Hündin Cherie

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Hündin Cherie

Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:10

Meine Eltern haben eine Golden Retriever Hündin beinahe seit ich denken kann. Kessi wird meine liebste Spielgefährtin während fast meiner ganzen Schulzeit. Oft genug habe ich mich mit ihr auf der Wiese hinter dem Haus gewälzt. Wenn ich mich nach den Hausaufgaben auf meine Couch zurückziehe und in meine Musikwelt eintauche indem ich mir den Kopfhörer über die Ohren stülpe, liegt sie zumeist neben mir zu meinen Füßen.

Hin und wieder stelle ich mir vor, wie sie zu sein. Sie hat es gut. Ihre Grundbedürfnisse werden gestillt. Alltagsprobleme gibt es für sie nicht. Mir dagegen sitzen meine Eltern im Nacken, dass ich gute Noten nachhause bringe. Lernen, lernen, lernen…

Zufällig stoße ich im Internet auf eine Community von Leuten, die so leben wollen wie Tiere. Neugierig melde ich mich an und lese ihre Beiträge durch. Fast alle „Tiere“, die einen Bezug zum Menschen haben, sind dort vertreten. Da gibt es Milchkühe, Mastschweine, Kutsch- und Rückepferde, Katzen und Hunde. Aber auch exotische Vertreter des Tierreiches fehlen nicht, wie zum Beispiel Strauße, Phönixe, Delfine.

Dazwischen tauchen bald auch Pferdewirte, Bauern, Hundeführer und andere auf. Solche Paarungen, wie Bauern und Milchkühe oder Ponys und Pferdewirte werden von den Community-Mitgliedern gesucht, also schreibe ich bald auch einen Beitrag, indem ich eine Hundeführerin für mich suche. Lange passiert nichts, dann bekomme ich Kontakt zu einem Hundeführer, der allerdings eine weibliche Doggie sucht. Wir freunden uns an, um gegenseitig einen Gesprächspartner zu haben. Zufällig wohnen wir auch nicht zu weit auseinander.

Schließlich wird in der Community ein Termin für einen Stammtisch bekannt gegeben. Er soll in einer öffentlichen Gaststätte stattfinden und dem persönlichen Kennenlernen dienen. Ich melde mich bei der Organisatorin an und mache unglücklicherweise die Bemerkung, dass ich noch neu und unerfahren bin. Sie macht mir den Vorschlag bis zum Termin in vier Wochen an den Wochenenden zu ihr zu kommen und ihr Doggie zu spielen. Sie will mir die Grundbegriffe des Petplay beibringen, was mich vierhundert Euro kosten würde.

Diese letzte Bemerkung lässt mich empört die Verbindung trennen. Ich erzähle meinem Bekannten davon und er macht mir den Vorschlag, mich mit ihm zu treffen ohne jegliche Kosten. Auch würde er mir gegenüber niemals das „Herrchen“ heraushängen. Neugierig geworden, mache ich mich am folgenden Samstag auf den Weg. Wir haben uns an einem Platz im Wohnort meines Bekannten verabredet. Dort angekommen, erkenne ich einen größeren Rasenplatz mit zwei Bauminseln, einer Bushaltestelle und einem kleinen Parkplatz.

Ich fahre auf den Parkplatz und sehe einen Mann auf mich zu kommen. Er begrüßt mich:

„Hallo, sind Sie Herr Tiefenbach?“

„Jaaa. Sie sind Herr Mattes?“

„Der bin ich. Du hast mir deinen Wagen ja beschrieben. Übrigens, ein schöner Wagen,“ lächelt er.

Ich neige den Kopf etwas und lächele zurück.

„Was hast du vor?“

„Ich denke, wir setzen uns dort in die Bäckerei und trinken einen Kaffee. Dabei können wir uns etwas unterhalten.“

Er zeigt auf ein Ladengeschäft am Rande des Platzes. Ich nickte und wir gehen dorthin, setzen uns an einen Tisch auf dem Bürgersteig und beginnen eine Unterhaltung über unser Faible. Dieter, wie Herr Mattes mit Vornamen heißt, macht mir nach einiger Zeit den Vorschlag, mit ihm in den Nachbarort zu einer Hundeschule zu fahren.

Gesagt, getan. Da Dieter selber kein Auto hat, zeigt er mir vom Beifahrersitz aus, wie ich fahren muss. Dort schauen wir dem Training zu. Gleich nebenan befindet sich ein Tierheim. Nachdem die Stunde mit den Privatleuten und ihren Hunden beendet ist, kommen Tierheim-Mitarbeiter mit Hunden herüber und Dieter macht mir den Vorschlag mit einem Hund aus dem Tierheim eine Trainingseinheit mitzumachen.

Die Tierheim-Mitarbeiter kennen Dieter anscheinend. Bald führen wir beide ebenfalls einen Hund an der Leine. Der Nachmittag geht wie im Flug vorbei. Während ich Dieter nachhause bringe, fragt er mich:

„Du hast eben den Part des Hundeführers kennengelernt. Wer einen Hund besitzt, trägt die Verantwortung für das Lebewesen. Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen… Aber das Tier gibt Einem so viel zurück! Diese Treue, diese Hingabe und Gehorsam, dieses Vertrauen findest du in kaum einer anderen Konstellation…“

„Ja?“

„Ich frage jetzt natürlich etwas eigennützig: Stell dir mal vor, du würdest eine menschliche Hündin, eine Doggie, genauso verantwortungsbewusst führen… Würde dir das nicht auch gefallen? Oder wolltest du weiter auf ein Frauchen für dich warten?“

„Es sind ja bestimmt nicht alle wie die letzte…“ versuche ich auszuweichen.

„Viele Doggies warten Jahre bis sich die richtige Konstellation ergibt. Der Weg dahin ist mit vielen Enttäuschungen gepflastert. – Bist du eher anpassungswillig oder eher eigenwillig in deiner Doggie-Rolle?“

„Wie meinst du?“

„Nun, wenn du als Doggie solch ein Training mitmachen sollst – musst du gezwungen werden, das Training durchzuhalten, oder machst du engagiert mit?“

„Hm, eher so dazwischen…“

„Und jetzt die Rolle des Hundeführers. Würde es dir Freude machen, eine Doggie zu trainieren?“

„Joah…“

In der Zwischenzeit sind wir an Dieters Wohnung angekommen. Er verabschiedet sich von mir mit der Empfehlung, einmal darüber nachzudenken.

Schon auf der Heimfahrt gerate ich ins Grübeln. Mit einer weiblichen Doggie so liebevoll zärtlich umzugehen, wie mit Kessie in meiner Kindheit – und sie gleichzeitig konsequent führen. Den Unbill des Alltags von ihr fernhalten und meine Entscheidungen daran zu messen, ob sie ihrem Wohl dienen. Aber wie soll das gehen?

*

An meinen Erzeuger kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Der Kerl hat Mama sitzen gelassen, als ich noch ein Baby gewesen bin. So ist Mama meine einzige Bezugsperson in dieser komplizierten Welt geworden. Wir sind ein enges Team gewesen, das sich fast blind verstanden hat.

In meinem zwölften Lebensjahr ist Mama schwer krank geworden. Die Ärzte haben einen Tumor diagnostiziert, und zwei Jahre später ist sie dann gestorben. Die Behörden haben mich in ein Heim gesteckt, aus dem ich jedoch bald abgehauen bin. Wochen später hat man mich in der nächsten Großstadt aufgegriffen und dort ins Heim verbracht.

Dieses wiederholt sich in der Folgezeit des Öfteren. Auf der Straße bin ich mit Alkohol und Drogen in Kontakt gekommen. Durch Outfit und Frisur habe ich meinen Protest gegenüber der Gesellschaft ausgedrückt. So habe ich erst mit 20 meinen Hauptschulabschluss geschafft. Es hat dann lange gedauert, bis ich eine schlecht bezahlte Arbeitsstelle auf Wochenmärkten bekommen habe. Das Amt hat mich coatchen lassen, und diese Frau hat mir ein zivileres Aussehen ans Herz gelegt, wogegen ich mich lange gewehrt habe.

Jetzt verkaufe ich Hot-Dogs auf Wochenmärkten, an fünf Tagen in der Woche. Jeden Tag in einem anderen Ort. Ich fahre dafür mit meinem Fahrrad bis fünfzehn Kilometer von meinem Appartement zur Arbeit. Mein Appartement teile ich mit einer allerliebsten kleinen Mopsdame, namens Taps. Seit zwei Jahren habe ich einen Freund, der ab und zu eine Nacht oder ein Wochenende bei mir ist. Er ist sehr lieb zu mir, ich fühle mich verstanden bis auf die Phasen, wenn er wieder einmal zuviel trinkt. Dann hat er sich nicht unter Kontrolle und kann gewalttätig werden, während ich den Ausstieg aus Alkohol und Drogen geschafft habe.

*

Dieter zeigt mir an einem unserer Treffen ein besonderes Immobilienangebot in einer überregionalen Zeitung. Dort wird ein Bauernhof zum Kauf angeboten mit viel Weideland. Wir fahren gut dreihundert Kilometer zur Besichtigung. Das Anwesen ist ein „Einödhof“. Es liegt außerhalb in einer dünn besiedelten Gegend und ist zum reinen Grundstückspreis zu haben. Er unterschreibt einen Vorvertrag, damit ihm niemand anders das Anwesen wegschnappt. Zuhause will er sich mit seiner Bank und einem Architektenbüro zusammensetzen.

„Was hältst du davon?“ fragt er mich auf der Heimfahrt.

„Das Haus ist baufällig, die Weiden verwildert…“ antworte ich zurückhaltend. „Da musst du wohl noch viel Geld ’reinstecken!“

„An drei Seiten drum herum liegen andere Bauernhöfe. Denen biete ich den Großteil der Ländereien zur Pacht an. Damit haben wir regelmäßige Einkünfte, die zwar nicht sehr hoch sind, aber das Stück Land zum Wald hin bepflanze ich mit Bäumen und verkaufe das Holz. Die Gebäude reiße ich ab und baue neu. Vielleicht kann ich ein Großteil der neuen Wohnfläche als Ferienwohnungen vermieten!“

„Und unser Faible?“

„Das Anwesen ist abgelegen. Wenn alles steht, können wir ungestört unserem Faible nachgehen.“

„Da bin ich gespannt, Dieter! Aber wie soll ich zu dir kommen? Vierhundert Kilometer pro Strecke sind schon anstrengend!“

„Du kannst an den Wochenenden hier wohnen, also vor der Heimreise immer eine Nacht entspannt schlafen – oder du ziehst auf dem Anwesen in eine eigene Wohnung…“ antwortet Dieter und schaut mich lächelnd von der Seite an.

Ich schaue ihn lachend an:

„Dann muss ich mir im Umkreis des Anwesens eine neue Arbeit suchen!“

Er nickt und meint:

„Ja, das musst du dann wohl. Aber überstürze nichts! Komm erst einmal an den Wochenenden, während du dich bewirbst. Kündige deinen jetzigen Job erst, wenn du einen neuen gefunden hast! Solltest du nichts finden und mein Holzwirtschaftsbetrieb ist angelaufen und macht sich gut, dann steigst du als Mitarbeiter oder Teilhaber bei mir ein. Na, was meinst du?“

„Joah…“ gebe ich zurück.

*

Ich weiß nicht mehr weiter. Gestern habe ich meinen Freund aus der Wohnung geworfen. Wieder einmal ist er betrunken gewesen und hat mich erniedrigt. Tapsy hat ihn daraufhin gebissen und er hat nach ihr getreten und Möbel kaputt gemacht. Ich weiß selbst nicht mehr, wie ich geschafft habe, ihn vor die Tür zu setzen. Ohne Tapsy wäre es mir sicher nicht gelungen. Der Kerl soll mir gestohlen bleiben! Aber was mache ich jetzt bloß? So ganz allein…

Für’s Erste habe ich ja meine Arbeit. Die bringt nicht viel ein, aber sie lenkt mich ab. Der Umgang mit den Leuten tut mir gut. Und schließlich ist da noch Tapsy, meine große Beschützerin!

Heute ist wieder so ein Gedränge auf dem Markt. Gestern war ein Feiertag. Auch ich brauchte nicht arbeiten. Und die Leute kommen mir so vor, als hätten sie all ihre Vorräte zuhause aufgebraucht.

Ein Mann, nicht viel älter als ich weicht in diesem Moment einem schwer bepackten Ehepaar aus und gerät dabei an meinen Reklameständer, der mit Getöse umfällt. Nach einer Schrecksekunde beugt er sich nach dem Teil. Da ich hinzu gesprungen bin, geraten wir aneinander. Ich bin zu überrascht, um gleich loszuschimpfen. Als ich in seine verlegen lächelnden Augen schaue, weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll.

„Entschuldigen Sie vielmals, junge Frau,“ lässt er sich vernehmen. „Darf ich es übernehmen, das Teil wieder hin zu stellen?“

Ohne ein weiteres Wort führt er sein Vorhaben aus und ich lasse ihn stumm gewähren.

„Darf ich Sie auf den Schreck einladen?“ sagt er nach getaner Arbeit. „Ist es Ihnen Recht, nach Marktschluss mit mir das Restaurant dort hinten zu besuchen?“

Er zeigt quer über den Marktplatz. Ich nicke stumm. Dann grüßt er und ist im Strom der Leute verschwunden. Ich runzele die Stirn. Was war das denn für eine Begegnung gerade? Ob er wirklich sein Wort hält und zu Marktschluss mit mir in das Restaurant geht? Alleine würde ich dort niemals hinein gehen. Ich bin Schnellrestaurants und Buden gewohnt.

Also hole ich tief Luft und kümmere mich wieder um die Marktbesucher.

Dann ist Marktschluss. Ich schalte alles aus und putze meinen Wagen. Endlich kann ich die Reklame herein holen und die Klappe schließen. Mich dabei ertappend, dass ich der Umgebung immer wieder einen prüfenden Blick gönne, schließe ich die Tür des Marktwagens ab und setze mich wartend auf die Trittstufe an der Türe. Der Zugwagen meines Arbeitgebers, ein Toyota SUV fährt vor. Er setzt sich gekonnt vor dir Zugdeichsel und steigt aus.

„Hallo, Lena, wie war der Tag heute?“

Ich schürze die Lippen und blinzele ihn an.

„So wie immer.. Prächtig, Herr Mann!“ antworte ich lächelnd.

Er hat den Wagen angehängt, um ihn in den Nachbarort zu fahren, wo morgen der Wochenmarkt stattfindet und dort auf seinem Standplatz aufzustellen. Dann wird er die Tageseinnahmen aus der Kasse nehmen und nachhause fahren.

Ich habe inzwischen mein Rad von der Laterne losgekettet und sehe, dass zu wenig Luft im Hinterrad ist. Also heißt es pumpen. Herr Mann ruft mir einen Abschiedsgruß zu, steigt ein und das Gespann bewegt sich langsam Richtung Straße.

„Hallo, kleine Lady,“ höre ich eine bekannte Stimme in sanftem Tonfall in meinem Rücken.

Ich richte mich auf und drehe mich um. Ja, es ist meine Begegnung von heute Mittag.

„Darf ich helfen?“ fragt er und streckt die Hand nach der Fahrradpumpe aus.

Die Schulter zuckend übergebe ich sie ihm und er beugt sich über mein Rad. Auch den Vorderreifen überprüft er, dann steckt er die Pumpe an ihren Platz zu übergibt mir das Rad. Ihn dankbar anlächelnd, nehme ich den Lenker in die Hand. Er deutet mit einer Handbewegung über den Platz und so gehen wir quer über den inzwischen fast leeren Marktplatz in Richtung Restaurant, zwischen uns mein Fahrrad.

„Magst du draußen sitzen?“ fragt er, und duzt mich damit wie selbstverständlich. „Die Luft ist so schön warm.“

Ich nicke und so sucht er einen Tisch vor der Tür aus. Er zieht einen Stuhl unter dem Tisch hervor und bietet mir mit einer Handbewegung lächelnd den Platz an. Dann setzt er sich mir gegenüber und nimmt die Karte aus dem Ständer. Einige Sekunden vertieft er sich in das Angebot, dann schaut er mich fragend an:

„Was magst du essen?“

„Ich möchte nichts,“ sage ich.

Ich bin zu aufgeregt, um irgendetwas hinunter zu bekommen. Seine Augen schauen traurig, also ergänze ich schnell: „Einen Cappu, bitte.“

Sein Gesichtsausdruck erhellt sich. Zum Kellner gewandt, der inzwischen neben unserem Tisch steht, sagt er:

„Einen Cappuccino für die Dame und für mich ebenfalls… mit einem Schokocroissant!“

Der Kellner nickt und geht. Zwei Minuten später stellt er das Gewünschte vor uns hin.

„Ich heiße Paul,“ beginnt mein Gegenüber.

„Ich bin die Lena,“ stelle ich mich schnell vor.

„Ich finde dich sehr sympathisch, Lena.“

„In deiner Nähe fühle ich mich wohl,“ sage ich nach einem Schluck aus der Tasse und schaue ihm in die Augen.

Es folgt ein Geplänkel, in dessen Verlauf mir mein Gegenüber immer vertrauter wird.

Zum Abschied fragt er mich: „Werden wir uns wiedersehen? Ich meine… in der Freizeit, an Abenden, an den Wochenenden…“

Wir stehen vom Tisch auf. Ich wende mich ihm zu, schaue ihm in die Augen und gebe ihm die Hand.

„Sehr gerne, Paul! Sehr, sehr gerne!“

*

Da ist mir doch gestern etwas ganz besonderes passiert. Ich bin über den Markt in der Ortsmitte gegangen, um mir frisches Gemüse zu kaufen und habe in der Hektik der Mittagspause beim Ausweichen einen Reklameständer umgerissen. Die junge Frau im dazu gehörenden Verkaufswagen ist genauso erschrocken gewesen, wie ich selbst.

Wie es meine Art ist, habe ich das Malheur selbst in Ordnung gebracht. Ich weiß nicht, was das Erlebnis in mir ausgelöst hat. Ich habe gleich das Gefühl gehabt, dass eine höhere Macht mich mit dieser Frau zusammen geführt haben muss. Wie sagt man doch: Der Zufall ist das Pseudonym einer höheren Macht, wenn sie unerkannt bleiben will.

Ich habe sofort die Gunst der Stunde genutzt und sie eingeladen, uns gegenseitig kennen zu lernen. Zum Marktschluss habe ich mich am Rand des Marktplatzes zu einem Cappu mit ihr zusammen gesetzt und wir haben über alles Mögliche geredet. Dabei ist anscheinend ein Funke übergesprungen… Also, ich finde sie süß! Sehr sympathisch! Ich hoffe sehr, dass es ihr umgekehrt mit mir genauso geht. Sie hat mir in groben Zügen ihr nicht gerade leichtes bisheriges Leben beschrieben. Im Augenblick ist sie solo. Das ist meine Chance!

In zwei Tage ist Wochenende. Da gehe ich mit ihr durch den Zoo in der nahen Großstadt – und mal sehen, wie sich die Verbindung weiter entwickelt.

*

Heute ist Samstag, der letzte Markttag der Woche. Lena hat mir ihren Dienstplan gegeben, so weiß ich, wo ich sie treffen kann. Gegen Mittag ist heute Marktschluss. Kurz darauf treffe ich bei ihr ein und sehe noch, wie ihr Chef mit dem Marktstand davon fährt. Bevor sie sich auf ihr Rad schwingt, begrüße ich sie.

„Hallo Lena, schön, dich zu sehen! Wie geht es dir?“

„Hallo Paul. Mir geht es gut!“ antwortet sie mir, lehnt ihr Rad wieder an die Laterne und gibt mir ihre Hand. Ich nehme sie, drücke sie sanft und lege meinen Arm flüchtig um ihre Schultern. Tief berührt erlebe ich, wie sie sich ebenso flüchtig an mich lehnt. Mein Herz bekommt Flügel.

„Darf ich dich nachhause bringen?“ frage ich spontan.

Unwillkürlich geht sie etwas auf Abstand.

„Paul, ich mag dich wirklich sehr…“

„Keine Angst,“ setze ich sofort nach. „Nur bis zur Haustür!“

„Okay,“ meint sie etwas reserviert. „Aber, wo ist dein Rad?“

„Ich habe mein Auto dahinten stehen,“ sage ich und zeige in die Richtung. „Dein Rad schieben wir in den Kofferraum!“

Sie neigt den Kopf und wir gehen nebeneinander in die angegebene Richtung. Unterwegs spreche ich sie auf mein Anliegen an.

„Sag mal, Lena. Magst du morgen mit mir in den Zoo gehen?“

„Gerne, Paul. Ich bin aber nicht alleine! Hättest du etwas dagegen, wenn Tapsy mitkommt?“

Sie lebt mit einer allerliebsten Mopsdame, mit Namen `Taps‘, zusammen, hat sie mir beim Cappu erzählt. Also schüttele ich energisch den Kopf.

„Natürlich nicht! Dann lerne ich sie auch gleich kennen.“

Beim Auto angekommen, öffne ich die Heckklappe meines Kombis und schiebe das Rad vorsichtig hinein. Das Vorderrad ragt hinaus und ich lasse die Heckklappe vorsichtig herab. Mit einem Gummiband fixiere ich die Klappe und öffne Lena dann die Beifahrertür.

Zwanzig Minuten später erreichen wir ein Mietshaus.

„Hier wohne ich, Paul.“

Ich parke den Wagen am Straßenrand und hole ihr Rad aus dem Kofferraum.

„Ich wünsche dir dann noch einen schönen Abend und eine entspannende Nacht,“ verabschiede ich mich und biete ihr meine Hand.

Lena nimmt meine dargebotene Hand und beugt sich zu mir vor. Sie haucht mir einen Kuss auf die Wange und sagt:

„Das Gleiche wünsche ich dir auch, Paul. Ich freue mich auf unser Zusammensein morgen!“

Ich nehme sie nun etwas energischer in den Arm und erwidere:

„Ich freue mich ebenso! Bis morgen Mittag dann.“

Von der Fahrertür aus winke ich ihr noch einmal zu, dann schließt sich die Haustür hinter ihr. Ich setze mich hinter das Steuer und starte meinen Wagen. In einer Viertelstunde bin ich im Nachbarort an meiner Adresse. Mein Herz hüpft und ich schelte mich einen Narren, dass ich ihren Kuss nicht erwidert habe. Wie kann Mann nur so schüchtern sein?! Die darauffolgende Nacht wache ich öfters auf, so aufgeregt bin ich.

*

Heute hat Paul mich nachhause gebracht! Er ist ein lieber Kerl. Ich glaube, mit ihm könnte ich glücklich werden. Nachdem ich mein Rad in den Fahrradkeller gebracht habe, gehe ich hoch in den ersten Stock zu meiner Wohnung und werde freudig von Tapsy begrüßt. Sofort schaue ich nach ihrem Wasser und schütte ein paar Brocken Futter in ihren Napf. Dann gehe ich unter die Dusche.

