frischer Kaffeeduft entgegen.

Wenig später gehen wir die Treppe hinab zum Frühstückstisch. Die Männer sitzen schon. Dieter begrüßt uns höflich als wir an den Tisch treten. Etwas irritiert mich. Auch Anita hat eine Frage auf der Zunge. Das sehe ich ihr an. Da sehe ich Biggi und Lena auf allen Vieren neben ihren ‚Haltern‘ von Tellern essen, die auf dem Boden stehen. Tapsy, ihr Mops, beschäftigt sich zwei Meter entfernt mit seinem Futternapf.

Räuspernd setzt sich Anita. Dieter wünscht uns einen guten Appetit. Anita stochert aber nur so im Essen und schaut immer wieder in Richtung Lenas, die zwischen ihr und Paul auf dem Boden hockt. Wegen der seltsamen Atmosphäre kann ich allerdings nicht viel essen. Neben mir sitzt Klaus und erst dann, von meinem Platz aus nicht einsehbar, hockt Biggi. Ich frühstücke, als wäre die Atmosphäre heute Morgen keine Andere. Dieter versucht, die Spannung etwas aufzulockern und Anita Sicherheit zu vermitteln. Er verdeutlicht noch einmal, dass es bei ihm keinerlei Zwang gibt, und bietet uns an, den Tag aus der Perspektive eines unbeteiligten Zuschauers zu erleben. Im Anschluss an das Frühstück sei ein Waldspaziergang in Begleitung der Doggies geplant.

Während wir anschließend den Frühstückstisch abräumen werden wir Zeugen eines Spiels der beiden Doggies mit Tapsy. Ein Kunstoffknochen wird von Taps angeschleppt und von allen Dreien abwechselnd über den Boden geschubst.

Als wir fertig sind, sagt Dieter: „AIKA, CHERIE, ZU MIR!“

Beide Doggies stoppen das Spiel und laufen zu Dieter. Er leint sie an, während Paul sich Taps schnappt und ebenfalls anleint. Dann hält Dieter uns die Leinen hin. Anita zögert etwas, bevor sie die Leine mit Lena annimmt. Lena lächelt sie aufmunternd an. Ich nehme die Leine mit Biggi ohne Umschweife entgegen. Beide Doggies sitzen auf ihren Fersen und schauen zu wie Paul und Dieter sich Gummistiefel anziehen. Dann öffnet Dieter die Haustür und lässt uns hinausgehen.

Draußen sollen wir kurz warten. Paul und Dieter nehmen jeder eine etwa fünf Meter lange faustdicke Bohle auf die Schulter, dann gehen wir durch die Nadelholzschonung hinter den Häusern auf den dahinterliegenden Wald zu. Zwischen den Bäumen verläuft ein sandiger Weg. Unter den Bäumen liegt der weiche Waldboden.

Als wir unter den Waldbäumen sind, sollen wir Lena und Biggi ableinen. Klaus soll Taps während des Weges jedoch angeleint lassen.

Nachdem Dieter gesagt hat „AIKA, CHERIE, FREI!“ laufen beide zwischen die Bäume am Wegrand auf den weichen Waldboden und folgen uns dort.

Wir folgen eine Weile dem Waldweg, bis Paul in einen Trampelpfad einbiegt, der rechts vom Weg abzweigt. Dieter wartet bis Paul zwischen den Bäumen verschwunden ist, dann betritt auch er den Trampelpfad. Biggi und Lena sind stehengeblieben und beobachten, was die Männer tun. Dann betreten auch sie den Pfad. Taps zieht Klaus hinter den Beiden her. Er stolpert fast. Als wir den Pfad betreten sehen wir, dass es hier in Stufen abwärts geht. Unten erkennen wir ein Schilfdickicht. Paul und Dieter walzen es ungerührt etwa Mannsbreit nieder. Dahinter sehe ich fließendes Wasser über das die Beiden nun die Bohlenlegen, so dass sie eine Brücke für uns über den Bach bilden.