Als ich wieder ins Wohnzimmer komme schaut Tapsy erwartungsvoll zu mir auf. Wie immer um diese Zeit nehme ich sie an die Leine und gehe zu einem Spaziergang mit ihr vor die Tür. Eine Stunde spaziere ich mit ihr zum Ortsrand und wieder zurück. Dann mache ich Taps ihr Essen und lege mich mit der Fernbedienung auf die Couch. Spät am Abend gehe ich zu Bett, gespannt auf den morgigen Tag.

Am nächsten Vormittag sehe ich Pauls Wagen unten vorfahren. Ich gehe mit Taps an der Leine die Treppe hinunter und begrüße Paul herzlich. Zuvorkommend hält er mir wieder die Beifahrertür auf. Meine Tapsy springt an ihm hoch zur Begrüßung, was mir zeigt, dass sie ihn spontan in ihr Herz geschlossen hat. Paul beugt sich zu ihr hinunter und lässt sie an seiner Hand schnuppern. Als sie beginnt ihn abzulecken streichelt er sie.

Nun steige ich ein und lasse Tapsy sich im Fußraum niederlegen. Paul drückt die Tür sanft zu, umrundet den Wagen und setzt sich ans Steuer. Eine dreiviertel Stunde später fahren wir auf den großen Parkplatz vor dem Zoo und erhalten vom Aufsichtspersonal eine Parkmarke. Wenige Minuten danach betreten wir den Zoo.

*

Mein Telefon klingelt. Ich sehe, dass der Anrufer Herr Mattes ist, der mir ein Mentor im Petplay geworden ist. Ich nehme also das Gespräch an.

„Tiefenbach.“

„Hallo Paul, du kannst dich doch sicher noch an unsere Exkursion letztens erinnern, nachdem ich dir die Immobilienanzeige in der Zeitung zeigte?“

„Ihjaaa…“

„Wir brauchen einen Ort, wo wir ungestört unsere Neigung ausleben können. Also hab ich weiter gesucht und gerechnet; und schließlich etwas gefunden!“

„Was?“

„Ein Bauernhof mit maroden Gebäuden. Die Erben leben schon seit Jahren in der Stadt. Achtundzwanzig Hektar groß für 480.000 Euro.“

„Wer soll das bezahlen?“

„Ich habe ein Erbe. Das reicht zwar nicht, aber wir werden sehen. Ich habe vor zwanzig Hektar an die umliegenden Bauern zu verpachten. Bei zweihundert Euro pro Hektar Pacht, die sich dort erzielen lassen, bekommen wir jährlich viertausend Euro Pachtzins. Damit lässt sich der Kredit allein nicht bezahlen. Der erfordert jährlich 16.000Euro.
Ich setze jedoch ein sogenanntes Nur-Dach-Haus an die Straße und vermiete es an Urlauber. Damit lässt sich die dreifache Miete erzielen, wenn auch nur während der Schulferien, und das sind höchstens vier Monate im Jahr. Bei einem normalen Mietzins von sieben Euro pro Quadratmeter und hundert Quadratmeter Wohnfläche ergeben sich daraus 8.400 Euro im Jahr und uns steht das Haus an acht Monaten oder etwa vierunddreißig Wochenenden selbst zur Verfügung. Den 16.000 Euro Abzahlung auf dreißig Jahre stehen also 12.400 Euro Einnahmen gegenüber. Ich muss selbst nur 3.600 Euro bezahlen – oder dreihundert Euro im Monat.
Dann will ich ja, wie du weißt, Bäume pflanzen auf den verbliebenen acht Hektar und diese dann gewinnbringend weiter verkaufen. So können wir später dann davon leben.“

„Das hört sich wunderbar an. Und du nimmst das alles auf deine Kappe?“

„Nach der Berechnung könnte ich das ohne weiteres!“

„Gut, dann mach das, Dieter. Möglicherweise habe ich schon bald ein erstes Doggie…“

„Ahhh, du warst ebenfalls aktiv seit unserem letzten Treffen! Das ist schön. Sie mag es, deine Doggie zu sein?“

„Sagen wir so: Sie lässt sich leicht führen, wenn sie mir ihr Vertrauen und ihre Sympathie schenkt. Vielleicht verliebt sie sich sogar? Abwarten, was die Zukunft bringt! Ich werde sie einfühlsam heran führen. Dann schauen wir mal.“

„Okay, schauen wir mal.“

*

Hinter den Kassen schauen wir uns nach den Hinweisschildern zum Rundweg um. Lächelnd zeige ich meine Entdeckung Paul. Er lächelt zurück und wir nehmen diese Richtung. Dabei legt er seinen Arm um meine Schultern. Ich lasse es zu und lehne mich etwas an ihn beim Gehen. Ich möchte ihm so zeigen, dass ich mich bei ihm geborgen fühle.
Jemand fotografiert uns und eine junge Frau drückt mir einen Zettel mit einer Nummer in die Hand. Der Fotograf hat sich schon jemandem hinter uns zugewandt und drückt wieder den Auslöser. Am Ausgang können wir uns ein Erinnerungsfoto aussuchen, erklärt die Frau noch schnell, dann wendet auch sie sich Besuchern hinter uns zu. Ich gebe den Zettel an Paul weiter.

Mit meiner Tapsy an der Hand schlendern wir an den Gehegen entlang. Dann erreichen wir ein Café mit einem Spielplatz auf dem Kinder toben. Wir setzen uns auf die Terrasse und Paul bestellt Cappuccino und Teilchen. Diesmal fragt er nicht, ob ich das mag, was er bestellt. Aber ich sage ichts dazu. Ich mag es, dass er die Führung übernimmt. Wir unterhalten uns und nach einer guten Stunde geht es weiter.

Wieder spazieren wir an Freigehegen vorbei. Zweimal durchqueren wir Hallen. Eine davon ist eine riesige Freiflughalle. Dann erreichen wir ein Gebäude mit der Aufschrift DELFINARIUM. Paul lenkt seine Schritte hinein. Wir steigen eine Treppe hinauf und sehen uns in einem Zuschauerraum stehen. Wie im Kino sind hier bogenförmig Sitzplätze in vielen Rängen angeordnet. Wir finden zwei Plätze nebeneinander und schon beginnt die Vorstellung.

Drei Delfine führen unten im Becken auf Kommando verschiedene Kunststücke vor, die den Zuschauern einen Eindruck davon vermitteln sollen, was diese Tiere in der freien Natur in der Lage sind zu tun. Begleitet wird das Ganze von einem Vortrag eines der Pfleger und Tiertrainer. Nach 25 Minuten ist die Vorstellung zu Ende und die Halle leert sich. Auch die Delfine schwimmen durch einen Kanal in einen Bereich, der nicht von den Zuschauern einsehbar ist.

Während wir an den letzten Gehegen Richtung Ausgang gehen, stellt mir Paul eine Frage:

„Wie fandest du die Vorstellung, Lena?“

„Es ist schon beeindruckend, was die Delfin in der Lage sind zu tun,“ sage ich. „Aber dass man die Tiere in solch kleinen Becken halten kann… Sie sind doch den grenzenlosen Ozean gewohnt – und sie sind intelligent.“

„Sie müssen beschäftigt werden,“ antwortet mir Paul. „Und dabei natürlich geistig gefordert! Stumpf hin und her schwimmen lassen wird man sie nicht. Die Leute sind schon erfahrene Tiertrainer.“

Eine kurze Gedankenpause entsteht, dann spricht Paul weiter:

„Weißt du, es gibt Menschen, die es mögen sich wie Tiere zu verhalten, und auch andere, die diese Leute führen und trainieren, und ihnen so das Gefühl geben ein Tier zu sein. Wie eben das mit den Delfinen.“

Ich schaue Paul schräg von der Seite an. Meint er das ernst, was er da sagt?

„Es gibt zwei Arten von bedingungslosem Vertrauen,“ redet er weiter und schaut mir dabei offen ins Gesicht. „Einmal zwischen Eltern und Kind, wenn die Beziehung in Ordnung ist. Zum Anderen zwischen Tier und Mensch. Als Beispiel schau dir doch dein Verhältnis mit Taps an…“

„Du hast recht,“ sinniere ich. „Aber wenn ein Mensch die Rolle eines Tieres annimmt, das ist doch reichlich schräg!“
Er zuckt kurz mit den Schultern. Dann sind wir auch schon am Stand des Fotografen. Paul steuert darauf zu und wir schauen uns die Bilder an. Zehn Euro bezahlt er für zwei wunderschöne Schnappschüsse.

*

Drei Monate sind vergangen. Wir haben uns regelmäßig besucht und viel unternommen in der Freizeit. Ich habe begonnen zärtliche Gefühle für Paul in meinem Herzen zu entdecken. Er spürt das auch, denke ich, denn er hat mich gefragt, ob wir nicht zusammenziehen sollten.

„Hm,“ antworte ich ihm, „deine Wohnung ist fast genauso klein wie meine. Möchtest du bei mir einziehen?“

Ich weiß nicht, warum ich ihm das Angebot gemacht habe. Selbst meinen Exfreund habe ich nicht bei mir wohnen gelassen.

Paul faltet eine Zeitung auseinander und deutet auf eine Anzeige, die eingekreist ist.

„Was hältst du hiervon?“ fragt er mich.

Ich lese etwas von einer Zweizimmer-Wohnung etwa um die Hälfte größer als sein Appartement, also von der Größe her zwischen seiner und meiner Wohnung angesiedelt. Die Miete werden wir uns gemeinsam leisten können, und sie liegt in der Nähe! Ich lege meinen Arm um ihn und gebe ihm einen Kuss.

„Du bist ein Schatz!“ sage ich. „Aber wer organisiert den Umzug? Ich kann leider keinen Urlaub nehmen. Der Chef findet dann schnell eine andere Verkäuferin…“

„Ich weiß, du bist sehr pflichtbewusst,“ antwortet Paul. „Du könntest deine Sachen in Kartons verpacken, die ich besorge. Ich mache das Gleiche. Und den Rest besorgt ein Umzugsunternehmen! Wo welche Möbel aufgestellt werden, darüber reden wir, wenn wir den Grundriss der Wohnung haben. Also nach Unterzeichnung des Mietvertrages.“

Ein Monat nach diesem Gespräch leben wir zusammen in einer Wohnung. Das ist für mich eine Premiere. Anfängliche Befürchtungen lösen sich aber bald in Luft auf und auch Tapsy hört auf Paul. Letzteres lässt mich manchmal ein wenig eifersüchtig werden.

*

In den folgenden Wochen entwickelt Lena immer mehr Vertrauen zu mir. Sympathie wächst und unsere Freundschaft verändert sich allmählich hin zu einer zarten Liebe. Wir fühlen uns beide stark zueinander hingezogen. Also beginne ich in den Zeitungsanzeigen nach einer größeren, aber doch erschwinglichen Wohnung zu suchen. Schließlich finde ich eine und schaue sie mir von außen an. Dann erzähle ich Lena davon.

Vier Wochen später ist alles geregelt und wir erleben unser junges Glück in einem gemeinsamen Heim.

Wochen danach komme ich von der Arbeit und versorge Tapsy, die inzwischen ebenfalls an mir hängt. Dann will ich uns das Abendessen machen, als das Telefon klingelt.

„Tiefenbach.“

„Mayer. Hallo Herr Tiefenbach, Sie sind doch der Lebensgefährte von Frau Fischer?“

„Das ist richtig.“

„Frau Fischer ist heute im Marktwagen bewusstlos zusammengebrochen. Die Marktaufsicht sagte mir, Kunden hätten das miterlebt und den Notarzt gerufen. Dieser hätte sie in ein Krankenhaus gebracht. Ihr Fahrrad habe ich hier. Sie können es gerne abholen.“

Mein Herz rast plötzlich. Was ist meiner Lena passiert? Wo ist sie jetzt? Hoffentlich ist sie in guten Händen!

„Wissen Sie in welches Krankenhaus sie eingeliefert wurde?“

„Leider nein, aber soviele Möglichkeiten gibt es hier ja nicht…“ entgegnet mir der Anrufer.

„Haben Sie vielen Dank! Wenn es ihnen nichts ausmacht, setze ich mich gleich ins Auto und hole ihr Rad bei Ihnen ab.“

„Nein, ist schon okay.“

„Also bis gleich.“

„Ja, bis gleich.“

Nachdem ich Lenas Rad bei ihrem Chef abgeholt habe, fahre ich die Krankenhäuser in der näheren Umgebung ab. Beim dritten habe ich schließlich Erfolg. Dort sagt man mir, dass kurz nach Mittag eine Frau eingeliefert wurde, von der gesagt wurde, dass sie Lena Fischer heißen soll. Ich solle am Folgetag doch ihre Papiere und die Krankenkassenkarte vorbei bringen.

Auf meine Frage, ob ich Lena sehen dürfe, heißt es, dass sie Verbrennungen erlitten hätten. Entsprechende Verbände lassen nur wenig von ihr erkennen. Außerdem hätte man sie in Narkose versetzt. Sie schlafe also jetzt. Aber man nennt mir die Zimmernummer.

Ich verabschiede mich also von der Dame am Eingang und irre durch die Gänge. Mein Brustkorb fühlt sich an, als befände er sich in einem Schraubstock. Dann finde ich ihr Zimmer und will die Klinke herunter drücken. In dem Augenblick werde ich von hinten angesprochen.

„Hallo Sie, bitte betreten Sie das Zimmer jetzt nicht!“

Ich drehe mich um und sehe eine Krankenschwester auf mich zu kommen.

„Wer sind Sie?“

„Ich bin Herr Tiefenbach, der Lebensgefährte von Frau Fischer.“

„Ah. Ziehen Sie bitte Handschuhe, Plastik-Überschuhe und diese Haube an, bevor Sie das Zimmer betreten! Aber viel wird es nicht bringen. Frau Fischer schläft gerade.“

Sie hat einen Schrank geöffnet und zeigt mir die Utensilien.

„Ich habe schon gehört, dass sie in Narkose liegen soll. Kann ich nicht wenigstens von der Tür aus ein Blick auf sie werfen?“ frage ich.

„Okay, wenn Sie das Zimmer nicht betreten…“ meint sie und öffnet die Tür.

Viel kann ich nicht erkennen, denn dahinter befindet sich eine Schleuse mittels eines Plastikvorhanges.

„Es wird wohl das Beste sein, wenn ich morgen wiederkomme,“ entscheide ich, zur Krankenschwester gewandt.

„Das denke ich auch,“ antwortet sie mir.

Ich verabschiede mich also und fahre nachhause. Dort versuche ich mich mit dem aktuellen Fernsehprogramm abzulenken. Taps erkennt meine Verfassung, legt sich neben mich und lässt sich streicheln. Allmählich werde ich ruhiger und gehe bald zu Bett.

Am nächsten Morgen suche ich ihren Ausweis und die Krankenkassenkarte heraus und nehme sie mit zur Arbeit. Dort nehme ich mir einen halben Tag frei und fahre gegen Mittag ins Krankenhaus. Die Formalitäten sind schnell geregelt und ich gehe auf die Station. Im Stationszimmer finde ich eine andere Krankenschwester.

„Hallo, ich heiße Tiefenbach und bin der Lebensgefährte von Frau Fischer. Gestern bin ich von ihrem Arbeitsunfall informiert worden und wollte sie besuchen, aber sie lag in Narkose. Wie geht es ihr heute?“

„Das tut mir leid, Herr Tiefenbach. Ihre Lebensgefährtin liegt leider immer noch in Narkose. Außerdem unterliegt jeder der das Zimmer betritt höchsten Hygienevorschriften, damit kein Keim in ihre Brandwunden gerät.“

„Ich weiß, darauf hat mich die Spätschicht gestern schon aufmerksam gemacht… Wann kann man damit rechnen, dass sie aus der Narkose erwacht?“

„Das weiß ich leider auch nicht. Das entscheiden die Ärzte, die sich täglich den Heilungsprozess ansehen.“

„Oh,“ mache ich und weite erschreckt die Augen. „Sie wird dann sicher künstlich ernährt und beatmet?“

„Ja, man hat ihr Schläuche gelegt.“

„Können Sie mir Hoffnung machen?“

„Haben Sie Geduld, Herr Tiefenbach. Sie können sich gerne täglich bei mir über Frau Fischer erkundigen!“

Die Krankenschwester zuckt freundlich lächelnd mit den Schultern. Ich verabschiede mich mit gerunzelter Stirn und sage noch:

„Wie gern wäre ich der Erste, den sie in der Aufwachphase erblickt!“

„Das wird leider nicht möglich sein,“ meint sie noch. „Üblicherweise ist es eher einer der Ärzte, während er die Schläuche zieht…“

Es vergeht insgesamt mehr als eine Woche, in der ich täglich gleich nach der Arbeit nach Lena schaue. Dann endlich darf ich in Hygienekleidung zu ihr hinein. Sie lächelt mich schwach an. Ich mache ihr Mut. Nach zwei weiteren Wochen darf sie die Station verlassen und wird auf ein normales Zimmer verlegt. Jetzt dürfen wir auch schon kleine Spaziergänge unternehmen. Vier Wochen später ist Lena wieder zuhause, allerdings noch drei Monate krankgeschrieben. Ihren Job macht inzwischen eine andere junge Frau. Sie hat die schriftliche Kündigung bekommen.

Als ich Lena davon erzähle ist sie traurig. Sie sackt förmlich in sich zusammen. Ich ziehe sie an mich, gebe ihr so das Gefühl, dass ich sie stütze und sage:

„Wir schaffen das, Cherie. Die Ausgaben kann ich auch alleine stemmen. Du kümmerst dich dann einfach um den Haushalt, wenn du wieder ganz auf dem Damm bist.“

Sie schaut mich lächelnd an, umarmt mich und gibt mir einen Kuss, den ich gerne erwidere.

*

Die Dauer ihrer Krankschreibung ist fast zu Ende. Ich sitze im Wohnzimmer an meinem Schreibtisch und mache schnell noch die Korrespondenz, während Lena in der Küche etwas Besonderes zaubern will, wie sie mir beim Nachhause kommen gesagt hat.

Da höre ich ein Poltern und Klirren. Ich springe auf, dass der Schreibtischstuhl umkippt und Taps aufheult. Schnell bin ich in der Küche und sehe Lena zuckend am Boden liegen. Ich versuche sie anzusprechen, doch sie reagiert nicht. Ich rufe sofort den Notarzt und beschreibe ihm kurz das Bild, das sich mir bietet. Er sagt, sie wären gleich da, ich solle versuchen, Lena etwas zwischen die Zähne zu schieben. Dumm dreinschauend tue ich, wie mir geheißen.

Dann klingelt es auch schon an der Tür. Eine kurze Untersuchung, dann schnallt man Lena auf die Trage und verlässt unsere Wohnung. Ich kann Taps gerade noch zurückhalten, bevor sie ebenfalls die Wohnung verlässt – den Männern hinterher. Die Hündin auf den Arm nehmend, frage ich noch, wo sie Lena hinbringen. Der Notarzt nennt mir ein anderes Krankenhaus als das, aus dem sie gerade entlassen wurde und dort würde sie auf die neurologische Station kommen.

Dort sagt man mir, dass sie einen epileptischen Anfall erlitten hat und man sie auf ein Medikament einstellt, das sie von nun an täglich nehmen soll. Eine Woche bleibt sie dafür in der Klinik.

Ich habe mir zwei Wochen Urlaub genommen. In der Petplayer-Community im Internet ist ein Event angekündigt worden, das bei Hamburg stattfinden soll. Der dortige Stammtisch hat die Federführung. Lena weiß davon. Ich habe ihr frühzeitig davon erzählt und ihr angeboten, sich die Sache einmal anzuschauen. Neugierig hat sie zugesagt.

Durch die gesundheitliche Sache wäre der Termin für uns beinahe in die Hose gegangen, denn ohne Lena wäre ich nicht gefahren. Nun klappt es doch noch.

Ich kaufe zwei Transportkäfige und entferne mit einer Zange zwei Schmalseiten. Dann verbinde ich beide Käfige miteinander, so dass ein langer Käfig entsteht. Den Boden polstere ich mit mehreren Decken aus und schiebe ihn in meinen Kombi. Der Wagen hat getönte Seitenscheiben. Niemand kann also von draußen herein schauen. Damit der lange Käfig auf die Ladefläche passt, lege ich auch noch die Rücksitze um.

Zwei Tage nachdem Lena aus der Klinik entlassen wurde, fahren wir los. Anfangs sitzt Lena noch neben mir bis wir kurz vor Hamburg sind. Dann fahre ich auf einen Feldweg und Lena kriecht witzelnd rücklings in den Käfig. Zusätzlich bekommt sie von mir noch eine schwarze Augenbinde.

„Lass die Binde bitte auf bis ich sage, dass du sie abnehmen kannst,“ sage ich zu ihr und lächele sie an.

„Ist das hier eine Entführung?“ witzelt sie zurück.

Ich streichele ihr noch einmal kurz über den Kopf und schließe dann das Türgitter des Käfigs. Danach fahre ich wieder los. Mein Weg führt jedoch an Hamburg vorbei, weiter nach Schleswig-Holstein hinein.

Vor einer Dorfkirche mit einem Friedhof daneben halte ich an. Inzwischen ist es Spätnachmittag geworden. Ich drehe den Wagen, so dass die Front aus dem Weg herausschaut. Danach gehe ich nach hinten, öffne die Heckklappe und die Käfigtüre.

„Sag mal, wo hast du mich hier hin gebracht?“ sind ihre ersten Worte, während sie sich hoch stemmt und die Knie anzieht.

Ich schiebe ihr die Augenbinde in die Stirn und sie schaut sich um.

„Wo sind wir hier?“ fragt sie und schaut mich mit großen Augen an.

Sie weiß die Antwort schon, denn diese Umgebung ist ihr aus ihrer Kindheit bekannt.

„Ich habe mir gedacht, dass wir beide deine Mutter besuchen sollten, wenn sich die Gelegenheit ergibt,“ sage ich deshalb nur.

Inzwischen ist sie aus dem Käfig gerutscht und sitzt auf der Ladekante. Nun springt sie auf und hängt Sekunden später an meinem Hals, lachend und weinend gleichzeitig. Ich nehme sie in den Arm und gemeinsam schreiten wir an den Reihen der Gräber entlang. Wir halten uns locker an der Hand und ich lasse mich von Lena führen, während sie ihre Tapsy an der Leine hält.

Wir erreichen das etwas verwilderte Grab einer viel zu früh verstorbenen Frau. Lena bleibt stehen und schaut unverwandt auf den Grabstein. Ich umfasse ihre Schultern und verharre eine Weile stumm neben ihr. Dann sage ich mit gedämpfter Stimme:

„Das Wort ‘Liebe‘ verwendet man heutzutage etwas undifferenziert sowohl für die körperliche und für die seelische Liebe. Zwei Arten der seelischen Liebe gleichen sich wie eineiige Zwillinge: Die Liebe zwischen Mutter und Kind, und die Liebe zwischen Mensch und Tier…“

Unwillkürlich schaut Lena auf ihre Tapsy. Daraufhin hebt sie ihren Blick und schaut mich direkt an. Sie antwortet mit einer Frage:

„Und du möchtest, dass ich zu dir stehe, wie Taps zu mir?“

Ich zucke lächelnd mit den Schultern, schaue kurz in den Himmel und blicke ihr in die Augen.