Als erste benutzen Lena und Biggi die Brücke auf allen Vieren, dann Klaus mit Tapsy und zum Schluss überqueren wir den Bach.

„Hier kannst du Taps von der Leine lassen,“ sagt Dieter zu Klaus, der das sofort macht.

Paul lässt als erstes die beiden Doggies und Taps einen Gegenstand apportieren. Er fordert uns auf weiter auf die Wiese zu kommen. Dabei erklärt er Anita ein wenig die Verhaltensweisen der Doggies und Taps, das er nonverbale Kommunikation nennt. Dabei stellt er einen wesentlichen Unterschied zum SM klar. Sie motivieren die Doggies mit Lob und Belohnung, während beim SM Fehler den Gebrauch der Peitsche nach sich ziehen.

Während wir so reden, passiert etwas das mich laut auflachen lässt. Gleichzeitig halte ich mir aber die Hand vor den Mund, unsicher ob ein Lacher in dieser Situation überhaupt angemessen ist. Aber es sah wirklich komisch aus, wie erst Lena und später dann Biggi sich von hinten an ihre Halter angepirscht und sie umgestoßen haben. ‚Kadavergehorsam‘ scheint bei Dieter und Paul nicht erwünscht zu sein, denn beide lachen ebenfalls. Für sie scheint das alles eher ein Spiel zu sein. Auch Klaus‘ Miene wechselt von ärgerlich, über besorgt, hin zu fröhlichem Lachen.

Ich hocke mich mit Klaus dazu und Dieter fordert auch Anita auf, sich dazu zu setzen. Klaus schaut mich an und versucht, mich zaghaft mit den Fingerspitzen zu berühren. Ich lächele ihn aufmunternd an. Schüchterne Annäherung ist mir lieber als machohaftes Benehmen. Zur romantischen Stimmung tragen die Vogelstimmen und das Plätschern des Baches bei. Biggi und Lena lecken ihre Halter nach Hundeart ab, wogegen sich Dieter und Paul nur halbherzig wehren.

Beide ziehen ihre Jacken aus und breiten sie auf der Wiese aus. Sie fordern uns auf, es uns darauf bequem zu machen. Ich lehne mich an Klaus an. Die nächste Stunde vergeht wie im Flug. Ich genieße die romantische Stimmung mit Klaus, während Anita Dieter und Paul mit Fragen zum Petplay löchert. Nach einer Weile rufen sie Biggi und Lena hinzu und erlauben ihnen zu sprechen. Jetzt erklären die Beiden uns das Petplay auch aus der Sicht der Doggies. Hin und wieder werfe auch ich eine Frage dazwischen. Klaus bleibt weitestgehend sprachlos.

Als wir uns dann auf dem Rückweg machen, fragt Anita mich:

„Wie findest du Klaus?“

„Ich denke, er ist ein lieber Kerl,“ antworte ich ehrlich. „In seiner Nähe fühle ich mich wohl.“

„Hmm…“ brummt sie.

„Ist da Eine eifersüchtig?“ sage ich und zwinkere ihr zu. „Wart‘ ein bisschen! Du wirst auch noch ein Schnuckelchen für dich finden!“

„Eifersüchtig? Ich?“ lächelt sie mich an.

Allerdings fehlen die Lachfältchen an den Augen. Schade, dass sie so reagiert. Wir können Klaus schließlich nicht beide haben.

Dieter sagt in diesem Moment:

„Kommt doch wenn ihr Zeit an den Wochenenden habt – und wir gerade keine Feriengäste hier haben – gemeinsam hierher. Wir bringen euch die nonverbale Kommunikation und die Hunde-Kommandos bei.
Anita, du brauchst dich wirklich nicht als fünftes Rad am Wagen fühlen! Konzentriere dich auf deine Freundschaft mit Lisa. Das ist zu wertvoll, um es durch Konkurrenzdenken aufs Spiel zu setzen! Wir werden einfach weiterhin Events wie das Gestrige veranstalten. Dabei wird sich auch ein Owner für dich finden, der ins Schema passt!“

Anita atmet tief ein und schaut ihn dankbar an.