„Möchtest du so gehegt werden, wie eine Mutter ihr Kind, oder ein Mensch sein geliebtes Tier? Ich achte auf dich, auf dein Wohl. Lasse nichts Unangenehmes an dich heran!“

Sie drückt sich noch enger an mich.

Nach einer Minute sage ich:

„Komm, wir bringen das Grab in Ordnung!“

Ich gehe zum Brunnen und hole von dort Wasser, während Lena auf die Knie geht und Unkraut zupft. Als ich zurückkomme, helfe ich ihr dabei. Nach einer halben Stunde verlassen wir den Friedhof und fahren Richtung Hamburg zurück. Lena sitzt eine Weile stumm neben mir.

„Was ist eigentlich, wenn das enge Verhältnis erlahmt, das zwischen Mutter und Kind oder Mensch und Tier besteht?“ platzt es plötzlich aus ihr heraus.

„Wir müssen frühzeitig die Anzeichen erkennen und gegensteuern, Cherie! Du bist das wichtigste Lebewesen auf diesem Planeten für mich! Ich hoffe, ich für dich auch?“

Sie beugt sich zu mir herüber und haucht mir einen Kuss auf die Wange.

„Du für mich auch! Ich hoffe, dass wir meine Mama jetzt öfter besuchen. Vielleicht einmal im Jahr? Wie willst du gegensteuern?“

„Die Entfernung ist groß von zuhause. Einmal im Jahr muss aber machbar sein! Darauf achte ich! – Wie will ich unsere Beziehung so innig erhalten?
Es gibt eine Reihe negativer Einflüsse, die man kennen muss: erstens, wenn wir uns des anderen nicht mehr bewusst sind, wenn uns der andere egal zu werden beginnt. Zweitens das unstillbare Verlangen nach mehr. Wenn uns der andere nicht mehr genug ist. Drittens, wenn das Mitgefühl schwindet und der Selbstsucht Platz macht. Viertens die Angst vor der Vergänglichkeit, vor dem Ende des Mitgefühls. Fünftens, wenn die Gefühle nicht mehr bestimmen, sondern das körperliche überhandnimmt. Sechstens, nur noch zu glauben, was man sieht. Wenn also die Rationalität mehr Gewicht bekommt als die Emotionalität. Und siebtens die Besserwisserei, die verblendete Selbstüberzeugung, der Fanatismus.“

„Das ist ein großes Programm! Ich weiß nicht, ob je ein Mensch dagegen gefeit ist…“

„Wir sind zu zweit. Siehst du Anzeichen bei mir, mache mich darauf aufmerksam, Cherie! Genauso will auch ich auf Anzeichen bei dir achten!“

Die restliche Fahrt ist Lena still geworden und hängt ihren Gedanken nach. Ich lasse sie gerne in Ruhe den heutigen Tag verarbeiten. Wir übernachten in einem Gasthof mit Fremdenzimmer, um anderentags den Rest des Events mitmachen zu können und am Nachmittag nachhause zu fahren. Ich denke, das reicht für’s Kennenlernen des Petplay.

*

Paul hat mir eine Riesenfreude gemacht, dass er mit mir meine Heimat und damit Mamas Grab besucht hat. Ich kann ihm nicht genug danken dafür. Er will jetzt sogar regelmäßig mit mir dorthin fahren!

Statt der zwei Tage, die das Petplayer-Event bei Hamburg eigentlich dauert, schnuppern wir nun nur kurz hinein, damit ich einen Eindruck von seinem Faible bekomme.

Der Navi leitet uns zu einem Bauernhof. Der Hamburger Stammtisch der Petplayer hat den Hof und die Fremdenzimmer dort für ein Wochenende angemietet. Hätten wir uns für eins der Zimmer angemeldet, hätten wir einen Beitrag zahlen müssen.

Als wir am Ziel ankommen, sehen wir eine Reihe von Fahrzeugen am Wegrand stehen. Paul parkt unseren Wagen dazu. Dann gehen wir auf die Gebäude zu.

„Hallo, darf ich fragen, was sie wünschen?“ werden wir angesprochen.

„Hallo,“ antwortet Paul. „Ich habe in der Petplay-Community von dem Event gelesen, und wollte meiner Lebensgefährtin ermöglichen sich einmal anzuschauen, was da so abgeht.“

„Ah, Sie sind also Petplayer. Welches Tier?“

„Ich bin Besitzer und meine Lebensgefährtin wäre die Doggie, wenn es ihr zusagt.“

„Kommen Sie erst einmal herein,“ meint der Mann.

Er macht Platz und wir betreten das Gebäude.

„Die Pets, die schon seit gestern hier sind, haben sich oben auf den Zimmern umgezogen. Brauchen Sie eine ruhige Ecke, um sich zurecht zu machen?“ fragt er.

„Nein,“ lehnt Paul höflich ab. „Wir bleiben nicht lange. Es ist ihr erstes Mal. Sie möchte sicher nur schauen. Vielleicht ergibt sich ein kurzes Gespräch mit einem anderen Teilnehmer, dann fahren wir wieder. Beim nächsten Mal sind wir dann sicher länger da.“

Der Mann nickt, lächelt freundlich und weist uns zum Hinterausgang. Wir verlassen das Bauernhaus dort wieder und befinden uns in einem Hof, der rechts und links von Schuppen und Vorratsgebäuden begrenzt wird. Hier stehen einige Tische. Von der angrenzenden Wiese ertönen Lachen und Anfeuerungsrufe. Wir nähern uns den Geräuschen und sehen, dass auf der Wiese ein Parcours abgesteckt ist. Eine Person auf zwei Beinen und eine Person auf vier Beinen bewegen sich schnell über den Parcours, wobei die Person auf vier Beinen von der anderen Person an einer Leine geführt wird. Beide Personen haben Lederkleidung an. Die Person auf vier Beinen dazu noch eine Maske, die einen Hundekopf darstellt. Andere Personen in Leder oder Latex stehen am Rand. Etwa die Hälfte davon trägt verschiedene Masken und einigen hängt ein Schweif hinten herunter.

Erstaunt und stumm schaue ich dem Treiben zu.

Dann gehen die Anwesenden Paar für Paar zu den Tischen im Hof und bestellen etwas zu trinken. Paul geht mit mir zu den Leuten und er fragt ein Paar, ob wir uns dazu setzen dürfen. Der Mann macht eine einladende Handbewegung und die Frau lächelt uns an. Sie hat gerade ihre Maske abgelegt.

„Sind Sie neu hier?“ beginnt der Mann kurz darauf ein Gespräch.

Paul geht höflich darauf ein und sagt:

„Ja, wir waren noch nicht hier. Ich heiße übrigens Paul Tiefenbach und das ist meine Lebensgefährtin Lena Fischer. Ich bin als „Peterle“ seit Jahren in der Petplay-Community aktiv. Lena ist das alles noch ziemlich neu. Darum habe ich sie eingeladen, einmal zuzusehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.“

„Ah, ich bin Peter Balder und das ist meine Doggie Biggi,“ antwortet der Mann.

Wir wechseln noch ein paar Worte Smalltalk miteinander, dann stehen die Beiden wieder auf und gehen zur Wiese zurück. Die Frage, ob wir sie begleiten mögen, bejaht Paul und so folgen wir den Beiden.

Herr Balder verändert mit anderen Anwesenden den Parcour, während Biggi abwartend am Rand stehenbleibt.

„Dein Freund oder Mann kennt sich hier ja ziemlich au,“ sage ich, an Biggi gerichtet.

„Wir sind nicht zusammen,“ korrigiert Biggi. „Ich treffe mich mit Peter nur hin und wieder zu solchen Sessions, wie diese hier. Wir verbringen ein Wochenende als Hündin und Herr, dann geht jeder wieder seinem eigenen Tagesablauf nach.“

„Oh, also wohnt ihr noch nicht einmal zusammen?“

Ich bin erstaunt. Das Wort ‚Session‘ habe ich noch nicht gehört. Also treffen sich die Leute, um ihrer Neigung nachzugehen, auf Zeit, für Stunden oder Tage, und gehen dann wieder auseinander…

„Noch nicht einmal in derselben Stadt,“ bestätigt Biggi. „Peter ist ein wunderbarer Herr. Er trainiert mich auf Hund. Aber mit ihm vierundzwanzig zu sieben zusammenleben könnte ich mir nicht vorstellen. Der berühmte Funke will einfach nicht überspringen, verstehst du…“

Sie lächelt mich an.

„Vierundzwanzig zu sieben…“ wiederhole ich den Begriff, den sie benutzt hat, mit verständnisloser Miene.

„Ja, vierundzwanzig Stunden pro Tag an sieben Tagen die Woche – und 365 Tage im Jahr…“

„Ah, also für immer zusammen sein mit ihm kannst du dir nicht vorstellen.“

„Du bist aber mit deinem Kerl zusammen,“ platzt es aus ihr heraus.

Bei dem Wort ‚Kerl‘ schrecke ich etwas zurück, obwohl ich die Männer früher selbst so betitelt habe. Ein warmes Gefühl durchströmt mich, als ich nun Paul vor meinem inneren Auge sehe. Ich schaue mich nach ihm um. Er beteiligt sich gerade beim Umbau des Parcours.

„Ja, ich bin mit Paul zusammen,“ bestätige ich.

„Du Glückliche,“ bemerkt sie. „Ich konnte sehen, wie vertraut ihr miteinander seid.“

„Er sagte mir mal, dass es neben der körperlichen Liebe noch die seelische gibt. Beide gemeinsam ergeben erst ein rundes Bild. Er hat mir versprochen, sich stets um mich zu kümmern, auf mich zu achten, für mich zu sorgen.“

„Aber damit gibst du etwas wichtiges auf, Lena. Deine Selbstverantwortung! Was ist, wenn ihr einmal auseinander geht? Dann kommst du im Alltag nicht mehr klar!“

„Wir werden niemals auseinander gehen!“ behaupte ich im Brustton der Überzeugung.

„Dass du dich da nicht mal täuschst, Kleine…“ meint Biggi und schlägt einen sanften Ton an.

„Die Liebe endet nie, wenn beide stets daran arbeiten, dass sie nicht einschläft!“

„Das sagt sich so leicht – ist aber so schwer durch zu halten!“

„Ich weiß, ich habe ja auch eine gewisse Vergangenheit. Aber mit Paul habe ich meinen Traumprinzen gefunden… Denke ich!“

„Na, dann wünsche ich euch beiden viel Glück für eure Zukunft!“

„Überlege mal: wenn du dich verliebt hast, dann möchtest du dich doch bestimmt auch ‘fallenlassen‘ können, loslassen können, deinem ‘Traumprinzen‘ die verantwortliche Führung vertrauensvoll überlassen?“

„‘Wenn man sich verliebt hat‘, Lena, das ist richtig! Als ich so jung war wie du, dachte ich genauso. Aber heute mit Ende Dreißig…“

„Verlieben kann man sich in jedem Alter, Biggi!“

„Das stimmt. Aber die Phase des Verliebtseins, des Schwebens auf Wolke Sieben, wird mit den Jahren immer kürzer. Sehr schnell holt Einen der Alltag wieder ein.“

„Sag mal, hast du Whats app? Magst du über Whats app mit mir in Kontakt bleiben?“

„Gern,“ lächelt sie mich an.

Ich gebe ihr meine Nummer und wir gleichen unsere Handys aufeinander ab. Dann schauen wir noch dem folgenden Spiel zu. Anschließend sagt Paul zu mir:

„Komm, lass uns gehen. Taps wartet sicher sehnsüchtig. Wir gehen draußen mit ihr Gassi und danach fahren wir nachhause.“

Ich verabschiede mich von Biggi und lehne mich im Weggehen eng an Paul. Als er nun seinen Arm um meine Schultern legt, schaue ich ihm verliebt in die Augen.

Wir gehen zum Auto und lassen Tapsy raus, die um uns herum läuft und freudig bellend immer wieder hochspringt. Wir waren wohl zu lange fort. Paul schafft es endlich, ihr die Leine anzulegen. Dann machen wir einen Spaziergang über die Felder.

Während des Spaziergangs bin ich so sehr mit meinen Gedanken beschäftigt, dass ich gar nicht merke wie still ich geworden bin und wie einsilbig ich Paul auf entsprechende Fragen antworte. Er sagt es mir während der Heimfahrt, und dass er mich in Ruhe meine Eindrücke verarbeiten gelassen hat. Dafür bin ich ihm dankbar und hauche ihm einen Kuss auf die Wange.

*

Das Telefon an meinem Arbeitsplatz klingelt.

„Tiefenbach.“

„Hallo Paul. Dieter hier. Ich wollte dir nur sagen, dass unser Projekt in der Eifel angelaufen ist. Ich hatte in den vergangenen Wochen sogar schon einige Feriengäste.“

„Oh, das freut mich für dich!“ gebe ich aufrichtig zurück.

„Auch für dich, Paul, auch für dich! Denn was nützt mir das Ganze, wenn ich es allein schultern muss. Wir hatten doch darüber gesprochen, dass du ebenfalls davon profitieren kannst! Oder hast du dich inzwischen anders entschieden?“

„Nein, ist schon okay, Dieter.“

„Das kommt jetzt gerade nicht begeistert. Weißt du was? Komm doch mit Lena am nächsten Wochenende hierher und schau dir alles an, probier‘ es aus!“

„Nächstes Wochenende? Das klappt!“

Ich bin neugierig geworden.

„Weißt du, ich hatte gerade ziemlich was um die Ohren, aber das klappt am Wochenende!“ bekräftige ich noch einmal.

„Also bis dann.“

„Ja, bis dann. Ich freue mich!“ sage ich und verabschiede mich von Dieter.

Er hat es also geschafft, ein Petplayer-Refugium zu schaffen! Auch wenn es noch in den Kinderschuhen steckt. Das muss ich mir ansehen!

Ich erzähle Lena am Abend beim Fernsehen davon. Während ich auf der Couch sitze hat sie es sich zu meinen Füßen bequem gemacht. Ein Elektro-Kamin spendet wohlige Wärme.

„Wie geht das denn da zu? Wie muss ich mich verhalten? Was ziehe ich an?“

Sie hat den Kopf gehoben und schaut mich zweifelnd an.

„Es wird dort genauso zugehen, wie auch hier, Cherie,“ antworte ich ihr. „Dieter ist mein Mentor. Vieles von meinen Ansichten über die D/s-Beziehung habe ich von ihm. Du verhältst dich nicht anders als bei mir, wenn du in deiner Rolle bist. Was sollst du anziehen? Vier Möglichkeiten hast du: Nackt, wie wenn wir beide unter vier Augen sind. In einem Outfit aus Lack, Leder oder Latex – oder in Kunstfell. Wir werden dafür in den nächsten Tagen schon etwas finden. Oder du schminkst deinen Körper von oben bis unten und gibst ihm das Aussehen einer Hündin. Ob nun Golden Retriever, Dalmatiner – oder eine große Ausgabe von Tapsy…“

„Hm, Lack-, Leder-, Latex- und Furry-Outfits habe ich ja letztens auf dem Event kennengelernt. Am natürlichsten empfinde ich es nackt. Wenn ich mir aber vorstelle, dass wir zu einem mir noch fremden Mann fahren – auch wenn er dir charakterlich gleicht und mich nicht als Freiwild betrachtet -, würde ich gerne ein Body oder zumindest Slip und BH tragen, wenn ich das darf…“

„Okay, Liebling,“ sage ich, beuge mich zu ihr hinunter und streichele zärtlich ihre Flanke.

Taps kommt hinzu und beginnt meine Hand zu lecken.

*

Wenige Tage später, am Samstagvormittag, darf ich Slip und BH anziehen und ein Body mit Druckknöpfen im Schritt darüber. Paul nimmt noch gestrickte Stulpen für die Unterarme in der Farbe des Bodys mit, sowie Pfotenfäustlinge aus Leder, Ballerinas mit Ledersohle unter den Zehen und Knieschoner mit.

Auf meinen fragenden Blick sagt er:

„Ich weiß ja noch nicht, was uns erwartet.“

Am Auto krabbele ich wieder in meinen Spezial-Transportkäfig. Nicht erwähnen muss ich sicherlich, dass ich einen Halsreif aus poliertem Edelstahl trage, den Paul im Internet gekauft hat. Eine zierliche Kette mit Lederschlaufe steckt er sich selbst in die Tasche. So fahren wir los.

Wie ich an den Ansagen während der Fahrt höre, lässt sich Paul vom Navi leiten. Ich kann zwar durch die getönten Scheiben nach draußen schauen, aber nach wenigen Kilometern Autobahnfahrt hat die vorbeiflitzende Landschaft meine Augen so ermüdet, dass ich sie schließe und kurze Zeit später muss ich wohl eingeschlafen sein.

Durch das Öffnen der Heckklappe werde ich wach. Ich stemme mich hoch und schaue an Paul vorbei. Hinter ihm steht ein Haus, das aussieht, als hätte man ein Dach gleich auf den Erdboden gebaut. Neben ihm steht ein älterer, freundlich dreinblickender Mann.

Paul öffnet die Gittertür des Käfigs und hält mit eine Trinkflasche hin. Dankbar nehme ich einen Schluck. Während ich ins Freie klettere hat Taps mit einem Sprung den Wagen verlassen. Sie hat die Fahrt zusammengerollt an meiner Seite außerhalb des Käfigs verbracht.

Der Parkplatz ist geteert. Zum Haus führt ein Weg aus Gehweg-Platten. Paul legt mir schnell noch das Equipment an, dann gehe ich neben ihm her auf den Spezial-Ballerinas und Pfotenfäustlingen. Genau wie Taps bin ich dabei mit meinem Kopf auf Höhe seiner Beine. Er hat uns gelehrt, nicht voraus zu laufen, wenn es heißt „BEI FUSS“ zu gehen.

Dieter, wie der ältere Mann heißt, öffnet die Eingangstür in der dreieckigen Front und führt uns zuerst im Haus herum. Gleich hinter dem Eingang liegt der großzügige Empfangsbereich mit Garderobe und Toilette. Rechts daneben zeigt er uns eine zum Wohnbereich offene Küche. Die Bereiche Kochen, Essen und Wohnen gehen unmerklich ineinander über. Die verglaste Rückfront des Hauses öffnet sich zur großen überdachten Terrasse. Dahinter liegt eine Rasenfläche in deren Mitte ein Schwimmbecken in den Boden eingelassen ist. Rund um die Rasenfläche gruppieren sich dicht an dicht mannshohe Koniferen, so dass der Garten kaum einsehbar ist.

Zurück im Haus führt Dieter uns nun die Treppe hinauf. Durch doppelt tiefe Stufen wirkt die Treppe überhaupt nicht steil, was mir auf allen Vieren sehr entgegen kommt. Oben befinden sich zwei Schlafzimmer und direkt über der Küche zur Straßenseite hin eine geräumiges Bad.

„Na, wie gefällt euch das Haus?“ fragt Dieter.

Paul antwortet: „Das ist ein wunderschönes Haus. Hier könnte ich mir vorstellen zu leben!“

Dieter lächelt: „Dann bauen wir bald weitere Häuser, und du bekommst eins davon!“

„Aber, zuerst muss ich hier eine Arbeitsstelle finden, bevor ich an so etwas überhaupt denken kann,“ schränkt Paul ein.

„Darüber wollte ich noch mit dir reden,“ meint Dieter.

Paul schaut interessiert, doch Dieter wiegelt erst einmal ab: „Noch ist nichts spruchreif, aber hier entstehen Arbeitsplätze in der Holzwirtschaft. Ich habe ja darüber schon einmal gesprochen. Kommt erst einmal in die Küche. Ihr müsst doch hungrig sein.“

Ich reibe mich an Pauls Bein und schaue ihn mit verkniffenem Gesicht an, denn in meiner Rolle soll ich mich nur über Gestik und Mimik verständlich machen, ganz so wie Taps auch.

„Du musst mal?“ rät Paul.

Ich nicke kurz und senke den Kopf. Also lässt er mich von der Kette und öffnet mir die Badtür. Ich mache ein fragendes Gesicht und strecke ihm die Hand im Pfotenfäustling entgegen.

Paul lächelt und geht in die Hocke. Er zieht mir die Pfotenfäustlinge aus und sagt:

„Jetzt kannst du sicher alleine auf die Toilette.“

Ich nicke und er ruft:

„Taps!“

Unsere Mops-Hündin läuft auf Paul zu und springt an ihm hoch.

„Aus, Taps! Bei Fuss!“

Während ich mich auf die Toilette im Bad zurückziehe, gehen Dieter und Paul mit Taps die Treppe hinunter.

*

Nachdem wir das Haus besichtigt haben, und Dieter mit uns in die Küche gehen will, um ein Mittagessen zu zaubern, muss Lena zur Toilette. Ich lasse sie sich oben im Bad erleichtern.

Auf der Treppe fragt mich Dieter:

„Du hättest mit deiner Cherie in den Garten gehen können oder sie oben auf die Hundetoilette lassen können. Feuchtes Toilettenpapier für ihre Pflege ist auch vorhanden…“

„Cherie ist erst kurz meine Doggie, und noch nicht 24/7. Ich möchte sie allmählich einfühlsam zur Doggie erziehen, wie du mir ans Herz gelegt hast. Das gemeinsame Gassigehen kommt sicher bald,“ erkläre ich ihm.

Er lächelt und nickt.

„Ich finde es gut, wie du das angehst!“

„Es ist wie eine langsame Metamorphose, allein auf mentaler Basis. Genau wie du mir es ans Herz gelegt hast, wenn ich eine Doggie aufnehme,“ antworte ich.

„Ja, die ‘positive Verstärkung‘ zusammen mit der schrittweisen Hinführung! Ich halte nichts von Zwang und Eile,“ bekräftigt Dieter.

Kurz darauf kommt Lena auf allen Vieren die Treppe hinunter. Sie schaut kurz zur Küchentür herein und ist dann wieder verschwunden. Ich runzele die Stirn, gehe zur Tür und schaue rechts und links. Keine Doggie zu sehen. Da sie nicht vor die Tür gegangen sein kann, gehe ich ins Wohnzimmer und muss grinsen. Sie liegt mit dem Rücken zum Kamin auf der Seite, die Essecke im Blick. Taps hat sich vor ihren Bauch gelegt und lässt sich kraulen.

Ich gehe, immer noch grinsend, in die Küche zurück, um Dieter weiter zu helfen. Er schaut auf und fragt:

„Was ist denn so lustig?“

„Cherie und Taps liegen dösend vor dem Kamin und warten anscheinend auf ihr Essen.“

„Ein Herr hat nun einmal so seine Pflichten. Eine davon ist die Verpflegung seiner Pets,“ gibt er mir zur Antwort, nun ebenfalls grinsend. Dabei kneift er kurz ein Auge zu.