Zurück in Dieters Haus, essen wir gemeinsam und sprechen über lustige Ereignisse während des gestrigen Parcourslaufes. Die Atmosphäre verliert ihre Spannung und wir sind alle wieder fröhlich.

Danach verabschieden wir uns und fahren nachhause. Die Fahrt verläuft dann etwas schweigsam. Zuhause umarme ich Anita zum Abschied und sage:

„Sei nicht traurig. Weder die Männer noch ich persönlich sind allein auf unseren persönlichen Vorteil bedacht! Du bist ein Teil von uns. Wir kümmern uns auch um dich. Das verspreche ich dir! Wir werden noch so einen Mann wie Klaus finden!“

Zwei Tage später habe ich nach Feierabend ein langes Gespräch mit Klaus. Unmerklich wird es draußen dunkel währenddessen und wir verabreden uns für nächsten Samstag in der Kleinstadt, in der ich wohne.

Es wird ein wunderschöner Nachmittag mit dem Verlangen nach mehr. Zuerst gehen wir spazieren. Am nördlichen Ortsrand liegt ein kleiner Park mit einem großen Ententeich. Dabei fragt mich Klaus, ob ich irgendwelche Vorlieben habe, was die Küche betrifft. Ich gestehe ihm, dass ich die italienische Küche sehr mag. Daraufhin bietet er mir an, mit mir essen zu gehen, falls es im Ort ein italienisches Restaurant gibt.

Ich sage ihm, dass es im Ortskern eine Pizzeria gibt, die nicht nur Pizzas im Angebot hat.

„Dann wenden wir unsere Schritte jetzt dorthin,“ bestimmt er. „Ich lade dich ein.“

Gern führe ich ihn zu dem Restaurant. Das Essen dort ist himmlisch. Dann fragt er, was wir mit dem angebrochenen Nachmittag vor Ort denn noch anstellen könnten.

Diese Texte habe ich schon zu genüge gehört. Die Kerle, die so reden, haben meist Sex im Sinn gehabt. Ich gehe also auf Abstand und sage ihm, dass ich es dafür noch für viel zu früh halte. Er zieht seine Stirn in Falten und macht ein betrübtes Gesicht.

„Lisa, auf Sex bin ich jetzt auch nicht aus! Ich warte damit, bis du von dir aus darauf zu sprechen kommst – und wenn das noch Monate dauert! Mir liegt die Romantik mehr als schneller Sex!“

‚Hm,‘ denke ich mir, ‚das lässt sich testen!‘

Ich biete ihm also an, bei mir zuhause eine DVD zu schauen. Der Film ‘P.S. Ich liebe dich‘ ist so schön romantisch-traurig, weil sich die Hauptpersonen nicht kriegen. Der Tod steht zwischen ihnen. Seine Miene hellt sich auf und er willigt ein.

Bei mir zuhause nehme ich die DVD und zeige sie ihm. Er fragt, wo mein DVD-Player ist. Ich lächele ihn an, schalte das TV ein, hole das INPUT-Menü auf den Bildschirm und wähle DVD.

„Schiebe die DVD mit der silbernen Seite zu dir rechts am Gerät in den Schlitz,“ mache ich ihn aufmerksam und setze mich auf meine Couch.

Klaus startet den Film und setzt sich neben mich. Ich ziehe die Knie an und stelle meine Füße auf die Sitzfläche. Als der Film beginnt lehne ich mich bei ihm an. Er legt seinen Arm ausgestreckt auf die Rückenlehne. So verbringen wir die nächsten anderthalb Stunden. Zwischendrin spüre ich, wie sein Daumen sanft über meine Schulter streicht. Ich lasse es geschehen. Das wohlige Gefühl der Zuneigung zu Klaus verstärkt sich. Zum Abschied gebe ich ihm einen Kuß auf die Wange und umarme ihn, während ich ihm ins Ohr flüstere:

„Du kommst doch sicher bald wieder?“

Er nimmt mich nun ebenfalls in den Arm und bestätigt mir:

„Sehr gern sogar, Lisa!“

„Auch wenn es auch dann noch nicht zu Sex käme?“

„Auch dann,“ antwortet Klaus. „Ich dränge dich zu nichts! Du musst dich bereit fühlen. Vorher entstünden nicht die starken Gefühle von Zuneigung, Zusammengehörigkeit, vielleicht sogar Liebe.“

„Fahr vorsichtig, Lieber,“ sage ich zum Abschied und strahle ihn an.

Er scheint wirklich keiner von der Sorte zu sein, die wie eine Dampfwalze über die Frau her fallen. Ich bin froh, dass er der Romantik Zeit gibt.

*

Drei Monate später steht ein drittes Nur-Dach-Haus hinter den Parkplätzen am Ende des Privatweges, der etwa einen halben Kilometer von der Bundesstraße wegführt. An der Einmündung hat die Busgesellschaft eine Behelfshaltestelle eingerichtet, damit Feriengäste zu Fuß oder mit ihren Fahrrädern in die nächste Kreisstadt fahren können, wenn sie möchten.

Zur Hauseinweihung lade ich – Dieter - Klaus, Lisa und Anita ein. Lisa und Klaus sind inzwischen ein Paar. Nur Anita und Biggi halten sich mit ihren Gefühlen noch zurück. Trotzdem, eine innige Freundschaft ist etwas sehr wunderbares!

Klaus erzählt mir während der Hauseinweihung, dass er gekündigt hat. In zwei Monaten möchte er dann zu uns ziehen, als Mitarbeiter in meine Firma einsteigen und sich um den Maschinenpark kümmern. Ansonsten stünde er gerne als Allround-Mann überall dort zur Verfügung, wo ein Mann gebraucht wird. Darüber bin ich sehr froh.

So kommt es, dass unsere Siedlung zwei Monate nach der Einweihung auf sechs Einwohner angewachsen ist. Neben den privaten PKWs habe ich noch einen Kleinbus angeschafft, den man ebenso als Transporter benutzen kann, wenn die Sitze ausgebaut sind. So brauche ich keinen Traktor mit Anhänger bei den umliegenden Bauern zu mieten, wenn ich die Fichten als Weihnachtsbäume verkaufen will. Gleichzeitig können wir mit dem Wagen als Kleinbus zu den Events nach Essen, Nürnberg und Hamburg fahren und sparen auf diese Weise Treibstoff.

Paul bringt das Gespräch auf Dog-Dancing. Im Petplay ist das noch ziemlich neu. Mit echten Hunden erzielt man auf Ausstellungen und anderen Veranstaltungen viel Aufmerksamkeit.

„Unsere Doggies reagieren inzwischen auf Handzeichen,“ sagt er. „Da wäre es ein Aufhänger für ein eigenes Event hier oder auf anderen Events, wenn wir Dog-Dancing vorführen würden. Damit begründen wir sicher einen Trend.“

„Ja,“ antworte ich. „Das finden die Zuschauer bestimmt so interessant, dass nach und nach andere Teams auftreten. In ein paar Jahren kann man dann Wettbewerbe starten, wie das heute schon bei den Hunde-Shows üblich ist.“

Nach einigen kläglichen Versuchen eine Choreografie zu erstellen, bietet sich Biggi an, die Sache in die Hand zu nehmen. Sie übt danach mit Paul und seiner CHERIE ein Stück zu einer bekannten Melodie ein. Lisa und Klaus gesellen sich bald dazu. Klaus hat Lisa bald den Doggienamen BEAUTY gegeben.