Bald sind wir fertig. Dieter hat drei Lachsfilets im Ofen gebacken und immer wieder mit Olivenöl eingepinselt. Zum Schluss bekommen sie eine Petersilienkruste. Dazu gibt es Salzkartoffeln und Mischgemüse mit einer hellen Soße, für die er das Gemüsewasser weiterverwendet hat.

Ich verteile das Essen auf drei Teller und zerteile Lenas Portion mundgerecht, so dass sie ihr Essen mit dem Mund aufnehmen kann. Taps bekommt ihr Futter in einem Napf. Dann bringen wir die Teller zum Esstisch und ich stelle wohlweißlich Lenas Teller gut zwei Meter neben Tapsys Napf. Ein Wassernapf daneben und für Lena stelle ich eine Trinkflasche mit Fruchtsaft neben meinen Teller.

Wir setzen uns und Dieter wünscht guten Appetit.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:14

„Du hättest mit deiner Cherie in den Garten gehen können oder sie oben auf die Hundetoilette lassen können. Feuchtes Toilettenpapier für ihre Pflege ist auch vorhanden…“

„Cherie ist erst kurz meine Doggie, und noch nicht 24/7. Ich möchte sie allmählich einfühlsam zur Doggie erziehen, wie du mir ans Herz gelegt hast. Das gemeinsame Gassigehen kommt sicher bald,“ erkläre ich ihm.

Er lächelt und nickt.

„Ich finde es gut, wie du das angehst!“

„Es ist wie eine langsame Metamorphose, allein auf mentaler Basis. Genau wie du mir es ans Herz gelegt hast, wenn ich eine Doggie aufnehme,“ antworte ich.

„Ja, die ‘positive Verstärkung‘ zusammen mit der schrittweisen Hinführung! Ich halte nichts von Zwang und Eile,“ bekräftigt Dieter.

Kurz darauf kommt Lena auf allen Vieren die Treppe hinunter. Sie schaut kurz zur Küchentür herein und ist dann wieder verschwunden. Ich runzele die Stirn, gehe zur Tür und schaue rechts und links. Keine Doggie zu sehen. Da sie nicht vor die Tür gegangen sein kann, gehe ich ins Wohnzimmer und muss grinsen. Sie liegt mit dem Rücken zum Kamin auf der Seite, die Essecke im Blick. Taps hat sich vor ihren Bauch gelegt und lässt sich kraulen.

Ich gehe, immer noch grinsend, in die Küche zurück, um Dieter weiter zu helfen. Er schaut auf und fragt:

„Was ist denn so lustig?“

„Cherie und Taps liegen dösend vor dem Kamin und warten anscheinend auf ihr Essen.“

„Ein Herr hat nun einmal so seine Pflichten. Eine davon ist die Verpflegung seiner Pets,“ gibt er mir zur Antwort, nun ebenfalls grinsend. Dabei kneift er kurz ein Auge zu.

Bald sind wir fertig. Dieter hat drei Lachsfilets im Ofen gebacken und immer wieder mit Olivenöl eingepinselt. Zum Schluss bekommen sie eine Petersilienkruste. Dazu gibt es Salzkartoffeln und Mischgemüse mit einer hellen Soße, für die er das Gemüsewasser weiterverwendet hat.

Ich verteile das Essen auf drei Teller und zerteile Lenas Portion mundgerecht, so dass sie ihr Essen mit dem Mund aufnehmen kann. Taps bekommt ihr Futter in einem Napf. Dann bringen wir die Teller zum Esstisch und ich stelle wohlweißlich Lenas Teller gut zwei Meter neben Tapsys Napf. Ein Wassernapf daneben und für Lena stelle ich eine Trinkflasche mit Fruchtsaft neben meinen Teller.

Wir setzen uns und Dieter wünscht guten Appetit.

Als wir zum Esstisch gekommen sind, ist Taps sofort aufgesprungen und zu uns gelaufen. Auch Lena hat sich erhoben und schaut mir zu, was ich mache. Zuerst bekommt Taps ihr Futter. Nachdem sie zu Fressen begonnen hat, stelle ich Lena ihren Teller vor die ‚Vorderfüße‘.

Wie schon befürchtet, muss ich bald eingreifen. Taps hat Lenas Fisch in die Nase bekommen und ihren Platz verlassen.

„Taps, aus!“ sage ich mit fester Stimme.

Den Geruch des Thunfisches in der Nase, reagiert sie jedoch nicht wie erwünscht. Ich greife Taps ins Halsband und ziehe sie zurück. Dann bringe ich sie zu ihrem Napf zurück und stoße sie mit der Nase in ihr Futter. Sie frisst nicht weiter. Mit einem kurzen Blick in die Runde finde ich beim Kamin einen Ring. Also nehme ich Cheries Kette aus meiner Hosentasche, befestige sie mit der Schlaufe an dem Ring und nehme Taps auf den Arm. Am Ring befestige ich Tapsys Halsband an der Kette und stelle ihren Futter- und Wassernapf vor sie hin. Erst dann komme ich zum Essen. In Zukunft muss ich Taps wohl immer festmachen, damit Lena in Ruhe essen kann.

Nach dem Essen frage ich Dieter:

„Gibt es hier eigentlich die Möglichkeit, mit den Hunden einen längeren Spaziergang durch die Natur zu machen – und sie vielleicht auch mal von der Leine zu lassen? Oder haben wir stets mit unbedarften Passanten zu rechnen?“

Dieter schüttelt den Kopf.

„Wenn wir über mein Land Richtung Wald gehen begegnen wir wochenlang keinem Menschen. Das ist hier noch unberührte Natur.“

Ich mache große Augen. Das kenne ich so gar nicht. Aber es freut mich sehr.

„Dann könnten wir die Hunde sich auspowern lassen – nachher!“ schlage ich vor.

„Gute Idee,“ sagt Dieter. „Obwohl Taps wohl noch jede Menge Power haben wird, wenn deine Cherie langsam müde wird. Wäre es da nicht einfacher gewesen, nur eine Doggie zu haben – und nicht auch noch einen echten Hund?“

„Wo die Liebe hinfällt,“ sinniere ich. „Ich kann doch Lena nicht vor die Wahl stellen, entweder Taps oder ich… Ich kann mir ausrechnen, wie dann ihre Entscheidung ausfallen wird! Also gehört es auch zu meinen Pflichten, für ihre Hündin zu sorgen. – Und zu meiner Verantwortung, beiden irgendwie gerecht zu werden. – Außerdem: So erlernt Cherie viel schneller die nonverbale Kommunikation der Hunde!“

„Ah, das gehört auch zu deinen Prioritäten…“

„Aber sicher! Entweder, oder…“ gebe ich lächelnd zurück.

Bald läuft die Spülmaschine. Dieter zieht Gummistiefel an und bietet mir ein weiteres Paar, das mir leicht zu groß ist. Draußen gehen wir über einen Sandweg an einer Art Heidelandschaft mit Gras und Kräutern, sowie einzelnen Büschen und Bäumen vorbei auf den Wald zu.

„Hier willst du bald mehr Bäume pflanzen, um sie dann abholzen und die Stämme verkaufen zu können?“

„Ja, erstmal Nadelholz, das wir als Weihnachtsbäume verkaufen. Vereinzelte Obstbäume zur Eigenversorgung und bei genügend Geld später Buchen und andere Hölzer.“

„Ah,“ mache ich und schaue in die Runde.

Ich führe beide Hunde an der Leine. Taps bleibt als erste stehen und kotet am Wegesrand.

*

Nachdem ich mich im Bad erleichtert und anschließend gesäubert habe, schließe ich mein Body mit den Druckknöpfen im Schritt und gehe die angenehm breiten Stufen der Treppe ins Erdgeschoß auf allen Vieren hinunter. Unten höre ich Stimmen in der Küche und schaue kurz nach, was die Männer tun. Als Paul den Kopf wendet, ziehe ich mich schnell zurück und gehe ins Wohnzimmer. Dort am Elektrokamin lasse ich mich nieder. Sofort kommt unsere Tapsy auf mich zu gelaufen und legt sich neben mir ab.

Ich beginne die Mopsdame zu streicheln, worauf sie sich an mich schmiegt. In dieser Stellung findet uns Paul, der ins Wohnzimmer kommt und den Blick suchend schweifen lässt. Er lächelt mich an und ich schenke ihm ein ebensolches glückliches Lächeln. Paul geht nun beruhigt in die Küche zurück, um kurz darauf mit Dieter und gefüllten Tellern zum Esstisch zu gehen und die Teller darauf zu platzieren.

Bevor er sich zum Essen hinsetzt füllt er einen Napf mit Hundefutter und einen zweiten mit Wasser. Er stellt sie links neben sich auf den Boden und ruft Taps zu sich, dann schneidet er das Essen auf einem Teller klein und ruft mich zu sich. Den Teller stellt er rechts von sich in einiger Entfernung zu Taps auf den Boden und streicht mir sanft über den Kopf. Ich drücke meine Schulter an sein Bein und reibe sie kurz an ihm, während ich dankbar zu ihm aufschaue. Dann senke ich den Kopf über den Teller und beginne zu essen.

Paul setzt sich an den Tisch und will nun ebenfalls essen als Tapsy zu mir kommt, um auch von meinem Teller zu essen.

Schon tönt Paul sehr energisch: „Aus! Taps!“

Ein Tier ist aber nun einmal ein sehr emotionales Lebewesen. Den köstlichen Duft des Thunfisches in der Nase, ist das Gehorchen schwer. Also steht Paul auf und platziert sie mittels der Leine entfernt von uns. Dort bietet er ihr wieder ihr Futter und das Wasser an, doch Taps schaut nur traurig zu mir herüber.

Als ich Durst bekomme und zu Paul aufschaue, fragt er mich – als ob er Gedanken lesen könne -:

„Magst du etwas trinken?“

Ich nicke freudig und er greift nach einer Trinkflasche auf dem Tisch und hält mir das Mundstück hin. Ich sauge einen Schluck heraus und esse weiter. Die Männer derweil reden über irgendetwas. Nach dem Essen räumen sie auf und Paul lässt Taps von der Leine, die sofort zu mir kommt und zu lecken beginnt.

Die Männer schlüpfen in Stiefel. Danach kommt Paul zu mir und zieht mir wieder die Pfotenfäustlinge und die Spezialballerinas an. Er leint Tapsy und mich an und wir verlassen das Haus. Es geht über einen Sandweg in Richtung Wald. Rechts und links erstreckt sich eine unbearbeitete verwilderte Landschaft aus Gräsern, Büschen und Bäumen. Wir stoppen einmal kurz, weil Taps sich am Wegesrand erleichtert, dann haben wir schnell den Wald erreicht und die Bäume umschließen uns.

„Wenn die Hunde die Gegend kennen und aufs Wort gehorchen, könnten wir sie hier schon laufen lassen,“ höre ich Dieter zu Paul sagen.

„Aha,“ macht Paul.

„Ich schlage aber vor, dass wir ein Stück gehen. Wir kommen dann zu einer Stelle, wo ein Bachlauf den Sandstein durchbrochen hat. Er mäandert natürlich und so ist auf einer Seite ein Steilufer entstanden, während sich auf der anderen Seite ein kleiner Sandstrand befindet, hinter der eine Wiese eine Waldlichtung bildet. Dort können die Hunde laufen und spielen,“ meint Dieter.

Paul Gesicht zeigt eine neugierige Miene. Taps hat schon eine ganze Weile an der Leine gezogen. Das mache ich jetzt auch. Ich will diese Lichtung erkunden…

Sofort ruft Paul: „BEI FUSS!“

Während ich stehenbleibe und Paul aufholen lasse, muss er Tapsy mit der Leine zurückziehen. Dazu bleibt er auch stehen. Also gehe ich langsam mit gesenktem Kopf auf Paul zu und setze mich neben ihm auf meine Fersen.

„Du brauchst einen Wanderstock als Armverlängerung,“ sagt Dieter zu Paul. „Und dann musst du das ‘Bei Fuss‘-Gehen solange üben bis keine Leine mehr notwendig ist – zumindest in bekanntem Gelände. In unbekanntem Gelände lauern so viele fremden Düfte, dass die tierischen Instinkte anfangs alle erlernten Kommandos vergessen machen werden.“

„Oookay,“ meint Paul.

Der Weg steigt ein wenig an, dann zweigt ein Pfad nach links ab. Hier gibt’s nur nackten Waldboden. Der Pfad führt nach einigen Metern steil abwärts, aber die Wurzeln der Waldbäume wirken wie Treppenstufen. So komme ich ganz gut voran.

Schließlich versperrt uns mannhohes Schilf die Sicht.

„Hier sind wir richtig,“ meint Dieter. „Mensch, ist das Schilf gewachsen…“

Er macht einen Schritt in das Schilf hinein und tritt die Halme nieder. Paul bückt sich und nimmt Taps in den Arm, um dann ebenfalls mit den Füssen das Schilf nieder zu treten – etwas neben der Bresche, die Dieter getreten hat, und verbreitert mir so den Weg.

Nach zwei Metern lichtet sich das Schilf und gibt einen Blick auf eine grandiose Landschaft frei. Direkt unter und vor dem Schilf gluckert ein seichter Bach, gerade knöcheltief. Nach weiteren zwei Metern, auf der anderen Seite des Baches liegt ein schmaler Sandstrand von allenfalls einem Meter Breite. Im Hintergrund und rechts von uns liegen bewaldete Höhen über denen sich eine Sandsteinwand erstreckt. Bäume, oben am Ende der Wand, sehen aus wie Modellfiguren. Auch Paul lässt seinen Blick staunend streifen.

„Dies hier nennt man die Kyllschleife,“ sagt Dieter. „Der Hang dort rechts ist 180 Meter hoch.“

„Oh,“ entfährt es Paul.

Er überquert nun als Zweiter den Bach, nachdem er mich von der Leine gelöst hat, und lässt Tapsy drüben von seinem Arm herunter. Zurückblickend fordert er mich mit sanfter Stimme auf:

„Komm, Cherie. Der Bach ist nicht tief, aber achte auf deine Schritte! Die Steine sind zwar rund, aber der Boden ist natürlich nicht eben.“

Ich mache vorsichtig ein paar Schritte und bin bald auf der anderen Seite. Dieter geht nach rechts weiter. Nachdem das Schilfdickicht auf der anderen Bachseite zu Ende ist, erhebt sich drüben eine Sandsteinwand bis zu einer Höhe von vielleicht fünf Metern in der Biegung des Baches. Dort hat sich der Sandstrand diesseits auch auf über zwanzig Meter verbreitert.

Bisher bin ich folgsam neben Paul her getrottet. Jetzt bückt sich Paul, löst auch Tapsy von der Leine und sagt, zu mir gewandt:

„Cherie, AUF! FREI!“

Aus dem Kommandotraining weiß ich, dass ich nun auf meine ‘Hinterbeine‘ steigen und mich frei bewegen darf bis ein neues Kommando erfolgt. Erfreut stehe ich auf und recke mich. Dann laufe ich den Strand hinunter zur Uferlinie. Tapsy folgt mir, ein paar Mal kurz freudig bellend. Ich versuche aus dem Lauf einen Handstand, um einen Überschlag zu produzieren, was mir aber misslingt. Lachend auf der Seite landend, erreicht mich Tapsy und springt an mir hoch. Währenddessen rappele ich mich auf.

‚Das ist ganz sicher die wahre Freiheit,‘ geht mir gedanklich durch den Kopf. ‚Von einem geliebten Mann sicher geführt, geschützt und gepflegt zu werden. Weit weg vom Alltag, vom täglichen Kampf ums Überleben. Paul kann ich vollkommen vertrauen.‘

Ich beuge mich zu Taps hinunter und spiele eine Weile mit ihr. Einem momentanen Impuls folgend – Paul hat mir einmal gesagt, ich solle in der jeweiligen Gegenwart leben. Die traurige Vergangenheit ist vorbei, um eine gute Zukunft kümmert er sich schon – laufe ich vor Taps davon. Dann drehe ich mich zu ihr um und locke sie mittels Gestik: Ich gehe auf alle Viere und beuge meine Ellbogen bis mein Kinn fast den Boden berührt. Das bedeutet für Hunde: Komm, spiel mit mir. Taps kommt auf mich zu gelaufen und ich nehme einen kleinen Zweig aus dem Gras, den der Wind wohl dorthin geblasen hat.

Taps schnappt danach, aber ich gebe ihn nicht sogleich ab. Ich bleibe in der eingenommenen Stellung und lasse Taps einige Sekunden an dem Zweig ziehen. Auch sie zeigt die Spielaufforderungs-Geste, obwohl sie nun zu knurren beginnt. Ich lasse los und Taps entfernt sich mit dem Zweig einen halben Meter. Schnell hab ich den Zweig wieder gegriffen und wir zerren beide daran.

Das Spiel dauert eine Weile, bis Tapsy damit wegrennt. Nun wate ich durch das kühle Wasser des Baches und schaue von drüben zurück, was Paul wohl gerade macht. Ich sehe, dass er mich beobachtet. Ich lächele ihm zu und winke kurz mit einer Vorderpfote. Danach versuche ich den steilen, aber nicht sehr hohen Sandsteinhang hinauf zu klettern. Nach etwa einem Meter verliere ich den Halt und komme ins Rutschen bis meine ‘Hinterpfoten‘ wieder vom Wasser des Baches umflossen werden.

Das Geräusch vom Plätschern des Baches ist stärker geworden. Aufschauend erkenne ich Pauls besorgtes Gesicht über mir.

„Alles in Ordnung, Cherie?“ fragt er und nimmt meine Pfoten und Arme ‚unter die Lupe‘.

„Tut dir etwas weh?“ will er noch wissen, aber ich schüttele lächelnd den Kopf und drücke mich an ihn. Das ist es also, was er unter Fürsorge versteht. Er lässt mir gewisse Freiheiten, ohne mich aus den Augen zu verlieren, und ist zur Stelle, wenn es gefährlich zu werden scheint. Oh, ich liebe ihn dafür!

Taps schüttelt Wasser aus ihrem Fell. Auch sie hat den Bach überquert. Aber Paul sagt kurz: „BEI FUSS!“ und überquert den Bach wieder.

Er will wohl, dass wir auf der Sand- und Grasfläche am anderen Bachufer bleiben. Gehorsam überquere ich den Bach und meine Tapsy folgt mir. Drüben angekommen streicht mir Paul sanft über die Flanke (Seite meines Rumpfes) und sagt wieder: „FREI!“

Also beginne ich wieder mein Spiel mit Tapsy. Einen Moment schaut Paul weg. Er unterhält sich mit Dieter und vertraut wohl darauf, dass auf der Wiese nichts passieren kann. Ich laufe bis ich hinter Pauls Rücken bin, gehe auf alle Viere und ramme ihm meine Schulter in die Kniekehle.

Paul knickt ein und liegt kurz darauf auf dem Rücken im Gras neben mir. Ganz Hundeartig beginne ich ihn im Gesicht zu lecken. Nach der nassen Nasenspitze beschäftige ich mich aber mit der Hand, die er abwehrend gehoben hat. Nach dem ersten überraschten und verärgerten Gesichtsausdruck beginnt er nun zu lächeln, denn längst lacht Dieter über die Szene, die sich ihm da bietet.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:16

„Wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen,“ schlägt Dieter jetzt vor.

Paul schaut auf die Uhr und nickt. Er rappelt sich auf und sagt: „ZU MIR!“

Ich nähere mich ihm mit gesenktem Kopf – sicher ist sicher…

Er sagt: „SITZ!“ und ich setze mich sofort auf meine Fersen.

Paul greift nun in seine Gürteltasche und steckt mir ein Stückchen Schokolade in den Mund. Taps sieht das wohl und ist inzwischen auch heran gekommen. Er gibt ihr ein Hunde-Leckerlie und nimmt sie wieder an die Leine. Mit einem „BEI FUSS!“ in meine Richtung geht es wieder zu der Stelle, wo wir anfangs den Bach überquert haben. Wir gehen durch die Bresche im Schilf, über den Pfad, zum Waldweg zurück. Hier nimmt mich Paul ebenfalls an die Leine.

*

Zurück in Dieters Haus zieht Cherie an der Kette und setzt sich vor die Tür der Gästetoilette im Foyer. Ich beuge mich, verstehend lächelnd, zu ihr und mache sie vom Halsreif los. Dann öffne ich ihr die Tür und lasse sie hinein schlüpfen. Sie schaut dankbar zu mir auf und dreht sich in der engen Zelle. Die Tür drücke ich hinter ihr zu.

Dieter ist schon in die Küche gegangen. Nun lasse ich auch Taps von der Leine und hänge meine Jeansjacke an die Garderobe. Dieter ruft:

„Paul?“

„Ja?“

„Was würdest du Cherie als Nachtmahl bereiten wollen? Etwas leichtes, denke ich.“

„Was hast du denn für uns vorgesehen?“ frage ich zurück.

„Ein Kichererbsenmus mit Brot. Auf dem Mus sind verschiedene Früchte wie Datteln und so…“

„Oh, etwas Orientalisches! Interessant.“

Ich überlege.

„Mach‘ für sie doch einen Fruchtsalat zurecht,“ meine ich dann.

„Okay, kein Problem,“ antwortet er.

Inzwischen habe ich die Küche betreten und schaue ihm zu.

„Sag‘ mal,“ beginnt er dann. „Als Cherie dich auf der Wiese umgeworfen hat, hast du gelacht.“

„Ja?“

„Warst du ihr wirklich nicht böse?“

„Ich war im ersten Moment überrascht, sonst hätte sie mich nicht umwerfen können. Ich empfand diese Aktion als Spiel, als emotionaler Übermut aus Freude am Leben…“

„Daraus kann aber eine Umkehrung der Hierarchie entstehen! Dass sie testet, wie weit sie bei dir gehen kann, und das später zu ihren Gunsten ausnutzt. In der Hundeerziehung achtet man darauf, dass der Mensch stets die Position des Alphatieres des ‘Rudels‘ einnimmt. Da darf man keine Schwäche zeigen! Wenn du dir eine Doggie erziehst sollte es ähnlich verlaufen.“

„Ich sag‘ mal so: Bei Hunden verstehe ich das. Bei human Doggies gehe ich nach dem Prinzip ‘Ernst ist Ernst und Spaß ist Spaß‘! Alles zu seiner Zeit. Ungehorsam bei Kommandos dulde ich nicht. Aber nach dem Kommando FREI darf sie gerne mit mir spielen und dabei kurz die Situation bestimmen.“

„Und wie ahndest du eventuellen Ungehorsam bei Kommandos?“

„Erst einmal müssen sie wissen, wie ich mir die Ausführung eines Kommandos vorstelle. Dann schaue ich mir die Ausführung an, wenn ich ein Kommando gebe, und lobe oder korrigiere.“

„So ist es richtig. Was aber, wenn du ständig korrigieren musst?“

„Ich sehe ja, ob der Grund Unvermögen oder Unwillen, bzw. Übermut ist. Im ersten Fall passe ich die Ausführung des Kommandos an ihre Möglichkeiten an. Im zweiten Fall erkennt sie an meiner Mimik und am Tadel, dass ich nicht einverstanden bin. Hilft das nicht, ignoriere ich sie, wenn sie mal für Zärtlichkeiten und Kuscheln zu mir kommt.
Einen Roboter, die exakt und nur nach Kommando funktioniert, will ich nicht. Ich will ein Geschöpf, das Freude am Ausleben ihrer Gefühle hat. Ich weiß, dass das ein schmaler Grat ist, auf dem ich mich bewege und dass ich ständig die Balance halten muss. Dafür wird mir Cherie aber niemals langweilig!“

„Deine Maxime finde ich lobenswert!“ sagt Dieter.