Als dann wieder ein Termin für das Cantonium in Hamburg bekannt gegeben wird, sind wir soweit, dort mit zwei Teams das Dog-Dancing vorzuführen. Wir fahren mit dem Kleinbus, den ich steuere. Freitagvormittag fahren los und erreichen Hamburg über die Autobahn am Nachmittag, nachdem wir über Mittag in einer Autobahnraststätte Halt gemacht haben. Da mir Paul noch einen Tip gegeben hat, fahre ich durch Hamburg durch und auf eine Autobahn weiter nach Norden. Zwei Stunden später, es dämmert schon, erreichen wir den Ort, den mir Paul genannt hat.

Im Rückspiegel sehe ich lächelnd, wie Lena sich an Paul anschmiegt. Sie zeigt einen gelösten Gesichtsausdruck und küsst ihn auf die Wange. An der Friedhofsmauer neben der Dorfkirche halte ich an.

Lisa fragt, stellvertretend für die anderen: „Wo sind wir hier?“

„Wir wollen Lena eine Freude machen und ihre Mutter besuchen, wenn wir schon hier in der Gegend sind,“ erkläre ich.

Lena führt Tapsy an der Leine und hat sich bei Paul eingehakt, als wir den Friedhof betreten. Wir anderen folgen ihnen mit zwei Schritten Abstand. Dies ist ein Ort, der den Beiden etwas bedeutet.

Wir erreichen das etwas verwilderte Grab. Wir lassen den Beiden ein paar Minuten der Ruhe. Schließlich bückt sich Paul und beginnt damit das Unkraut herauszuziehen. Lena schaut sich um und geht zum Brunnen, um wenig später mit einer Gießkanne zurückzukommen.

Ich sage leise, so dass nur die Leute in meiner Nähe meine Worte verstehen können:

„Was ich immer mal sage: Das Wort ‘Liebe‘ verwendet man heutzutage etwas undifferenziert sowohl für die körperliche und für die seelische Liebe. Zwei Arten der seelischen Liebe gleichen sich wie eineiige Zwillinge: Die Liebe zwischen Mutter und Kind, und die Liebe zwischen Mensch und Tier…“

Ich erwarte keine Antwort. Jedoch sehe ich, dass Lisa sich an Paul anlehnt und zu ihm aufschaut. Er legt seine Hand an ihre Wange, dreht ihren Kopf etwas und drückt ihr einen Kuß auf die Lippen.

Bald darauf verlassen wir den Friedhof wieder und spazieren durch den Ortskern. An einer Gaststätte mit Fremdenzimmer bleiben wir stehen. Wir betreten den Gastraum, gehen zur Theke und ich frage den Wirt, ob er möglicherweise vier Gästezimmer frei hat.

„Da haben Sie aber Glück,“ meint er mit freudigem Gesicht. „Ich habe fünf Gästezimmer im Obergeschoß und im Moment ist keines besetzt.“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 13:14

„Wieviel kostet eine Übernachtung?“ ist meine nächste Frage.

„Das Zimmer 40Euro, plus 5Euro pro Frühstück,“ gibt er zur Antwort.

„Okay,“ sage ich, „nehmen wir!“

Er greift hinter sich ans Brett und nimmt die Schlüssel, die dort hängen, herunter. Dann sagt er:

„Kommen Sie,“ und deutet auf den schmalen Gang neben der Theke, der an der Küchentür vorbei zu einer Treppe führt. Oben angekommen stehen wir in einem schmalen Gang, von dem Zimmertüren abgehen. Er öffnet eine Tür nach der Anderen und lässt uns die Zimmer begutachten. Wir nicken und ich frage, wann denn morgens das Frühstück fertig ist.

„Wann Sie wünschen,“ gibt er zurück.

Ich schaue in die Runde und frage dann: „Wäre 8Uhr recht?“

„Kein Problem,“ sagt er und verabschiedet sich dann.

Wir verziehen uns auf die Zimmer und ich bin bald eingeschlafen nach dieser langen Fahrt. Am nächsten Morgen frühstücken wir und ich gebe dem Wirt 200Euro für die Nacht. Freundlich hält er uns die Tür auf, als wir aufbrechen. In Hamburg angekommen fahren wir in ein Parkhaus in der Nähe der vom Navi angezeigten Adresse. Im Cantonium kleiden wir uns entsprechend um und sprechen den Veranstalter auf die Vorführung von Dog-Dancing an.

Der Mann schaut etwas ‚dumm aus der Wäsche‘, also frage ich ihn nach einem Raum, wo wir ihm eine exklusive Vorstellung geben können. Paul und Lena machen sich bereit. In einem Nebenraum geben sie ihm eine Vorführung. Lena hat ein Outfit aus Lederriemen an, die von Metallringen gehalten den ganzen Rumpf umspannen. Biggi steckt einen Memory-Stick in das hauseigene Gerät und schon bewegen sich Paul und Lena in der einstudierten Choreografie nach der Musik.

Der Mann ist sichtlich begeistert und sagt, er spricht mit den Programm-Verantwortlichen. Wir würden irgendwo hineingeschoben. In der Zwischenzeit könnten wir uns gerne auf der Veranstaltung umsehen. Tatsächlich bekommen wir am Nachmittag fünf Minuten. Der Mann tritt ans Mikrofon auf der Bühne vor dem Publikum an einzelnen Tischen und kündigt Paul und seine Doggie CHERIE an. Nach Ende der Musik klatschen alle Beifall. Paul tritt nun ans Mikrofon, bedankt sich und sagt laut „CHERIE, APPLAUS!“

Dies ist für Lena das Kommando eine Spielverbeugung vorzuführen, die ja als nonverbale Geste vor einem Spiel unter Hunden, Doggies, oder auch mit ihren Menschen, von Hunden und Doggies gebraucht wird. Hier jedoch steht sie am Ende einer Vorführung, während das Publikum applaudiert.

Nachdem das Publikum wieder still ist, macht Paul auf unser Event in der Eifel aufmerksam und darauf, dass die Termine frühzeitig im Internet bekannt gegeben werden.

Wir fragen den Veranstalter, welches Hotel in der Nähe auf die Besucher der Veranstaltung eingerichtet ist, haben noch einen interessanten Abend und übernachten dann in dem genannten Hotel, von dem wir am nächsten Morgen wieder in die Heimat aufbrechen. Schließlich sind wir am frühen Sonntagabend ziemlich erschöpft wieder in der Heimat zurück.

*

Da ich, Paul, der Kaufmann in unserer kleinen Firma bin, bespricht Dieter mit mir, einen kleinen Teil der Baumschule im nächsten Jahr mit Apfelbäumen zu bepflanzen. Er will versuchen VIEZ herzustellen. So nennt man in dieser Gegend den Apfelwein. Für dieses Experiment soll ich ins Saarland fahren und mich dort schlau machen. Dann soll ich dreißig junge Apfelbäumchen möglichst billig einkaufen.

Also fahre ich los. Lena bleibt für die drei oder vier Tage zuhause. Während der Tage bleibe ich über Smartphone mit Dieter in Verbindung, so dass er sofort über die gleichen Informationen verfügt, die auch ich habe.

Am letzten Tag meiner Geschäftsreise, ich bin vielleicht noch zwanzig Kilometer von zuhause entfernt, rast ein Wagen aus einer der Wirtschaftswege am Rand der Bundesstraße auf die Fahrbahn. Ich denke, ich kann schlimmeres verhindern und reiße das Steuer herum. Mein Wagen gerät ins Schleudern und landet im Straßengraben. Der andere Wagen macht sich aus dem Staub. Ich bin eingeklemmt und das rechte Bein tut höllisch weh.

Es scheint eine Ewigkeit vergangen zu sein, als ein Gesicht am Seitenfenster auftaucht und mich etwas fragt. Was der Mann genau meint, kann ich nicht erfassen. Ich stöhne schmerzgeplagt auf. Dann verschwindet der Mann aus meinem Blickfeld, um wenig später wieder aufzutauchen und mit beruhigender Stimme auf mich einzureden.