Ein Geräusch an der Küchentür lässt mich umschauen. Ich sehe noch das Hinterteil Lenas, die sich in Richtung Wohnzimmer bewegt. Sie muss also zumindest meine letzte Aussage mitgehört haben. Schulterzuckend nehme ich das hin. Ich mag sie, nein, das ist zu schwach. Ich liebe meine Cherie. Darum habe ich ihr den Kosenamen gegeben, und ihn später als Namen für meine Doggie weiter verwendet.

Als Dieter soweit fertig ist, bringe ich Taps ihr Essen und beginne dann den Esstisch zu decken. Als Taps fertig ist, bin ich auch soweit Cherie ihren Teller vorzusetzen. Taps kommt zwar neugierig heran, aber lässt Cherie diesmal beim Essen in Ruhe. Anscheinend ist Fruchtsalat nicht ihr Favourit. Ich lächele in mich hinein.

Wir sind fast fertig, als Lenas Handy vibriert. Ich nehme das Gespräch an.

„Tiefenbach.“

„Biggi hier. Ist Lena in der Nähe?“

„Ja. Warte, ich gebe sie dir. – Cherie, setz dich, Biggi möchte dich sprechen.“

Cherie setzt sich seitlich auf, abgestützt vom rechten Arm, mit angewinkelten Knien und nimmt ihr Handy ans Ohr.

„Hi, Biggi. Ich bin’s. Wie geht es dir?“ fragt Lena.

Sie reden eine Weile miteinander, dann sagt Lena, dass wir gerade beim Essen ist. Sie verabreden sich dann für ein Gespräch in den nächsten Tagen.

„Was ist los?“ frage ich, nachdem Lena die Verbindung getrennt hat.

„Biggi hat Streit mit ihrem Herrn. Sie hat die Session von diesem Wochenende vorhin abgebrochen und wollte sich nun ihren Frust von der Seele reden…“

„Das wäre aber wichtiger als der Fruchtsalat gewesen,“ meine ich.

„Ja, aber ich war gerade nicht in der Stimmung. Ich wollte mir meine eigene ‘Session‘ nicht verderben lassen.“

„Das verstehe ich. Sie hätte dich vollkommen aus dem Dogspace geholt.“

Lena nickt. Ich frage dann noch:

„Wie seid ihr verblieben?“

„Wir wollen uns in den nächsten Tagen mal in einem Café treffen. Dort kann sie sich aussprechen und ich habe ein offenes Ohr für das, was sie bewegt.“

„Einen genauen Termin hast du noch nicht?“

„Nein, sie will die Zugverbindung heraussuchen und sich dann mit mir konkreter absprechen.“

„Okay,“ antworte ich ihr. „Dann iss weiter.“

Cherie lässt sich wieder auf alle Viere vor ihrem Teller nieder und senkt ihren Kopf über den restlichen Früchten. Man kann sehen, dass sie in Gedanken weit weg ist. Darum spreche ich sie nicht mehr an.

Schließlich ist sie fertig und schaut mit nachdenklichem Gesicht zu mir auf. Ich nehme eine Serviette und reinige ihr Mund und Wangen, was sie mit einem Lächeln quittiert. Spontan hebt sie die Arme, schlingt sie um meinen Hals und drückt mir ihre linke Wange an meine Brust. Dabei winkelt sie die Beine an, um besser aufrecht auf dem Boden sitzen zu können. Ich lasse sie gewähren und umfasse sie an den Achseln; drücke Lena an mich.

Nach einer halben Minute löst sie sich ein wenig von mir und schaut zweifelnd zu mir hoch. Ich schüttele verhalten den Kopf und lächele sie an.

„Du bist aus deiner Rolle gefallen, und findest nun nicht mehr hinein,“ konstatiere ich mit weicher Stimme. „Nicht schlimm! Schuld daran bin ja wohl ich. Ich hätte dir das Handy nicht geben, stattdessen das Gespräch selbst abwickeln sollen.
Komm, steh‘ auf, Liebes, und setz dich auf den freien Stuhl neben mir!“

Sie steht langsam auf. Ich halte sie dabei ein wenig fest. Dann setzt sie sich auf den Stuhl und schaut mir in die Augen.

„Du bist jetzt nicht enttäuscht?“ fragt sie leise.

„Nein, Liebes! Du reagierst, wie es dir deine Gefühle vorgeben, und im Moment hat dich der Alltag wieder. Biggi beschäftigt dich.“

„Ja, sorry. Sie hat ein Beziehungsproblem und suchte jemand, bei dem sie sich einmal aussprechen kann…“

„Ist schon okay, Maus. Wir bleiben noch über Nacht, und fahren morgen früh gleich nach dem Frühstück zurück. Dann hörst du dir Biggis Sorgen im Laufe der Woche an. Vielleicht ergibt sich ja irgendeine Lösung im Gespräch. Sonst bittest du halt mich, dass ich mich einschalte – wenn sie das möchte.“

Ich zucke mit den Schultern.

*

Heute ist Freitagabend. Ich stehe auf dem Bahnsteig, an dem Biggis Zug in wenigen Minuten ankommen soll. Dann wollen wir uns ins Bahnhofs-Café setzen und reden.

Als Biggis Zug eintrifft wird es hektisch auf dem Bahnsteig. Da sehe ich sie inmitten der ankommenden Reisenden, die der Treppe zustreben. Ich gehe auf die Zehenspitzen und winke, denn rufen würde bei dem Lärm nichts nützen. Biggi erkennt mich und kommt auf mich zu. Wir begrüßen uns kurz mit einer Umarmung.

„Hey, da bist du ja! Wie war die Reise?“

„Och, es ging…“

Wir gehen nun auch zu den Treppen und durch den Tunnel unter den Gleisen auf die Bahnhofsvorhalle zu. Dort steuere ich das Café an und Biggi folgt mir. Wir setzen uns und ich bestelle zwei Espresso. Das weckt die Lebensgeister.

Nach einiger Zeit, in der Biggi gedankenverloren an ihrem Espresso nippt, beginne ich:

„Du hattest Streit mit deinem ‘Hundeführer‘…“

„Ja, der Kerl wollte Sex! Wir spielen schon ein halbes Jahr miteinander. Zusammen sind wir nicht. Nur das Petplay verbindet uns. Es war von Anfang an vereinbart, dass die Sessions nicht weitergehend sein sollten…“

„Du magst ihn menschlich nicht…“

„Nein, wir haben uns bei einem Stammtisch kennen gelernt. Er schien viel Erfahrung zu haben und so hab ich mich auf ihn eingelassen. Du musst wissen, dass ich schon seit zwölf Jahren im BDSM aktiv bin. Ich habe einmal etwas über Petplay gehört und wollte mich darüber informieren. Eine Bekannte schleppte mich zu diesem Stammtisch und er faszinierte mich – fachlich, nicht menschlich! Irgendwie war da etwas an seiner Art, die keinen Funken überspringen ließ.
Aber durch ihn habe ich eine Menge gelernt!“

Ich höre aufmerksam zu. Biggi macht eine Atempause, nachdem die Worte so aus ihr hervor gesprudelt sind, als wäre ein Damm gebrochen.

„Ah,“ mache ich in die entstandene Pause hinein. „Du, ich weiß nicht viel über BDSM. Dreht sich da nicht vieles über Gehorchen, Lob – und Ungehorsam, Strafe?“

„Jaaa, aber eine vereinbarte Tabu-Liste sollte eingehalten werden. Ich weiß, einige Doms sehen die Tabu-Liste als Grenze an, über die die Sub per Training, wie du es beschreibst, hinweg kommen soll. Grenzen erweitern, nennt man das. Aber für mich ist das eine feststehende Grenze!“

„Okay…“ kommentiere ich sie

„Weißt du,“ erklärt sie mir jetzt. „Mein Vater hat mich in meiner Jugend einmal in sein Bett geholt, als meine Mutter im Krankenhaus lag. Seitdem bin ich da sehr empfindlich! Sex gibt es nur, wenn Gefühle füreinander vorhanden sind!“

Ich mache große Augen und versuche meine Hand auf ihre Schultern zu legen.

„Das sehe ich genauso! Hast du denn deiner Mutter davon erzählen können?“

„Ja, es gab einen großen Streit deswegen, als meine Mutter wieder zuhause war. Sie haben sich dann getrennt. Mein Vater hat nur noch Geld geschickt, solange er das musste. Nach meinem 27ten Lebensjahr kam dann nichts mehr.“

„Hast du keine Ausbildung gemacht?“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:18

Biggie lächelt gequält.

„Wozu? Ich hatte doch jeden Monat mein Geld… Ja, heute bereue ich, dass ich so faul war. Aber schau mich doch an! Die Männer fliegen auf mich! Und wenn ich tue, was sie sagen, bekomme ich genug Geld zum Leben. So bin ich durch einen früheren Freund vor Jahren in die Szene gerutscht. Es gab auch Exzesse, aber heute bin ich clean!“

Ich ziehe die Stirn kraus.

„Weißt du, ich hatte auch keine schöne Vergangenheit bevor ich Paul traf. Aber ich habe zumindest gejobbt für meinen Lebensunterhalt. Paul kümmert sich rührend um mich. Ich liebe ihn dafür!“

„Nuuun, wenn man das so sieht, hab ich ja auch gejobbt, die letzten zehn Jahre…“

Ich muss grinsen.

„Okay, und wie stellst du dir deine Zukunft jetzt vor?“

„Keine Ahnung. Vielleicht finde ich ja einen Anderen. Kerle gibt’s wie Sand am Meer!“

„Das ist wohl wahr,“ entgegne ich. „Aber der Richtige… Das ist wie Lotterie spielen… Was hast du denn heute noch vor?“

„Ich werde mir ein Zimmer suchen und morgen zurückfahren. Vielleicht bist du ja am Bahnsteig, um mich zu verabschieden?“

„Du, das geht gar nicht! Wir setzen uns jetzt in den Bus und fahren zu uns nachhause! Du kannst bei uns übernachten, Biggi.“

Als sie abwehrend die Hand hebt, ergänze ich:

„Keine Diskussion! Das ist beschlossene Sache!“

Sie lächelt und sagt: „Danke.“

Wir bezahlen nun und gehen zu den Bussteigen auf dem Bahnhofsvorplatz. Eine Viertelstunde später geht der Bus in unsere Richtung. Unterwegs frage ich sie:

„Was gefällt dir eigentlich am BDSM?“

„Ich kann mich ganz in meiner Rolle fallen lassen. Es ist ja nur für ein paar Stunden oder ein paar Tage. Die Kerle benutzen mich und zahlen dann dafür.“

„Hmm,“ brumme ich. „Dafür gibt es doch professionelle… Du fühlst nichts dabei? Doch, einmal hatte ich einen… Aber der war verheiratet…“

„Und was gefällt dir am Petplay?“

„Das ist ähnlich: Ich bin da eine Zeitlang in einer Rolle, weit weg vom Alltagsstress. Aber es ist doch etwas anderes: Petplay berührt mich mehr auf der emotionalen Ebene, nicht so sehr auf der Körperlichen…“

„Ich muss dir etwas erzählen,“ platze ich nach einigen Minuten Schweigen heraus. „Paul ist durch einen älteren Bekannten zum Petplay gekommen. Er hat viel von diesem - Dieter, heißt der Mann – übernommen und es dann weiter entwickelt. Aber im Grunde wollen beide das Gleiche. – Und dieser Dieter hat im Augenblick keine Doggie.“

„Du willst mich verkuppeln!“ grinst Biggi.

Wir sind inzwischen an der richtigen Bushaltestelle angekommen und verlassen den Bus. Auf dem kurzen Weg zu dem Mehrfamilienhaus, in dem wir wohnen, sage ich:

„Unsinn! Schau dir das Konzept der Beiden doch einmal an. Vielleicht ist es ja etwas für dich.“

„Joah, das kann ich gerne mal machen.“

„So, hier wohnen wir,“ sage ich und schließe die Haustür auf.

*

Eine gewisse innere Unruhe begleitet mich die ganze Zugfahrt. Was erwartet mich wohl an meinem Zielort? Was hat mich bloß bewogen letzten Samstag Lena anzurufen, nachdem ich den Kerl aus meiner Wohnung geworfen habe? Es ist wohl das, dass ich gegenüber einer Frau jetzt mehr Vertrauen aufbringe. Ich brauche jetzt einfach jemand, bei dem ich meine Seele erleichtern kann.

Auf dem Bahnsteig schaue ich mich erst einmal verloren um, während ich langsam den Treppen zustrebe. Da sehe ich plötzlich Lena, die mich wohl zuerst entdeckt hat. Sie winkt mir zu. Ich bahne mir meinen Weg zwischen den Reisenden auf Lena zu und begrüße sie herzlich. Dann gehen wir in die Bahnhofsvorhalle und dort setzen wir uns in ein Café.

Nachdem ich mir Luft gemacht habe und erfreut darüber bin, dass Lena so geduldig zuhören kann, bin ich mir sicher, dass mein Entschluss hierher zu kommen richtig gewesen ist. Obwohl Lena gut zehn Jahre jünger ist als ich, ist sie mir eine Seelenverwandte.

Sie schlägt mir schließlich vor bei ihnen zu übernachten, statt in einem Hotelzimmer im Umfeld des Bahnhofes. Ich willige ein und eine halbe Stunde später erlebe ich auch eine freundschaftlich respektvolle Begrüßung durch ihren Herrn Paul. Das tut meiner Seele gut und ich fühle mich hier gleich wohl.

„Ich habe gehört, dass ihr im Bahnhof Kaffee getrunken und euch schon einmal ausgesprochen habt,“ beginnt Paul eine leichte Konversation, während er mich ins Wohnzimmer bittet. „Wir wollen gleich zu Abend essen. Magst du einen Kurzen vorweg?“

„Gern,“ antworte ich lächelnd.

Lena und ich setzen uns in die Sitzgruppe, während Paul an das Buffet geht. Wenig später kommt auch er an den Couchtisch. Mit der rechten Hand trägt er ein kleines Tablett mit drei kleinen Gläschen, die er vor uns stellt und sich dann hinzu setzt.

„Wie lange hast du vor in der Stadt zu bleiben?“ fragt er, nachdem er uns zugeprostet und wir alle an den Gläschen genippt haben.

„Eigentlich wollte ich morgen schon wieder zurückfahren…“ antworte ich vorsichtig.

„Du könntest gerne ein paar Tage hierbleiben,“ meint er. „Die Couch gibt ein bequemes Gästebett ab. – Damit du ein wenig Abstand gewinnst und mental ruhiger wirst…“

„Vielen Dank,“ wehre ich seinen Vorschlag ab. „Auf meinem Ticket ist die Rückfahrt für morgen Vormittag vorgesehen.“

„Okay, du sollst kein Geld verlieren… Und dich auch mental auf ein paar Tage bei uns einstellen können vorher. Gerne machen wir ein späteres Treffen – vielleicht für ein ganzes Wochenende aus -, wenn du magst.“

„Hmm, wie würde solch ein Wochenende zusammen mit euch denn aussehen?“ frage ich vorsichtig.

Paul lächelt mich gewinnend an.

„Das kommt weitgehend auf dich an. Ich weiß nicht, was du bisher mit Doms erlebt hast, und was dir davon gefallen hat in deinem Sinne geschah oder eher nicht.
Du kannst auch genauso gut wie ein außenstehender Beobachter aus der Szene unseren Umgang miteinander als Herr und Doggie erleben, ohne selbst involviert zu sein. Dann kannst du dir einfacher ein Bild machen, eine Meinung bilden.“

„Das Zweite würde mich interessieren,“ sage ich.

„Dann wäre das klar. Das Wochenende dafür suchst du dir aus und gibst uns Bescheid.“

„Nicht das kommende Wochenende, das Folgende könnte ich gerne kommen,“ entscheide ich.

„Gut, dann kümmere ich mich eben mal um das Abendessen,“ meint Paul und erhebt sich.

Das wiederum erstaunt mich sehr. Mein Herr hat sich von mir nach Strich und Faden bedienen lassen… Lena sieht mir mein Erstaunen an und lächelt über das ganze Gesicht.

„Paul kann gut kochen!“ bestätigt sie.

„Aber…“ beginne ich.

„Einiges konnte er schon,“ ergänzt sie. „Nur das Würzen… Er sagte einmal, er hätte Angst zuviel Gewürz dran zu tun. Deshalb hätte er es früher lieber gelassen. Ich habe es ihm dann beigebracht.“

„Aber ist er denn nicht dein Herr?“ vervollständige ich meinen Satz.

„Natürlich ist er das!“ antwortet Lena im Brustton der Überzeugung. „Das heißt aber nicht, dass ich ihm die Fingernägel reinigen muss!“

Jetzt muss ich grinsen, und beschwichtige:

„Nein, so krass meinte ich das jetzt nicht! Aber wenn er dir keine Anweisungen gibt, sondern alles lieber selbst erledigt, während du dich hier herum lümmelst…“

„Verkehrte Welt, meinst du? Dann sei gespannt auf das nächste Wochenende, wenn du die Doggie Cherie und ihren Herrn Paul in Aktion erlebst!
Eine Doggie ist hingebungsvoll, treu und gehorsam. Dafür kümmert sich ihr Herr um alles, sorgt sich um ihr Wohl und ihre Pflege!“

Ich mache große Augen. Das habe ich so bisher nicht kennengelernt.

„Habt ihr eine stinknormale Beziehung miteinander, oder doch eine DS-Beziehung mit TPE?“

„Wir haben letzteres, eine Dom-sub-Beziehung mit totalem Machtgefälle als Herr und menschliche Hündin!“ bekräftigt Lena. „Aber – denke dir mal ein Zusammenleben von Mensch und Hund: Da bekommt der Hund auch jede erdenkliche Pflege und Gesundheitsversorgung. Da bekommt der Hund auch seine Verpflegung von seinem Menschen. Er verschafft seinem Hund Bewegung… Kurz, der Mensch übernimmt Verantwortung für seinen Hund – und trotzdem tut der Hund nicht was er will, sondern gehorcht seinem Menschen, weil er ihn für seinen Anführer hält, sein ‘Alphatier‘ wie Paul manchmal sagt.“

„Hm, das geht aber nur, wenn Gefühle füreinander Mensch und Hund verbinden!“

„Natürlich! Tiere sind hochemotionale Lebewesen, sind keine Roboter. Tiere folgen keinen logischen Gedankenketten, sondern ihren Gefühlen, gepaart mit ihrer Lebenserfahrung.“

„Ich hatte noch nie das Glück, eine gefühlsmäßige Bindung zu einem Dom aufbauen zu können…“ flüstere ich nachdenklich.

Lena streckt ihre Hand aus, legt sie auf meine und schaut mich an.

„Das kommt noch! Auch du findest einmal den Richtigen!“

Ich lege den Kopf kurz schräg und runzele die Stirn.

„Wenn du meinst…“

„Aber ja, Biggi! Wie müsste denn der ‘Richtige‘ für dich sein, wenn du Paul mit den Doms bisher vergleichst?“

„Ich will dir deinen Paul nicht nehmen!“ sage ich schnell. „Und zwei Doggies bei einem Herrn… Ob so etwas auf die Dauer gut geht?“

Lena lacht hell auf.

„Paul ist nicht allein auf der Welt! Aktuell kenne ich mindestens noch einen mit den gleichen Ansichten wie Paul!“

Ich will näheres erfragen, aber da kommt Paul schon mit dem Essen.

*

Eine Woche ist seitdem vergangen. Ich habe oft mit Lena über Whats app getextet. Heute stehe ich wieder auf dem Bahnhof der Stadt, indem die Beiden wohnen. Ah, ich sehe… Dahinten kommt Paul.

„Hallo, Biggi,“ begrüßt er mich. „Hattest du eine gute Reise?“

Wir geben uns die Hand, dann führt er mich zum Auto und legt meinen Koffer hinten in den Wagen. Daneben ist ein großer Transportkäfig am Wagenboden befestigt.

„Eigenbau?“ frage ich ihn lächelnd.

„Meine Cherie hätte auch in einen hinein gepasst,“ antwortet Paul einfach. „Aber ich wollte, dass sie sich bequem ausstrecken kann. Also habe ich zwei miteinander verbunden.“

„Alles für das Wohl deiner Doggie…“ kommentiere ich, während ich zur Beifahrertür gehe.

„Das ist Voraussetzung,“ meint er, als wir Platz genommen haben und er den Wagen startet. „Sie gehorcht mir lieber, wenn ich mich um ihr Wohl kümmere; wenn ich gewillt bin, Verantwortung für sie zu tragen.“

„Das könnte ich nicht – also, Selbstverantwortung abgeben und alles geschehen lassen…“

„Du hattest sicher noch keinen Herrn, dem du vollkommen vertrauen konntest.“

„Nein, da hast du Recht. Alle Kerle sahen in mir stets ein Spielzeug zur Befriedigung ihrer Lust – bis ich ihnen langweilig wurde…“

„Dann wird dir dieses Wochenende bestimmt aufschlussreich vorkommen,“ meint er.
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:20

Dann hängen wir beide unseren Gedanken nach, bis Paul den Wagen parkt. Er steigt aus und händigt mir meinen Koffer aus. Dann begleite ich ihn zu ihrer Wohnung.

Paul schließt die Wohnungstür auf und lässt mich ein. Dann kommt auch er herein und schließt die Tür hinter sich. Sobald die Wohnungstür geschlossen ist, kommt uns Lena auf allen Vieren entgegen. Bis auf einen silbern glänzenden Halsreif ist sie vollkommen nackt.

Sie steigt auf ihre ‘Hinterpfoten‘ und begrüßt Paul überschwenglich, was er lächelnd geschehen lässt. Auch er streichelt seine Doggie zärtlich. Nach einiger Zeit lässt Lena von ihm ab und streicht an mir vorbei in Richtung Küche. Spontan streiche ich dabei mit meiner Hand an ihrer Flanke entlang.

Paul lächelt mich an und sagt:

„Lass deinen Koffer erst einmal hier stehen und komm mit ins Wohnzimmer.“

Ich folge ihm also und setze mich in einen Sessel. Nun kommt auch Lena hinzu.

„Cherie, hast du Durst?“ fragt Paul.

Lena wirft den Kopf ein wenig hoch und drängt sich an Paul, der jetzt eine Trinkflasche mit Mundstück, wie man sie vom Radsport kennt, vom Couchtisch nimmt und ihr vor den Mund hält. Lena trinkt in mehreren Schlucken bis Paul die Flasche absetzt.

In der Zwischenzeit ist ein Mops auf meinen Schoß gesprungen und leckt meinen Handrücken ab. Paul lächelt.

„Taps ist wohl eifersüchtig,“ meint er.

„Ach was…“ sage ich dazu.

Paul steht auf und geht in die Küche. Kurz darauf höre ich es rascheln. Dann kommt Paul mit einem Napf, schüttelt ihn ein wenig und stellt ihn auf den Boden.

„Komm, Tapsy,“ lockt er die Mops-Dame, die dann auch von meinem Schoß springt und sich über ihre Mahlzeit her macht.

„Wir müssen Taps immer zuerst zu fressen geben, damit sie später Cherie in Ruhe lässt,“ erklärt Paul die Situation.

Dann beginnt er wieder in der Küche zu werkeln. Neugierig geworden, stehe ich auf und gehe zu ihm. Sofort werde ich von ihm zu Hilfsarbeiten, wie Gemüse putzen verdonnert, aber ich mache das gern. Bald darauf ist alles fertig in Schüsseln gefüllt. Paul nimmt Geschirr und Besteck aus den Schränken und deckt damit den Esstisch. Ich bringe derweil die Schüsseln und stelle sie in die Mitte.

Zuerst füllt Paul einen Teller mit Essen und zerteilt es in kleine Brocken. Danach setzt er sich an den Tisch und bückt sich zu Boden mit dem gefüllten Teller in der Hand.

„BEI FUSS, Cherie,“ sagt er mit weicher Stimme und liebevollem Gesichtsausdruck.

Lena nähert sich und beginnt zu essen. Paul übersieht meinen erstaunten Gesichtsausdruck und meint:

„Nimm dir was du magst, Biggi. Guten Appetit!“

Ich reiße mich zusammen und bediene mich an den Schüsseln. Es schmeckt vorzüglich, was Paul da gezaubert hat. Nach einer Weile beugt sich Paul wieder zu Lena hinunter und nimmt den Teller hoch. Dann säubert er Lenas Mundpartie mit einer Serviette und hält ihr die Trinkflasche hin, aus der Lena einen großen Schluck nimmt.

Nach dem Essen helfe ich Paul Besteck und Geschirr in die Küche zu bringen und die Spülmaschine zu beladen. Dann bietet er mir an, dass wir uns im Wohnzimmer zusammensetzen und über alles reden, was mir auf der Seele liegt. Das Angebot nutze ich ausgiebig, um ihn auf das Andersartige seines Umgangs mit Lena aufmerksam zu machen. Ich bin bisher einen völlig anderen Umgang meiner Doms mit mir gewohnt.

„Und?“ fragt er. „Hätte es dir gefallen, von deinen bisherigen Doms ähnlich behandelt zu werden?“

Ich lege meine Stirn in Falten und meine:

„Ich weiß nicht so recht… Legt Lena nicht ihre Selbstverantwortung völlig in deine Hand? Macht sie das nicht hörig – letzten Endes?“

„Sie gibt ihre Selbstverantwortung in meine Hand und verlässt sich vollkommen auf mich. Das siehst du schon richtig, Biggi. Hörigkeit ist ein negativ besetzter Begriff in der heutigen modernen Welt… Ist es denn nicht wunderbar, sich völlig auf seinen Partner verlassen zu können?“

„Auf seinen Partner, ja!“ antworte ich ihm, vielleicht etwas lauter als gewollt. „Aber du bist doch nicht mit einem StiNo-Partner vergleichbar!“

„Hm,“ brummt Paul. „Wie beginnt eine StiNo-Beziehung?“

„Man trifft als Frau jemanden auf der Arbeit, bei einer Freizeitveranstaltung, oder wo auch immer. Bei einem Gespräch in lockerer Atmosphäre checkt man gemeinsame Interessen ab und erkennt dabei, ob der Mann sympathisch ist oder nicht. Wenn ja, trifft man sich wieder, besucht gemeinsam irgendwelche Veranstaltungen und schaut, ob sich Vertrauen zueinander bildet. Eine Freundschaft entwickelt sich, aus der mit der Zeit Liebe entstehen kann.“

„Und wie beginnt eine DS-Beziehung?“

„Also, bei mir war das bisher immer das Gleiche: Man trifft sich im Internet oder auf Veranstaltungen und findet den Mann interessant. Vielleicht gefällt einem auch seine Art zu bestimmen. Man kann sich ‘fallen lassen‘ und führen lassen. Dann verabredet man sich zu Sessions und spielt ein Dom/dev-Rollenspiel live. Danach geht man auseinander und taucht wieder in den Alltag ein.“

„Dass du nur solche Verbindungen auf Zeit eingehst, entspringt der Angst hörig zu werden, deine Selbstverantwortung zu verlieren…“

„Das ist doch völlig normal!“ Meine Stimme ist wohl wieder eine Spur zu laut geraten. „Schau dir doch die Kerle an, die da draußen herum laufen! Jeder ist nur auf seinen Spaß aus, seine sexuelle Befriedigung! Wie es der Frau geht, ist ihnen letztlich egal. Die Frau ist nur Mittel zum Zweck, nur ein Spielzeug!“

Paul bleibt ganz ruhig. Er sieht gar nicht so aus, als fühle er sich von meinen Vorwürfen berührt.

„Ich weiß,“ sagt er. „Viele Kerle sind auf ONS aus, sprechen von ‘ohne Anlauf‘. Dabei kann weder Freundschaft noch Liebe entstehen. Gefühle sind ihnen egal. Ich bin kein Vertreter des ‘Ohne Anlauf‘! Ich will die Frau kennenlernen, ihren Charakter, ihre Interessen. Ich will Vertrauen zwischen ihr und mir aufbauen… Natürlich will ich führen, bestimmen wo es lang geht, jedoch nicht ungeduldig sofort, sondern allmählich. In dem Masse, indem das Vertrauen zueinander wächst, kann sie allmählich Stück für Stück Teile ihrer Selbstverantwortung auf mich übertragen – und auch wieder entziehen, sollte ich sie enttäuschen, sollte ich es an Respekt gegenüber ihr vermissen lassen.“

Während Paul redet, bleibt mein Mund offen stehen. Seine Art ist völlig anders als die anderer Doms.

„Dir geht es nicht um deine sexuelle Befriedigung?“ fasse ich alles noch einmal zusammen.

Paul lächelt.

„Es ist mehr! Mir geht es um das Wohl der Frau. Wenn ich eine Anweisung gebe aus meinem Führungsanspruch heraus, ist die sexuelle Befriedigung ein wunderschönes Nebenprodukt! In erster Linie habe ich das Wohl der Frau im Blick, die sich mir hingibt. Sie ist kein Ding, kein Spielzeug, sondern ein fühlendes Lebewesen.
Der Begriff ‘fühlendes Lebewesen‘: Du fühlst tagsüber eine Menge. Mal ärgerst du dich, mal freust du dich, mal bist du traurig, usw. Im rationalen Alltag behältst du deine Gefühle in deinem Herzen, um das du eine mehr oder minder dicke Schale gelegt hast. Niemand geht es an wie du fühlst, denn das macht dich angreifbar. Unter Liebenden öffnet man ein Fenster zu seinem Herzen und lässt den Anderen immer einmal hinein blicken.
Wenn du nun einen Dom hättest bei dem du mit der Zeit gelernt hast voll zu vertrauen, weil er deine Sache zu seiner macht, weil er offen für alles ist, was dich bewegt, weil du mit ihm Freude, Trauer, Ärger, usw., teilen kannst, dann entsteht ein starkes emotionales Band zwischen euch.“

In die entstehende Atempause platze ich mit meinem Statement hinein:

„So einen Dom gibt es nicht!“

Paul senkt den Kopf ein wenig und schaut mich unter den Augenbrauen hervor an.

„Frag Cherie, wenn sie wieder aus ihrer Rolle heraus ist! Ich war mir noch nicht sicher, was ich bin, ob ich Pet oder Owner bin. Ich fühlte mich als Pet und suchte einen Owner, als ich Dieter traf. Dieter ist kein Gay und ich im Grunde auch nicht. Dieter hat mir seine Art dominant zu sein beigebracht. Ich habe sie weiter entwickelt, eigene Aspekte eingebracht – und schließlich Lena kennengelernt, meine Cherie.
Es ist allmählich Zeit schlafen zu gehen… Was hältst du davon, wenn du morgen mit uns Dieter besuchst. Der Mann hat zurzeit keine Doggie. Vielleicht springt ja ein Funke über und es entwickelt sich etwas ähnliches wie zwischen Cherie und mir?“

„Du machst mich neugierig. Wenn du meinst, wir könnten einfach überfallartig bei ihm aufschlagen, dann komm ich gerne morgen mit! Übermorgen geht aber mein Zug von hier ab.“

„Lena kann dich übermorgen zum Bahnhof bringen. Da habt ihr unterwegs Zeit euch über deine neuen Eindrücke auszutauschen,“ sagt Paul und erhebt sich.

Dann zieht er das Sofa auseinander und baut mir das Gästebett für die Nacht. Nach einem freundschaftlichen ‚Gute Nacht‘ geht er mit Lena an seiner Seite hinüber ins Schlafzimmer.

*

Am nächsten Morgen lasse ich es mir nicht nehmen, das Frühstück für uns drei und Taps zu bereiten. Als Paul für Lena zuerst die Schlafzimmer-, dann die Badtür aufhält, und die frischen Kaffee riecht, bedankt er sich lächelnd und meint, dass ich als ihr Gast das nicht nötig gehabt hätte. Ich lächele zurück und wünsche ihnen einen Guten Morgen. Sie sollen es als Dank ansehen, sage ich, während Lena in ihrer Rolle als Cherie auf allen Vieren an mir vorbei streicht auf dem Weg ins Bad.

Paul begleitet sie ins Bad und bald höre ich die üblichen Badgeräusche. Ich habe Frühstückseier gekocht, kann aber den Salzstreuer nicht finden, als ich den Frühstückstisch nun decken will. Also stecke ich den Kopf zur Badtür herein, um danach zu fragen. Dabei sehe ich, wie Paul seine Cherie reinigt. Mit erstaunt/belustigtem Gesichtsausdruck frage ich nach dem Utensil.

Paul schaut auf, zwinkert und gibt mir die gewünschte Information. Einige Minuten später, als wir mit dem Frühstück beginnen, sagt Paul:

„Als Doggie hast du vier Beine, aber keine Hände. Zu Anfang wird dir das bewusst gemacht, indem du deine Hände in Pfotenfäustlinge stecken musst. Um dir die nötige Hygiene zu gewähren, ist nun der Owner gefordert. Im Petplay hat der dominante Part auch eine ‚dienende‘ Seite, wenn man es genau nimmt. Er trägt Verantwortung für das Wohl seines Doggie. Sie ist ihm kein Spielzeug seiner Lust! Ich glaube, das habe ich gestern schon gesagt.“

„Ja, stimmt. Aber ein Statement hören – und die entsprechende Ausführung erleben, ist noch eine völlig andere Dimension,“ antworte ich ihm.

„Ich sage eben keine leeren Worte…“ meint er.

Gleich nach dem Frühstück führt er ein kurzes Telefonat, in dem er unser Kommen ankündigt und fragt, was der Gesprächspartner im Haus hat und ob er etwas mitbringen muss, da dann ja vier Personen zu verpflegen sind.

Paul kündigt mich als weiteren Gast an. Aus dem Gespräch entnehme ich, dass der Gegenüber wohl dieser Dieter, Pauls Mentor ist. Wir nehmen eine Klappkiste voll Lebensmittel mit, als wir kurz darauf zum Auto gehen. Taps und Lena steigen hinten ein. Um den großen Transportkäfig im Auto unterzubringen ist die Lehne der Rückbank umgelegt. Ich darf vorne neben Paul sitzen.

Drei Stunden später biegt Paul von der Landstraße auf einen Wirtschaftsweg ab. Die Landschaft hier in der Eifel ist grandios. Nach wenigen hundert Metern sehe ich vor uns ein Dach erscheinen. Je näher wir dem Gebäude kommen, desto ungewöhnlicher wird das Haus. Es scheint nur aus einem Dach zu bestehen. Eine Seite des Daches ist fast vollständig von Solarmodulen verdeckt. Auf dem Parkplatz vor dem Haus hält Paul an und lässt uns aussteigen. Er gibt mit die Leine mit Taps in die Hand und hilft seiner Cherie aus dem Auto. Dann gehen wir auf das Haus zu. Lena bleibt an Pauls Seite.

Wir haben beinahe die Haustüre erreicht, als sie geöffnet wird und ein älterer Mann im Eingang steht. Er begrüßt Paul freundlich und gibt auch mir die Hand. Dann macht er den Eingang frei und während wir eintreten sehe ich, wie er Lena sanft durch ihr Haar streicht. Sie lässt es lächelnd geschehen.

„Hattet ihr eine gute Fahrt?“ fragt er, was Paul lächelnd bestätigt.

Er stellt mich vor als eine Bekannte aus der Szene von einem Event bei Hamburg. Dieter schaut interessiert. Er fragt mich:

„Darf ich fragen, wie Sie zum Petplay gekommen sind?“

Ich erzähle ihm, dass ich vom BDSM dahin gekommen bin über meinen vorletzten Dom, und dass ich dort meinen letzten Dom getroffen habe, nun aber solo bin.

Während wir ins Wohnzimmer gehen und uns setzen fragt Dieter, wie ich bisher denn Petplay gespielt habe. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass ich mich mit den Doms bisher nur zu Sessions getroffen habe. Zu einer Beziehung auf dieser Grundlage, wie ich sie bei Lena und Paul kennen gelernt habe, fühle ich mich noch nicht bereit.

Dieter zeigt Verständnis und entschuldigt sich, das Essen sei im Ofen. Er steht auf und verlässt uns in Richtung Küche, die man wegen fehlender Zwischenwände von unserem Sitzplatz aus einsehen kann.

Paul fragt mich leise:

„Na, Biggi, wie ist dein erster Eindruck?“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:24

„Der erste Eindruck ist durchaus positiv. Aber das will nichts heißen. Um einen Menschen beurteilen zu können, muss man ihn näher kennen lernen!“

„Das stimmt. Geh doch zu ihm. Beim Miteinander lernt man Dieter näher kennen…“

„Wenn du meinst,“ sage ich und stehe auf.

Ich gehe an der Essgruppe vorbei in die Küche. Es riecht verführerisch. Dieter schaut auf und ich frage ihn rundheraus:

„Kann ich hier ein wenig helfen?“

Dieter nickt kurz und lächelt.

„Ich habe in der letzten Stunde schon einiges erledigt. Aber du könntest gerne den Tisch decken.“

Er zeigt mir, wo hier die Bestecke und das Geschirr untergebracht ist. Während ich den Tisch decke, füllt Dieter einige Schüsseln mit dem Inhalt der Töpfe. Als dann der Ofen piept, holt er einen Braten heraus, zerteilt ihn und belegt damit eine Platte. In dem Zeitraum, in dem wir in der Küche sind, versorgt Paul Tapsy mit Wasser und Futter. Dann ruft Dieter alle zum Tisch.

Er wünscht uns: „Guten Appetit.“

Wieder erlebe ich, dass Paul Lena ihr Essen mundgerecht zerteilt und ihr den Teller vor ihre ‘Vorderfüße‘ stellt. Lena beugt sich nun hinunter und isst mit dem Mund. Danach lässt er sie aus einer Plastikflasche mit Mundstück trinken und reinigt ihren Mund mit der Serviette. Während des Essens befördert Dieter leichten Small talk. Als wir dann fertig sind, stupst Lena Paul an und dreht sich etwas in Richtung der Treppe zum Obergeschoß.

„Du musst mal?“ fragt Paul.

Lena nickt und macht Schritte auf die Treppe zu. Paul steht auf und folgt ihr. Auch Dieter erhebt sich und stellt das gebrauchte Geschirr aufeinander, um es dann in die Küche zu tragen. Ich helfe ihm also die Spülmaschine zu beladen und die Reste der Mahlzeit in Plastikbehältern umgefüllt in den Kühlschrank zu stellen. Dieter sagt dazu:

„Danke dir, Biggi. Wir wollen gleich einen Spaziergang machen. Wenn du denkst, es sei nötig, dann kannst du gerne eben noch auf die Toilette gehen. Unterwegs wird es leider keine Gelegenheit geben.“

Er weist mit der Hand auf die Gästetoilette im Eingangsbereich. Ich nehme das Angebot gerne an, denn ich weiß nicht, was der Nachmittag noch für mich bereithält.

Wenig später treffen wir uns alle im Eingangsbereich. Die Männer ziehen sich Stiefel an und Dieter bietet mir ebenfalls ein Paar an. Er gibt mir altes Zeitungspapier.

„Stopf dir die Stiefel mit der Zeitung aus, damit sie dir passen,“ schlägt er vor.

Ich muss grinsen. Aber ich folge dem Vorschlag. Lena ist, wie die ganze Zeit schon, nackt und auf allen Vieren in ihrem ‘Dogspace‘. Irritiert frage ich:

„Begegnen wir unterwegs denn niemandem?“

Dieter lächelt.

„Wir wohnen hier kilometerweit vom nächsten Dorf entfernt. Ich habe den Großteil der zugehörigen Ländereien verpachtet. Wenn die Bauern herkommen, sehen wir das an den großen Landmaschinen. Im Wald hinter meinem Land streifen nur in den Morgen- und Abendstunden vereinzelt Jäger herum. Deren Annäherung hören wir rechtzeitig. Kommen Waldarbeiter, um einzelne Bäume zu fällen, weiß ich vorher davon. Spaziergänger, die mit dem Auto herkommen, um sich für ein Stündchen die Füße zu vertreten, sind hier sehr selten. Bevor wir solchen Leuten begegnen, sehen wir deren Autos auf den Waldparkplätzen stehen.“

Ich mache „Ah“, ob des langen Vortrags. Paul leint Tapsy und seine Cherie an und dann gehen wir auch schon los. Taps‘ Leine übergibt er mir. Er nimmt einen Walking-Stock in die freie Hand. Zuerst durchqueren wir eine Baumschule mit jungen Nadelbäumen. Paul lächelt Dieter an.

„Dein Weihnachtsbaumgeschäft macht Fortschritte, wie ich sehe.“

„Ja, ist aber auch eine ziemliche Schinderei – alleine…“ lächelt Dieter zurück. „Ich wäre wirklich froh, wenn du dich dazu überreden ließest, hier mitzumachen. Gerne als Teilhaber… ‘Holzhandel Mattes und Tiefenbach‘, oder so.“

„Ich kann aber kein Kapital in die Firma einbringen,“ meint Paul nachdenklich.

„Brauchst du auch nicht! Du bringst deine Arbeitskraft ein und in der Freizeit leben wir unsere Neigungen!“ bekräftigt Dieter.

„Das hat wirklich etwas für sich,“ sagt Paul. „Warten wir das nächste Jahr noch ab.“

„Okay,“ meint Dieter. „Man kann niemand zu seinem Glück zwingen.“

In der Zwischenzeit haben wir den angrenzenden Wald erreicht. Es geht über einen Sandweg. Rechts und links daneben haben wir die typische Waldlandschaft aus Bäumen, durchsetzt mit Moosen, Gräsern und Büschen. An einer Abzweigung biegen wir ab. Hier geht es in leichtem Gefälle abwärts, während der rechte Wegrand immer steiler wird. Unterwegs sehe ich, warum Paul den Walking-Stock mitgenommen hat: Ab und zu stoppt er damit Lenas Geschwindigkeit und hält sie so auf gleicher Höhe mit sich, indem er ihr den Stock vor die ‘Vorderbeine‘ hält.

Dann treten die Bäume zurück. Der Wald öffnet sich zu einer Lichtung hin, die rechts und im Hintergrund von einer himmelhohen roten Felswand begrenzt zu sein scheint.

„Hier ist die Stelle,“ sagt Dieter.

Er wendet sich einem schmalen Pfad zu, der links vom Weg abgeht. Es geht steil abwärts. Die Wurzeln umstehender Bäume können wir wie Treppenstufen benutzen, müssen aber darauf achten, nicht darüber zu stolpern. Langsam und vorsichtig gehe ich hinter den Anderen her bis vor uns eine mannshohe Schilfwand steht.

„Das Schilf regeneriert sich schnell,“ meint Paul.

„Das ist wahr,“ gibt Dieter zurück und beginnt das Schilf vor sich nieder zu treten. Das leise Gluckern eines Wasserlaufes erfüllt die Luft.

Paul wendet sich zu mir:

„Nimm, Taps ruhig auf den Arm, während du hinter uns durch das Schilf brichst und achte darauf, wohin du trittst. Dies hier ist eine kleine Furt zu einer Wiese inmitten der Kyllschleife. Daher die Stiefel.“

Ich tue wie Paul mir geraten hat und nehme die Mopsdame auf den Arm. Dann gehe ich durch die Bresche im Schilf hinter Lena und den Männern her. Kurz darauf umspülen kleine Wellen meine Füße. Nach zwei Metern erreiche ich ein sandiges Ufer und setze Tapsy auf dem Gras dahinter wieder auf ihre Füsse.

Paul sagt zu mir:

„Lass Taps ruhig von der Leine. Hier kann sie laufen.“

Also bücke ich mich zu Tapsys Halsband hinunter, als ich Paul höre:

„Cherie, AUF! FREI!“

Ich schaue auf. Taps ist nun frei und stürmt los. Während ich mich aufrichte, richtet sich auch Lena auf. Sie reckt sich und läuft zum Strand hinunter, der in der Kehre des Baches gut zwanzig Meter breit ist. Tapsy dreht um und läuft freudig bellend auf sie zu. Lena beginnt einige gymnastische Übungen, die mich schmunzeln lassen. Aber wer weiß, wie ich mich in ihrer Situation verhalten würde… Dann spielen Taps und Cherie ausgelassen miteinander.

Wir gehen in der Zwischenzeit langsam spazierend über die Wiese. Dabei kann ich beobachten, wie Paul seine Cherie nie aus den Augen lässt. Plötzlich bückt sich Paul nach einem Zweig, den der Wind bestimmt hierher geweht hat. Er entfernt alle Nebentriebe und bricht ihn auf etwa Unterarmlänge durch.

„Cherie, ZU MIR!“ ruft er jetzt.

Lena hebt den Kopf, unterbricht ihr Spiel und kommt schnell auf zwei Beinen zu uns gelaufen. Bei Paul angekommen setzt sie sich ohne Aufforderung auf ihre Fersen und schaut zu Paul hoch. Er zeigt ihr den zurechtgemachten Stock, holt aus und wirft ihn fort.