Irgendwann höre ich ein Martinshorn wie aus weiter Ferne in mein Bewusstsein dringen. Die Männer in rot-weißer Kleidung öffnen die Fahrertür und biegen das Dach etwas an. Dann holen sie mich aus dem Fahrzeug und bringen mich in das Krankenhaus in der nächstgelegenen Kreisstadt.

Zwei Tage später komme ich wieder zu mir und man sagt mir, dass ich einen glatten Oberschenkelbruch wenige Zentimeter über dem Knie erlitten habe. Außerdem seien die Rippen geprellt worden. Ich müsse wohl mit einige Wochen Klinikaufenthalt rechnen.

Ich frage nach meinem Handy und den Papieren, aber man zuckt nur mit den Schultern. Da kommen zwei Polizisten zu mir und fragen, ob ich mich in der Lage fühle, ein paar Fragen zu beantworten und an was ich mich noch erinnern kann. Ich erzähle ihnen was ich weiß. Auf meine Frage nach meinen Papieren sagen sie nur, ich könne in der Kreisverwaltung neue beantragen, sobald ich die Klinik verlassen darf.

Am nächsten Tag kommt Dieter mit Biggi und Klaus mit Lisa mich besuchen.

„Wo ist Lena?“ frage ich verstört.

„Keine Sorge, sie ist plötzlich krank geworden,“ beruhigt mich Dieter, „und als ‘Bazillenmutterschiff‘ darf sie nun mal keine Klinik betreten. Sie wird dich aber in ein paar Wochen besuchen dürfen, wenn du bis dahin nicht schon entlassen wirst.“

Mit zweifelnder Miene nehme ich die Information auf. Sie machen mir noch etwas Mut, dann verlassen sie mich wieder. Allzu lange dürften sie sich nicht bei mir aufhalten, erklärt Klaus ihr Verhalten.

Als sie gegangen sind, fällt mir ein, dass ich vergessen habe sie nach einem Handy für mich zu fragen. Das hole ich drei Tage später nach, als Biggi alleine herein kommt, um mir frische Wäsche zu bringen. Biggi schaut mich komisch an. Ich kann ihren Gesichtsausdruck nicht recht deuten. Aber sie verspricht mir, sich darum zu kümmern.

„Sag Lena, dass ich sie liebe…“ rufe ich ihr noch hinterher, denn plötzlich scheint sie es ziemlich eilig zu haben.

Wieder sind drei Tage vergangen. Diesmal kommt Dieter mit. Während Biggi meine Wäsche in meinem Spind austauscht, wirft sie mir und Dieter verstohlende Blicke zu. Dieter streckt mir nach der herzlichen Begrüßung die Hand entgegen und legt ein neues Handy auf das Schränkchen neben meinem Bett. Dann räuspert er sich.

„Hm, hm,“ macht er. „Wie fühlst du dich?“

„Nun jaaa,“ meine ich. „Das Bein braucht ja seine Zeit. Du weißt, dass sie den Oberschenkel operiert und das Bein direkt am Knochen geschient haben. Aber sonst…“

Ich schaue zu ihm hoch.

„Die Lena,“ beginnt er vorsichtig und fährt leiser fort: „Deine Cherie wird nie mehr wieder kommen…“

Entgeistert schaue ich ihn an. Ich kann nicht glauben, was er mir da sagt. Tränen schießen mir in die Augen. Dieter zieht ein Papiertaschentuch aus dem Behälter auf der Ablage meines Schränkchens.

„Sie ist fort?“ frage ich ungläubig.