Dazu sagt er: „HOL!“

Lena ist der Bewegung mit den Augen gefolgt, springt nun auf und läuft – wieder auf zwei Beinen – dem Stock hinterher. In einiger Entfernung bückt sie sich, hebt etwas auf und kommt auf die gleiche Weise zurückgelaufen. Bei Paul angekommen lässt sie den Stock aus ihrer ‘Vorderpfote‘ fallen und geht wieder in ‘SITZ-Position‘.

Taps hat die Aktion mitbekommen, ist hinter Cherie her gelaufen und sitzt nun auffordernd bellend neben Cherie.

„Klar, Tapsy, du darfst auch mal,“ sagt Paul lächelnd, wirft den Stock ein zweites Mal und ruft: „Taps, HOL!“

Während Taps hinter dem Stock herläuft, streicht Paul seiner Cherie zärtlich über Wange und Oberkopf. Dann angelt er aus einer Gürteltasche einen kleinen schokoladenbraunen Brocken und schiebt ihn ihr zwischen die Lippen. Cherie reibt ihren Kopf an seiner Hand und schon ist Taps mit dem Stock zurück. Auch die Mops-Dame erntet sein Lob und bekommt einen anderen Brocken als Leckerlie.

„Auch Schokolade?“ frage ich erstaunt.

Paul antwortet lächelnd: „Nein, für Taps habe ich Hunde-Leckerlies.“

Zu Cherie gewandt sagt er dann: „Cherie, FREI!“

Lena entfernt sich nun wieder in Richtung Bachlauf. Taps springt dagegen mehrfach an Paul hoch. Er zieht seine Stirn kraus und bückt sich nach dem Stock. Er wirft ihn in der Folge noch mehrfach und Taps apportiert ihn freudig.

Lena hat das Spiel aus einiger Entfernung eine Zeitlang beobachtet. Jetzt läuft sie in einem Bogen heran, so dass sie in Pauls Rücken kommt. Dabei sucht sie meinen Blick und legt lächelnd den Finger auf ihren Mund. Sie wartet einen Moment ab, in dem Paul durch Taps abgelenkt ist und läuft auf allen Vieren so nah an Paul vorbei, dass sie ihn mit der Schulter rammt. Paul macht ein überraschtes Gesicht und kippt hintenüber.

Als er im Gras liegt, beginnt Lena ihn abzulecken. Paul macht halbherzige Abwehrbewegungen. Er lässt Lena also im Großen und Ganzen gewähren. Ich schaue erstaunt von der Szene am Boden zu Dieter. Der Mann steht breit grinsend da und sagt seinerseits auch nichts, also beobachte auch ich stumm, was sich mir da bietet.

Als Taps dann hinzu kommt, rappelt Paul sich auf und meint:

„Ich denke, unsere Hundies sind ausgepowert genug. Wir sollten uns auf den Rückweg machen.“

Dieter nickt und sagt mit immer noch grinsendem Gesicht:

„Das denke ich auch.“

Wir machen uns also auf den Rückweg über den Wasserlauf und durch den Wald. Taps und Cherie begleiten uns wieder angeleint. Die Szene auf der Wiese hat mich nachdenklich gemacht. So etwas hätte ich mir bei den Doms nie gewagt – es sei denn, ich hätte Sehnsucht nach der daraus folgenden Konsequenz. Da ich aber nicht masochistisch veranlagt bin, habe ich Bestrafungsszenarien in der Vergangenheit immer zu vermeiden gesucht. Wo es mir manchmal nicht gelungen ist, habe ich eben die ‚Zähne zusammen gebissen‘ und die Folgen durchgestanden. Lena dagegen hat in voller Absicht gehandelt.

Wir haben Dieters Haus noch nicht erreicht, als ich nicht mehr an mich halten kann.

„Paul?“

„Ja?“

Er wendet sich im Gehen mir zu und schaut mich fragend an.

„Was hast du gedacht, als Lena dich auf der Wiese umgeworfen hat? Freutest du dich nicht, sie auf der Stelle dafür bestrafen zu können? Oder folgt das gleich noch im Spielzimmer?“

„Im Spielzimmer? Einen Raum mit SM-Gerätschaften gibt es bei Dieter nicht. Wir sind keine SMler, Biggi!“

„Du bestrafst Lena nicht? Sie hat dich absichtlich umgestoßen!“

„Warum sollte ich, Biggi? Ja, sie hat mich absichtlich umgestoßen, um auf Hundeart mit mir zu spielen. Und ich wäre ein schlechter Herr, wenn ich nicht mit meinem Doggie spielen wollte.“

„Ja, aber sie hatte die Initiative an sich gerissen. Der Herr bestimmt doch, was wann und wie lange er mit seiner Doggie ‘spielt‘…“

„Im SM wird die Sub zum Spielzeug der Lust für den Dom. Er nimmt sie sich und schickt sie weg, wann er will. Wird ihm das Spiel langweilig, ‘entsorgt‘ er sie – wenn sie sich nicht vorher von ihm trennt. Das ist bei uns anders: Ich bin das ‘Alphatier‘ unseres ‘Kleinrudels‘. Ich bin mir nicht zu schade, mich auf Zeit – im Spiel – auf ihre Stufe zu begeben. Ernst ist Ernst und Spaß ist Spaß!
Ich verlange Gehorsam gegenüber meinen Kommandos, erwarte Hingabe, Treue und Ehrlichkeit. Dafür kümmere ich mich um alles und übernehme die volle Verantwortung für sie. Sie ist mir mental so nahe, wie kein anderes Lebewesen. Ein starkes emotionales Band verbindet uns!“

„Ihr liebt euch? Das hört man eigentlich kaum im BDSM-Bereich. Zwischen Dom und Sub muss es eine gewisse emotionale Distanz geben…“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:46

„… sonst könnte er sie nicht als sein Spielzeug, als Ding/Gegenstand behandeln,“ vervollständigt Paul meinen Satz. „Darum sagte ich ja, wir sind keine SMler. Für mich ist Cherie kein Gegenstand, der meiner Lust dient, sondern ein Lebewesen voller Emotionen – und ich gebe ihr Raum, ihre Gefühle in Echtzeit auszuleben, statt dass sie sie – wie im normalen rationalen Alltag – in ihr Herz einschließt, weil es in vielen Momenten nicht opportun ist, Gefühle zu zeigen.“

Diese Aussage lässt mich wieder nachdenklich werden. Kurz darauf haben wir Dieters Haus erreicht.

*

Wir sind am gestrigen Abend nach dem Essen bei Dieter zu Paul zurück gefahren. Dort habe ich auf der zum Gästebett umfunktionierten Couch im Wohnzimmer übernachtet und nach dem späten Frühstück bringt mich Lena zum Zug. Im Bus beginnen wir, uns über meine Eindrücke zu unterhalten, die ich gestern bei Dieter in der Eifel gewonnen habe.

„Ich muss schon sagen, dass das Wochenende mich sehr beeindruckt hat, Lena.“

„So?“

Lena lächelt mich an.

„Ja, das Verhältnis zwischen Owner und Pet, das ihr mir vorgelebt habt – wenn es denn eurem Alltag entspricht – ist so anders, als ich es mit allen Kerlen bisher kennengelernt habe.“

„Du hast ja erzählt, dass du vom SM zum Petplay gekommen bist – und auch die Männer, mit denen du deine Sessions gespielt hast, waren SMler. Du warst für sie ein Spielzeug ihrer Lust – auch in der Rolle des Pet. Zwischen den Sessions wirst du von den Männern dir selbst überlassen. Sie erklären das mit deiner Selbstverantwortung. Ich nenne das, Angst davor Verantwortung im Alltag zu übernehmen! Deshalb wird auch nie mehr daraus. Deshalb entwickelt sich aus einer Session nie so etwas wie eine Freundschaft, aus der vielleicht eine Beziehung entsteht…
Und noch etwas anderes: Kommst du deinem jeweiligen Herrn mit einer Frage, willst eine Information über den gedanklichen Hintergrund seines Handelns, bekommst du eine ‚dumme‘ Antwort. Er kanzelt dich arrogant ab, und stellt sich so mental über dich. Warum? Hat er keine vernünftige Antwort auf deine Frage?
Dann kommt so ein Statement, wie ‚Intelligenz ist sexy, dumm bumst gut…‘ Was soll das bedeuten? Hat er gern eine Frau, die nicht dauernd sein Handeln hinterfragt, die selbstbewusst ihren Alltag bestreitet, ohne ihn öfter mal um Rat zu fragen? All das fördert das Single-Dasein. Jeder bleibt für sich. Man trifft sich nur, wenn der Kerl Bock auf die Frau hat – bis sie ihm langweilig wird, und er nach ‚Frischfleisch‘ Ausschau hält. Da läuft doch etwas falsch, oder?“

Lena hat sich in Rage geredet. Ihre Wangen glühen. Ich lasse ihre Worte eine Weile stumm auf mich einwirken, dann frage ich sie:

„Wie läuft es deiner Meinung nach denn richtig?“

„Der Mensch ist ein soziales Wesen. Alleingelassen verkümmert er seelisch. Wenn sich also Mann und Frau treffen, um eine gemeinsame Neigung zu leben, und sie bleiben sich dabei seelisch fremd, sollten sie sich wieder trennen und einen anderen Menschen suchen. Irgendwann taucht – ganz sicher! – ein Mensch auf, der einem sympathisch ist, der offen für alle Fragen ist, die einen beschäftigen und sich dabei nicht für etwas Besseres hält. Zu diesem Menschen entwickelt sich eine mentale Brücke. Das erkennst du darin, indem du dich zu ihm hingezogen fühlst. Fühlt er das Gleiche, kann sich eine Freundschaft entwickeln, aus der vielleicht eine Beziehung wird.
Wenn nicht, hat man einen Freund fürs Leben, der einem vielleicht hilft, einen Partner fürs Leben zu finden – entweder aktiv oder passiv, indem er einen mit anderen Freunden bekannt macht. In diesem Freundeskreis findet sich dann vielleicht einer, zu dem man sich hingezogen fühlt.
Jedenfalls ist der Mensch erst vollständig in einer Beziehung mit einem Anderen: Der Andere ergänzt einen an Stellen, wo man bei sich ein Defizit feststellt. Wenn ich es nun liebe, Verantwortung an jemand abzugeben, dem ich voll vertrauen kann – wieso bin ich dann zu faul Selbstverantwortung zu übernehmen? Vielleicht mag es mein Partner ja, Verantwortung für Andere mitzutragen! Vielleicht ist das gerade für ihn eine Steigerung seiner Lebensqualität! So ergänzen wir uns und wirken von außen als ein Ganzes, als ein glückliches Paar! Mich als zu faul hinzustellen, Selbstverantwortung zu tragen, heißt einerseits nur, dass derjenige der das sagt, Angst hat Verantwortung für Andere zu tragen. Andererseits guckt derjenige dem Anderen nur vor die Stirn, will nichts anderes von seinen Mitmenschen wissen, als das was seine Vorurteile ihm einflüstern.“

Da habe ich nun aber ein Thema angeschnitten… Lenas Wangen glühen. Sie scheint sich aufgestauten Frust von der Seele zu reden. Na, wenn es sie erleichtert, soll sie es ruhig tun. Gleichzeitig machen mich ihre Worte sehr nachdenklich. Mein bisheriges Leben lief wohl auf einem falschen Gleis. Wie gut, dass ich sie auf dem letzten Event kennenlernen durfte und mich mit ihr austauschen konnte. Bestimmt lässt sich aus ihren Worten etwas Positives für mich entnehmen. Ich muss nur einige Tage oder Wochen warten und die richtigen Assoziationen dazu finden.

„Zurück zum Wochenende,“ versuche ich das Thema zu wechseln. „Dieser Dieter hat die Möglichkeit unsere Neigung real auszuleben – und dabei nicht bloß innerhalb der Wohnung zu bleiben. Nebenbei scheint er sehr sympathisch als Mensch zu sein, und auch seine Ansichten gefallen mir. Es sind die Gleichen wie die von Paul.“

„Ich sage Paul öfter, dass wir in die Eifel ziehen sollten. Vielleicht kann man ein zweites Haus auf das Grundstück setzen. Ich glaube das ist es, was ihn bisher so zurückhaltend reagieren lässt. Und, ja – auch altersmäßig würde Dieter zu dir passen.“

Lena zwinkert mir lächelnd zu.

„Stimmt schon, das Haus hat keine zwei separaten Wohnungen. Ein zweites Haus wäre die Lösung für ein dauerhaftes Leben dort. – Und was das Andere angeht: Ich lasse es mir durch den Kopf gehen!“

Nun zwinkere ich zurück und wir lachen kurz gemeinsam. Ich fühle mich, als hätten wir eine Verschwörung verabredet.

Der Bus hält. Wir sind am Bahnhof angekommen. Da der Zug erst in 35 Minuten abfährt, gehen wir noch auf einen Cappuccino in das Bahnhofscafé.

*

Vier Wochen sind seit dem Wochenende bei Paul und Lena vergangen. Eine gewisse Unruhe hat mich durch meine Tagesabläufe begleitet. Endlich treffe ich eine Entscheidung.

„Mattes!“

Ich habe Dieters Telefonnummer von Lena erfragt und eben gewählt.

„Hallo Dieter, ich bin Biggi. Ich war vorigen Monat zusammen mit Paul und Lena bei dir.“

„Okay, grüß dich, Biggi. Kann ich etwas für dich tun?“

„Ich wollte dich einmal etwas Persönliches fragen.“

„Nur zu, Biggi. Frag mich ruhig Löcher in den Bauch, dass ich aussehe wie ein schweizer Käse dann! Ich bin offen für alles, was dich beschäftigt.“

„Siehst du, das ist es was ich so an euch mag…“

„Was?“

„Dass man Paul und dir gegenüber keine Scheu haben braucht! Hast du an einem der kommenden Wochenenden Zeit, dass man sich mal unter vier Augen treffen kann?“

„Klar! Wann magst du kommen? Nächstes Wochenende schon, oder das darauf? Und wie kommst du?“

„Ich könnte morgen das Ticket im Bahnhof kaufen und am nächsten Wochenende kommen, wenn dir das nicht zu sehr nach Überfall aussieht. Welchen Zielbahnhof müsste ich dann angeben?“

„Nein, komm ruhig schon am nächsten Wochenende. Ich bin solo, also allein, und freue mich sehr über Gesellschaft! Du kannst Gerolstein oder Kyllburg als Zielbahnhof angeben. Sag mir dann Bescheid, damit ich weiß wo ich dich auflesen soll.“

Ich muss lächeln. Eins liegt mir noch auf dem Herzen:

„Wäre es dir recht, wenn ich zu einer Session zu dir komme? Magst du eine Doggie für ein Wochenende bei dir beherbergen? Sagen wir von Freitag Nachmittag bis Sonntag Vormittag…“

Ich höre geradezu, wie Dieter wohl ein breites Lächeln zeigt, als er zusagt. Wir verabschieden uns und am nächsten Tag fahre ich nach der Arbeit zum Bahnhof. Ich wähle Gerolstein als Zielpunkt, weil das Ticket dorthin ein paar Euro billiger ist. Am Abend informiere ich Dieter und am Freitag nach der Arbeit fahre ich mit Herzklopfen los.

*

Ich fahre am Freitag Nachmittag mit meinem Wagen zum Bahnhof in Gerolstein und parke auf dem Platz neben den Gleisen. Biggi hat mir gesagt, wann der D-Zug Köln-Trier hier hält. Zehn Minuten ist noch Zeit, also bleibe ich noch ein wenig sitzen.

Zwei Minuten vor der Ankunft gehe ich zum Bahnsteig und pünktlich hält der Zug neben dem kleinen weißen Bahnhofsgebäude. Nur wenige Fahrgäste verirren sich in das Eifelstädtchen. Schnell habe ich Biggi gesehen und gehe auf sie zu, sie zu begrüßen.

„Hallo Biggi,“ sage ich lächelnd und biete ihr meine Hand. „Wie war die Fahrt?“

„Och, es ging. Ich musste in Köln eine dreiviertel Stunde auf den Anschluss warten, aber jetzt bin ich ja hier.“

„Das freut mich,“ antworte ich. „Mein Auto steht gleich dahinten. Wir fahren dann noch bei einem Supermarkt vorbei und dann zu mir.“

Ich führe sie an den Gleisen vorbei zum Auto, lege ihre Tasche in den Fußraum hinter ihrem Sitz und fahre los, nachdem sie sich angeschnallt hat. Im Supermarkt kaufe ich einen Fisch und Croissants, dann fädele ich mich in den stadtauswärts fahrenden Verkehr vorbei an einem Industriegebiet ein. Nach einer halben Stunde fahre auf den Weg zu meinem Haus und helfe Biggi beim Aussteigen.

„Was ist das?“ fragt sie. „Das war beim letzten Mal noch nicht da!“

„Das ist eine Bodenplatte,“ erkläre ich ihr die Betonplatte neben meinem Haus. „Darauf soll vor dem Winter noch ein zweites Nur-Dach-Haus stehen.“

Biggi schaut mich erstaunt an.

„Paul und Lena?“ fragt sie.

„Nein,“ antworte ich ihr. „Oder vielleicht doch? – Das Haus soll als zweites Ferienhaus dienen. Wenn der Winter kommt habe ich dann zwei Häuser bereit für zahlende Winterferiengäste. Auch in den anderen Schulferien will ich wieder beide Häuser vermieten und so zu Zusatzeinnahmen kommen. In der Zeit der Leerstände bewohnen wir das Haus – und vielleicht Paul und Lena das Andere?“

„Du wohnt nicht dauerhaft hier?“ fragt sie interessiert.

„Noch nicht. Wenn mehr Häuser hier stehen, will ich meine Wohnung in Kyllburg aufgeben und dauerhaft hierher ziehen.“

„Aber wenn Feriengäste hier wohnen, können wir unser Faible ja nicht wirklich ausleben…“

Ihre Stimme klingt enttäuscht.

„Nun, vielleicht mieten ja Petplayer ein Ferienhaus.. Wir müssen diese Möglichkeit auf den entsprechenden Internetseiten nur bekanntmachen. Es ist halt ein zweites Standbein für mein Geschäft. Hier in der Eifel bringt der Tourismus viele gute Nebeneinnahmen.“

„Ahso,“ macht sie.

Inzwischen habe ich die Haustür aufgeschlossen und lasse sie eintreten. Dann wende ich mich der Treppe zu.

„Komm mit nach oben. Dort kannst du dich einrichten. Möchtest du das Gästezimmer haben, schließlich ist es unser erstes Zusammentreffen und Vertrauen aufbauen braucht eben seine Zeit.“

„Ich hatte ja gesagt, dass ich gerne eine Dogplay-Session bei dir machen wollte…“ gibt sie zu Bedenken.

„Du weißt aber auch, dass ich keiner aus der ‚Ohne Anlauf‘-Fraktion bin,“ erkläre ich ihr noch einmal. „Du bist mir kein Roboter, kein Ding oder Spielzeug. Du sollst nicht den Schalter umlegen und sofort Doggie sein. Ich sehe in dir ein Lebewesen mit Gefühlen. Ich will dich kennenlernen in einem Vorgespräch. Dabei erkennen wir beide schnell, ob wir uns sympathisch sind. Dann kannst du gerne allmählich ins ‚Dogspace‘ gleiten und deine Gefühle gegenwärtlich ausleben.“

„Okay,“ antwortet Biggi. „Dann stelle ich meine Tasche unausgepackt ins Gästezimmer und wir werden sehen.“

„Gut,“ kommentiere ich ihre Entscheidung und öffne die Tür zum Gästezimmer.

Sie legt ihre Tasche kurzerhand auf das Gästebett und kommt wieder zu mir an die Tür. Ich lasse sie hindurch und schließe die Tür hinter ihr.

„Was steht nun auf dem Programm?“ fragt sie.

„Zuerst einmal wollte ich uns ein Essen machen,“ sage ich. „Du wirst sicher hungrig sein nach der langen Fahrt. – Und beim Essen lässt sich schon einmal einiges bereden.“

„Gut, aber ich helfe dir in der Küche!“ sagt sie bestimmt.

„Okay,“ gebe ich zur Antwort und wir gehen hinunter ins Erdgeschoß.

Ich nehme eine Dose Erbsen aus dem Schrank und schütte den Inhalt in eine Schüssel. Daneben lege ich einen Pürierstab und fordere Biggi auf die Erbsen zu pürieren. Sie beginnt sofort damit. In der Zwischenzeit hole ich eine Schale mit Kartoffelpürree aus dem Kühlschrank und Paniermehl aus dem Vorratsschrank. Mit dem Paniermehl binde ich die Feuchtigkeit des Pürrees. Biggi schaut erstaunt.

„Ich bin alleine,“ sage ich einfach. „Daher bleibt viel übrig. Ich werfe aber nichts weg, was nicht schlecht ist. Außerdem ist es doch kreativ, immer wieder etwas Neues aus den Sachen zu machen.“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:51

Ich lächele sie an. Als das Kartoffelpürree knetbar geworden ist, bedecke ich einen flachen Teller mit einer dünnen Schicht Paniermehl, forme aus dem Teig Kartoffelkroketten und wälze sie in dem Paniermehl. Biggi hat ihre Erbsen inzwischen püriert.

Ich stelle zwei Pfannen auf den Ofen, lege zwei Stücke Seelachs in eine und die Kroketten in die Andere. Ihr Erbsenpüree verdünne ich mit einem Glas Wasser und krümmele einen Brühwürfel hinein. Biggi fordere ich auf, einen halben Blumenkohl zu putzen und die Röschen in einen zweiten Topf zu Salzwasser zu geben. Auch die beiden Töpfe kommen auf den Herd. Biggi darf die Speisen abschmecken und nachwürzen.

Dann verteile ich die Suppe auf zwei Teller und gebe je einen Schuss Sahne hinzu, dekorativ geschwungen. Ich stelle die Herdplatten kleiner und bringe die Teller zum Esstisch. Biggi bringt das Besteck hinterher und wir essen die ‚Creme Ninon‘.

Zurück am Herd koche ich schnell noch eine helle Soße aus dem Gemüsewasser und Instantpulver auf, dann serviere ich uns den Hauptgang. Danach hole ich zwei Schalen Creme brullée aus dem Kühlschrank und bringe sie zum Tisch. Ich setze ihr eine Schale vor und setze mich dann an meinen Platz.

Ich will gerade einen Löffel davon in meinen Mund führen, als Biggi spontan aufsteht, neben mich kommt und sagt:

„Hm, das sieht aber lecker aus.“

Ich schaue zu ihr auf und lächele sie an.

„Soll ich dich füttern? Dann solltest du dich neben mich auf den Boden setzen.“

Sie tut es, und ich strecke mich nach ihrer Schale. Dann stecke ich ihr Löffel für Löffel von dem Nachtisch in den Mund.