„Jaein,“ quält sich Dieter zu einer Antwort durch. „Die Polizei kam an dem Tag deines Unfalls zu uns und fragte nach deiner Lebensgefährtin. Ich schickte sie zu ihr. Bald darauf fuhren sie wieder ab und Lena kam völlig in Tränen aufgelöst zu uns herüber. Biggi beruhigte sie etwas und da erzählte sie, dass du einen Unfall hattest. In der folgenden Nacht schlief sie bei uns im Gästezimmer und frühstückte dann noch mit uns. Sie ging dann die zehn Minuten bis zur Bundesstraße kurz bevor der Bus dort halten sollte.“

Hier macht er eine Pause und Biggi, die inzwischen fertig geräumt hat, kommt her und setzt sich zu mir aufs Bett. Sie zeigt einen Gesichtsausdruck voll tiefer Trauer.

„Was ist mit Lena?“ frage ich und schaue von einem zum anderen.

„Eine halbe Stunde später vielleicht haben wir wieder die Polizei im Haus,“ antwortet Dieter und stockt schon wieder.

„Und?“ frage ich.

„Der Busfahrer hat ausgesagt, sie wäre zusammengebrochen als er die Bushaltestelle erreicht hat. Wie üblich wollte er so halten, dass die an der mittleren Tür einsteigen kann. Trotz dem sofortigen Bremsmanöver hat er sie überrollt…“

Biggi umarmt mich und Dieter legt mir seine Hand auf die Schulter.

„Lass deine Tränen ruhig laufen! Lass sie laufen!“ sagt er.

„Aber warum?“ schaffe ich noch, von Tränen geschüttelt, zu fragen.

„Keiner weiß genau, warum das passieren konnte. Aber du weißt, dass Lena Epileptikerin ist.“

„Aber sie nahm vorschriftsmäßig ihr Medikament! Wir achteten beide darauf!“

„Die Aufregung, der Stress, durch deinen Unfall. Die Sorge um dich. Das könnte ein Auslöser gewesen sein für einen erneuten Anfall. Man hätte in so einer Situation vielleicht die Dosis erhöhen müssen. Aber wer konnte das wissen…“

„Mach dir keine Vorwürfe!“ sagt Biggi. „Ein erneuter Anfall kann alle möglichen Gründe haben. Werde wieder gesund! Das Leben geht weiter! Wir werden die Erinnerung an Lena aufrecht erhalten. Das versprechen wir dir!“

Beim nächsten Besuch kommen Klaus und Lisa, um mich etwas zu beschäftigen und frische Wäsche mitzubringen. Lisa hat ihre Freundin, Anita, mitgebracht. Wir besprechen Geschäftliches und dann fällt Lisa ein:

„Sag‘ mal, Paul, es ist vielleicht etwas früh, danach zu fragen… Aber würde es dir etwas ausmachen, dich verstärkt um Anita zu kümmern, wenn du wieder nachhause darfst? Sie würde sehr von dem Training profitieren und würde sich nicht mehr als fünftes Rad am Wagen fühlen…“

Wenn ich an später denke, an das leere Haus, wo mir aus jeder Ecke Lenas Atem entgegen kommt… Das wäre tatsächlich eine Möglichkeit nicht in Trübsal zu verfallen! Zwar ist da ja noch Tapsy, die sicher von mir verwöhnt worden wäre, aber Anita gäbe mir eine neue Aufgabe.

Ich habe die Antwort wohl etwas zu lange heraus gezögert. Anita schaltet sich ein und sagt:

„Paul, ich möchte mich nicht zwischen dich und die Erinnerung an Lena drängen! Wenn du nicht magst, ist das auch recht!“

„Nein, nein,“ antworte ich schnell. „Ich freue mich auf eine neue Aufgabe. Sie lässt mich die Zeit überbrücken, bis ich den Verlust überwunden habe!“

„Aber ich werde nur zu Wochenend-Sessions kommen, und dann im Gästezimmer übernachten!“ erklärt sie. „Meine 19jährige Tochter würde es nicht verstehen, wenn ich zu einem Mann ziehe, den ich vielleicht mag – aber mehr auch nicht.“

„Das ist völlig in Ordnung, Anita!“ beruhige ich sie.
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