„Ein Herr hat gegenüber seiner Doggie ein paar Pflichten,“ sage ich, nachdem die Schale leer ist. „Pflege und Ernährung obliegt dem Herrn. Er trägt die Verantwortung für ihr Wohl.“

„Das ist das, was mich an eurem Petplay fasziniert,“ antwortet Biggi. „Ich kann mich fallenlassen und die Verantwortung mehr und mehr abgeben. Ich muss nicht ständig selbst darauf achten, wie es mir geht.“

„Nun, zwischen den Sessions bist du so weit weg von mir, dass ich nicht auf dich achten kann. Das geht nur während du hier bist. Oder du müsstest dich dazu entschließen zu mir zu ziehen…“

Ich stelle das Geschirr zusammen und lege das Besteck darauf, dann erhebe ich mich und bringe den Stapel vorsichtig in die Küche. Biggi erhebt sich aus der sitzenden Position in den Vierfüßler-Stand und folgt mir ein paar Schritte. In der Küche fülle ich die Spülmaschine und schalte sie ein. Zurück beim Essplatz frage ich sie:

„Du hast bisher ein Outfit getragen. Hast du so etwas mitgebracht?“

„Nein. Von Lena weiß ich, dass ihr ‘Natur‘ mögt,“ antwortet sie.

Sie schaut dabei zu mir hoch. Ich setze mich wieder auf meinen Stuhl.

„Ich könnte also jetzt sagen ‘Zieh dich aus!‘, aber ich will dich allmählich ins Dogspace gleiten lassen. Morgen am Samstag haben wir einen ganzen Tag dafür. Heute kannst du entweder einen Einteiler tragen, Leggings und Top oder Slip und BH – je nachdem, wie du ausgestattet bist…“

„Ich habe nichts Besonderes mitgenommen.“

Ich stehe auf und helfe ihr aus Top und Jeans heraus, die ich über die Stuhllehne hänge. Nun trägt sie nur noch Slip und BH. Biggi geht vor mir auf die Knie als ich mich wieder hinsetze. Dann lässt sie sich auf ihre Fersen nieder und schaut zu mir auf.

„Solltest du im Laufe der Zeit dich mental zu mir hingezogen fühlen,“ beginne ich, „und auch ich entwickele ähnliche Gefühle zu dir – dann wäre es schön, wenn du zu mir ziehen würdest. Ich fände es schön, wenn du rund um die Uhr bei mir sein würdest. Ich trage die Verantwortung für dich. Du kannst dich bei mir dann sicher und geborgen fühlen, und mir vertrauend gehorchen.“

„Hast du das schon anderen Frauen angeboten?“ fragt sie.

Ich nicke kurz und bejahe das.

„Aber hier scheint es eine mentale Hürde zu geben,“ ergänze ich. „Die Frauen haben den Kontakt abgebrochen. Eine sprach es aus, was die Anderen wohl dachten. Sie sagte, wenn du über mich bestimmst, die Verantwortung für mein Handeln trägst, heißt das im Umkehrschluss, dass ich meine Selbstverantwortung aufgebe. Das bedeutet, dass ich mit der Zeit hörig werde – und dass kann ich nicht zulassen!“

Biggi nickt bedächtig.

„Genauso war ich bisher auch drauf bei den Sessions.“

„Ich will nicht, dass alles sofort so ist, wie ich es mir wünsche,“ sage ich schnell. „Gib die Verantwortung auf einem Gebiet in meine Hände, auf dem du mir vertraust. Auf den anderen Gebieten bleiben wir miteinander im Gespräch. Wenn dein Vertrauen wächst, gibst du mir mehr Verantwortung. Sollte ich dein Vertrauen missbrauchen, entziehst du es mir wieder. Alles fließt…“

„Du bist so anders als die Doms bisher…“ sinniert sie, und fügt nach einer Gedankenpause schnell an: „Du und Paul!“

Ich lächele.

„Vielen Dank, Biggi. Gefällt dir denn der skizzierte Fahrplan?“

„Er ist ganz sicher ein Versuch wert.“

„Du musst sehen, der Begriff ‚Hörigkeit‘ ist äußerst negativ belegt, weil du dich vollkommen in meine Hand begibst nach der Begriffsdefinition. Viele Kerle können damit nicht umgehen. Sie nehmen, geben aber nichts – jedenfalls weniger als sie nehmen. Schließlich bist du emotional ausgebrannt und der Kerl lässt dich fallen.
Nebenbei bemerkt, genauso geht es der Erde. Auch sie wird ausgebeutet bis zum ‚Geht nicht mehr‘. Da sitzt der gleiche Charakterzug dahinter. Du bist für mich aber kein Gegenstand, sondern ein Lebewesen. Du hast von mir mehr zu erwarten, als du von einem der Kerle bekommst – vielleicht sogar mehr als du gibst…“

Bei den letzten Worten hebe ich meine Schultern kurz.

„Mehr als ich gebe?“ fragt sie zurück.

„Ich kümmere mich um alles, sorge für dich, pflege dich, nicht mit dem Gedanken an meine Lusterfüllung im Hinterkopf, sondern mit Gedanken an dein Wohl.“

„Ist das denn realistisch?“ Sie mach ein verständnisloses Gesicht. „Das kann man doch eigentlich gar nicht glauben!“

„Du hast die Erfahrung gemacht, dass die Menschen zuerst einmal egoistisch veranlagt sind?“

„Ja, natürlich! Das sind sie doch auch!“

„Ich will dir nicht widersprechen, was die Masse der Leute angeht, Biggi. Vielleicht ist es durch meine Erziehung bedingt, durch meine Erfahrungen als Kind. Ich hatte eine schwere Kindheit. Ich gebe gern. Das macht mich zufriedener als nur zu nehmen…“

„Lena hat mir da so einiges erzählt. – Nicht über deine Vergangenheit, sondern über deinen Charakter, dein Verhalten in verschiedenen Situationen. Etwas davon konnte ich vorigen Monat ja auch selbst beobachten – und es gefällt mir, wenn ich ehrlich bin!“

„Ich möchte dir einmal etwas erzählen, Biggi,“ sage ich nach einer Gedankensekunde. „Menschen verbindet der Sex miteinander. Manche brauchen ihn beinahe wie eine Droge, andere können Sex nicht ohne Liebe. Liebe ist nun ein tiefes Gefühl füreinander.
Neben der Liebe zwischen Mann und Frau, die verbunden ist mit körperlichen Berührungen bis hin zur Kopulation, gibt es noch eine andere Art der Liebe, die ganz ohne Sex auskommt. Es ist die Liebe zwischen Mutter und Kind. Aber auch die Liebe zwischen Mensch und Tier gehört hier hinein, auch wenn man hier vorsichtig von Zuneigung spricht, um von seinen Mitmenschen nicht falsch verstanden zu werden.“

„Das sind oft sehr tiefe Gefühle! Ich habe sie seit meiner Kindheit nicht mehr erlebt. Vielleicht suche ich diese Gefühle unbewusst bei dominanten Männern… Nüchtern betrachtet, ist das aber vergebliche Liebesmüh‘. Die spielen nur mit mir!“

„Und jetzt bist du desillusioniert! Meine Mutter starb, als ich sechs Jahre alt war. Ich habe gelernt, dass ich von niemand das bekommen kann, was sie mir damals gegeben hat. Aber ich kann viel von dem zurück bekommen, was ich an Zuneigung gebe. Ich darf nicht egoistisch fordern, sondern muss geben. Finde ich den richtigen Menschen, der meine Zuneigung dankbar annimmt, kann mir dieser Dank das geben, was ich zum glücklichen Leben brauche.“

„So habe ich das bisher noch nicht gesehen, Dieter. Das ist ein völlig anderer Blickwinkel auf das Problem. – Du möchtest also, dass ich dir die gleiche Zuneigung entgegen bringe wie eine echte Hündin?“

Ich zucke lächelnd mit den Schultern und blicke sie offen an.

„Möchtest du so gehegt werden, wie eine Mutter ihr Kind, oder ein Mensch sein geliebtes Tier hegt? Ich lasse nichts Unangenehmes an dich heran; lasse dich Sicherheit und Geborgenheit spüren.“

Sie nähert sich mir und reibt ihre Wange an meinem Knie.

„Aber wie ist es dann mit dem Sex?“ fragt sie mit einem unnachahmlichen Augenaufschlag.

„Wenn ich eine echte Hündin vom Züchter hole, sie aufziehe und trainiere, dann habe ich ein anhängliches Tier – aber mehr auch nicht! Mit dir verhält sich das anders. Mit dir kommt vielleicht auch die körperliche Liebe hinzu – wie bei Paul und Lena…“

Biggi lächelt mich an und fragt:

„Und was bedeutet das jetzt im konkreten Fall?“

„Nun, bisher hast du dich mit dominanten Männern getroffen und es als selbstverständlich hingenommen, Sexspielzeug für ihre Lust zu sein. In dem Moment hast du ebenfalls sexuelle Befriedigung erlebt – aber keine Liebe, keine Zuneigung.
Wir dagegen gehen die Sache anders an, wenn du dich auf mich einlässt: Ich führe dich bestimmend und verantwortungsbewusst. Du ordnest dich mir unter! Aber – ‚Spaß ist Spaß und Ernst ist Ernst‘ – wenn wir miteinander spielen, kannst du schonmal die starre Hierarchie durchbrechen, wie du das bei Lena gesehen hast.
Ich würde es begrüßen, wenn sich eine gegenseitige Zuneigung entwickelt und daraus Liebe entsteht. Wenn es dann zu Sex kommt, ist das etwas anderes als der sogenannte ‚Harte Sex‘. Es ist liebevoller Sex, von vielen hin und wieder als ‚Blümchen-Sex‘ herabgewürdigt, aber sehr erfüllend: Für mich ist Sex vergleichbar mit einem guten Menü. Zuerst die ‚Vorspeise‘. Ich rege dich an, deine Erregung steigt, es entsteht eine Erwartungshaltung. Dann die ‚Hauptspeise‘, die Kopulation. Kein Rein, Raus, Fertig!! Und schließlich die ‚Nachspeise. Ich halte durch Streicheln deine Erregung noch lange hoch, bzw. lasse sie nur langsam geringer werden. Dabei achte ich genau auf dich und deine verbalen und nonverbalen Äußerungen! Eine Frau, die nur passiv herumliegt, damit sie vom Dom benutzt werden kann, ist also nichts für mich. Das wäre in etwa so, als müsste ich ein stummes und steifes Bügelbrett bearbeiten. Das macht mir keinen Spaß!“

„Hm, ich spüre, ich habe noch viel zu lernen… Denn genau das ist es, was die Doms bisher von mir erwarteten: passiv bleiben.“

„Verhalten lässt sich ändern, Biggi,“ mache ich ihr Mut.

„Was ist eigentlich, wenn das enge Verhältnis zwischen Doggie und Owner erlahmt?“ fragt sie dann.

„Wir müssen frühzeitig gegensteuern, Biggi!“ antworte ich eindringlich. „Du wirst zum wichtigsten Lebewesen auf diesem Planeten für mich! Das sollte man nicht so schnell aufgeben, oder?“

Sie reibt ihren Kopf an meinem Knie und schenkt mir wieder diesen Blick, der Männerherzen schmelzen lässt.

„Wie willst du gegensteuern?“

„Es gibt eine Reihe negativer Einflüsse, die man kennen muss: erstens, wenn wir uns des anderen nicht mehr bewusst sind, wenn uns der andere egal zu werden beginnt. Zweitens das unstillbare Verlangen nach mehr. Wenn uns der andere nicht mehr genug ist. Drittens, wenn das Mitgefühl schwindet und der Selbstsucht Platz macht. Viertens die Angst vor der Vergänglichkeit, vor dem Ende des Mitgefühls. Fünftens, wenn die Gefühle nicht mehr bestimmen, sondern das körperliche überhandnimmt. Sechstens, nur noch zu glauben, was man sieht. Wenn also die Rationalität mehr Gewicht bekommt als die Emotionalität. Und siebtens die Besserwisserei, die verblendete Selbstüberzeugung, der Fanatismus. Auf solche Anzeichen müssen wir achten. Auch du kannst mich darauf aufmerksam machen, sollte dir etwas Derartiges in unserer Beziehung auffallen!“

„Das werde ich, Dieter – oder wie soll ich dich nennen?“

„Als Doggie redest du mehr über Mimik und Gestik. Darüber – die nonverbale Kommunikation – kannst du eher Gefühle rüberbringen, aber auch Absichten kann man daraus lesen. Für rationale Gespräche muss ich dir vorher das Sprechen erlauben. Dann nenne mich, wie es dir dein Gefühl sagt! Jetzt wird es sicher noch mein Vorname sein. Je mehr Verantwortung du an mich überträgst, je mehr du dich dadurch mir unterordnest, desto richtiger wird dir die Bezeichnung ‚Herr‘ erscheinen. Dann gib deinem Gefühl nach und nenne mich ‚Herr‘.“

„Du bestehst nicht von Anfang an auf diesen Titel?“

„Ich habe dir ja gesagt, ich gehöre nicht zu der ‚Ohne-Anlauf-Fraktion. Viel ehrlicher finde ich, wenn du irgendwann aus deinem Gefühl heraus diesen Titel wählst, wenn du dich vertrauensvoll in deine Rolle ‚fallenlassen‘ kannst.“

Biggi schaut mich mit großen Augen an.

„Du setzt voll auf die Macht der Gefühle…“

„Ja, das tue ich,“ bestätige ich. „Und du siehst an Paul und Lena, wie gut beide damit fahren.“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:53

„Und bevor es soweit ist… Was ist, wenn wir nicht über das Stadium gegenseitiger Sympathie hinaus kommen, wenn sich keine Liebe entwickeln will?“

„Es kann sein, dass wir irgendwo eine emotionale Blockade entdecken, dass tiefere Gefühle also nicht aufkommen wollen. Das sollten wir akzeptieren und auf dem emotionalen Level bleiben – heißt: Wir sollten dann den Grad der Freundschaft, den wir erlangt haben, zu halten versuchen! Ich würde als dein – mit dir befreundete – Herr dein Wohl im Blick haben und dir eine große Stütze sein. Wir könnten uns treffen, das Rollenspiel miteinander leben – gern auch unter Einbeziehung von Paul und Lena. So entsteht ein größerer Freundeskreis. Durch Lena fühlst du dich nicht alleine. Wir beide, Paul und ich, werden andere hinzu gewinnen und vielleicht ist darunter dann ein Herr, zu dem deine Gefühle mit der Zeit tiefer werden. Ich werde dir dann nicht im Weg stehen aus möglicher Eifersucht! Ich würde dich stattdessen unterstützen dein Wohl unter diesem Herrn zu finden.“

„Aber dann wärst du doch wieder allein!“

„Nein, Biggi. Ich habe dann immer noch eine gute Freundin – dich.“

Biggi schüttelt bedächtig den Kopf.

„Du bist so anders, so völlig anders…“

*

Wir sind schon ein paar Wochen zusammen. Lena mag meine Nähe. Sie kuschelt sehr gerne. Ich denke, sie hat noch nie einen Freund gehabt, der so einfühlsam auf sie eingegangen ist; der sein Ego soweit zurückgestellt und ihre Person so in den Vordergrund gestellt hat, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen. So in etwa muss sich ein Welpe fühlen, der von einem erwachsenen Rudelmitglied betreut wird.

Nach dieser Eingewöhnungsphase sage ich ihr, als wir wieder einmal gemeinsam Haut an Haut auf der Couch liegen:

„In Zukunft wirst du, wenn du in deiner Rolle bist, nur noch nach meiner Erlaubnis sprechen! Natürlich sollst du nicht still duldend tun, was ich von dir will. Du sollst deine Absichten und Gefühle - statt stimmlich – nonverbal über Gestik und Mimik äußern. Nimm dir Tapsy zum Vorbild! Sie redet mit uns, sagt uns was sie fühlt und was sie möchte. Genauso solltest auch du in deiner Rolle auch ‘reden‘.“

„Hmm,“ macht sie und schaut Taps an, ihre Mops-Hündin, die vor der Couch liegt. Tapsy hebt den Kopf und schaut zu ihr auf.

„Siehst du,“ sage ich. „Tapsy kennt dich jetzt schon einige Jahre. Sie kann deine Gestik und Mimik, aber auch deinen Tonfall deuten. Du hast dich ihr zugewandt und sie zeigt, dass sich ihre Aufmerksamkeit auf dich richtet.
Auch wir Menschen erlernen nach unserer Geburt zuerst die nonverbale Kommunikation unter Menschen, Blicke, Gesten und Laute. Als Babys leben wir noch für den Augenblick und zeigen der Umwelt unsere augenblicklich empfundenen Emotionen, wie bei Taps. Menschen entfernen sich im Laufe der ersten Lebensjahre von dieser Beobachtungskommunikation. Tieren bleibt die Kommunikation über die Sprache verschlossen. Sie entschlüsseln Körpersignale ihres Gegenübers und reagieren entsprechend. Viele dieser nonverbalen Signale fasst die Verhaltensforschung unter dem Begriff ‚Beschwichtigungssignale‘ zusammen. Sie werden zur Konfliktlösung angewandt und bauen beim Gegenüber Spannungen ab.“

„Und welche sind das?“

Lena schaut mich interessiert an. Taps legt ihren Kopf wieder auf ihre Vorderpfote und scheint zu dösen, aber ihre Ohren bewegen sich. Sie ist weiterhin aufmerksam.

„Da gibt es eine ganze Reihe, die du bestimmt alle schon bei Taps bemerkt hast – vielleicht unbewusst,“ erkläre ich ihr. „Zum Beispiel den Kopf abwenden, oder gar den ganzen Körper wegdrehen, die Pfote heben, sich kratzen, die Augen zusammenkneifen, ohne Grund und spontan auf dem Boden herum schnüffeln, in der Bewegung erstarren oder sich wie in Zeitlupe bewegen, den Vorderkörper tiefstellen, sich hinsetzen oder hinlegen, auf den Rücken drehen.
Alle diese Signale sind in ihrer Bedeutung mehrfach belegt. Je nach Situation beinhalten sie also unterschiedliche Botschaften. Wir müssen als Menschen, die wir mit Hunden umgehen, daher immer den gesamten Kontext im Blick haben. Als ‚Gesprächspartner‘ des Hundes müssen wir lernen unbedingt entsprechend zu reagieren, da eine gegenteilige Reaktion vom Hund als Unberechenbarkeit bewertet wird, und das Vertrauen, sowie die Bindung, verloren geht.“

„Hm, und was bedeutet das jetzt für mich als Doggie?“

„Als Gesprächspartner eines Doggie habe ich es leichter. Ein Missverständnis lässt sich zwischen uns verbal aufklären. Für dich bedeutet es: Schau dir bei Taps ab, in welchen Situationen sie welche Gestik und Mimik zeigt und verwende sie dann genauso ihr und mir gegenüber.“

„Das stelle ich mir schwierig vor, Paul.“

Mag sein, wenn du dich von jetzt auf gleich nonverbal ausdrücken sollst. Auch hier gilt: Steige langsam, Schritt für Schritt, in die nonverbale Kommunikation ein.
Ein Beispiel: Du möchtest mit mir oder Taps spielen. Du nimmst ein hundegerechtes Spielzeug, sei es ein Ball oder ein Spielzeugknochen, lässt ihn zwischen dich und deinen möglichen Spielpartner fallen, beugst deine Ellbogen bis dein Kopf fast die Erde berührt, während dein Hintern wegen gerader Oberschenkel in den Himmel zeigt und schaust deinen Spielpartner an, ohne ihn zu fixieren. In den meisten Fällen hat diese Spielaufforderung Erfolg.“

„Und wie geht so ein Ballspiel zum Beispiel zwischen Hunden?“

„Du hast doch oft genug mit Tapsy gespielt. Du spielst ihr den Ball zu und sie dir. Der Ball rollt vielleicht nicht direkt in deine Richtung, also läufst du auf allen Vieren dem Ball hinterher. Taps wird dasselbe tun. Als ihr Frauchen hast du sie den Ball schnappen lassen und gewartet, ob sie ihn dir wieder abgibt. Oft hat sie ihn aber längere Zeit behalten, bis er ihr langweilig wurde. Als Doggie wirst du ihr den Ball nicht überlassen, sondern ihn mit der Vorderpfote fassen und unter deinen Körper in Sicherheit bringen.
Es kann nun sein, dass Taps den Ball nicht so einfach hergeben will. Sie schnappt danach. Du knurrst leise. Sie wird nun vom Ball ablassen, weil sie über deine Reaktion überrascht ist. Dann wird sie dich womöglich anknurren. Lass nun Ball Ball sein. Knurre zurück, nimm aber die Spielverbeugung wieder ein, wende den Blick dabei ab und vielleicht sogar den ganzen Kopf. Damit signalisierst du zwar ‚MEIN BALL‘, aber es wirkt nicht bedrohlich. Taps wird nicht nachstehen wollen und macht dich komplett nach. Wer sich zuerst zurückzieht, steht in der Rangfolge unter dem Anderen. Ich rate dir also, die Nerven zu behalten in diesem Spiel. Das ist genauso, wie bei zwei Menschen, die Schach spielen…“

„Oh,“ macht Lena.

„Es ist halt etwas anderes, ob nur Owner und Doggie vorhanden sind, oder noch ein echter Hund dazu gehört,“ sage ich und zucke mit den Schultern. „Aber erstens kann ich eingreifen, sollte es gefährlich werden, zum Anderen haben wir uns darin verständigt, dass deine Hündin in unserem Haushalt verbleibt, dass wir sie nicht weg geben! Auch hast du dadurch die Chance, eine Menge von ihr und über sie zu lernen.“

„Hm,“ macht Lena nach einer kurzen Pause und rückt noch näher an mich heran. Sie schürzt die Lippen und drückt mir einen Kuss auf den Mund, den ich gerne erwidere.

Dabei beginnen ihre Hände über meinen Körper zu wandern und auch stehe in nichts nach. Es wird eine himmlische Nacht.

Am nächsten Morgen wache ich durch einen Kuss Lenas auf. Es ist Sonntag und die Sonne steht schon über dem Nachbarhaus. Lena ist nackt und sagt:

„Das Frühstück ist fertig, Herr.“

Ich ziehe sie an mich heran, nehme ihren Nippel in den Mund und massiere ihn mit der Zunge. Lenas Atem geht schneller. Dann drehe ich mich etwas, setze mich auf und streichel zärtlich über ihr Haar.

„Danke dir, Liebes,“ antworte ich, stehe auf und ziehe mir meine Schlafanzughose an.

Lena seufzt und folgt mir in die Küche, wo ich mich an den liebevoll gedeckten Tisch setze. Taps frühstückt schon an ihrem Napf. Während des Frühstücks fragt Lena plötzlich:

„Wann beginnst du denn mit dem Kommandotraining?“

„Du willst wissen, wie es richtig ist, auf SITZ, PLATZ, HOL, BEI FUSS, FREI zu reagieren?“

„Das ist es doch bestimmt, was das Dogplay ausmacht, denke ich…“

„Jaein, Liebes. Wenn wir SMler wären und ich als dein Herr würde entscheiden, dass du heute mal meine Doggie spielen wirst, dann müsstest du auf die Kommandos reagieren – und ich würde dich mittels Stock und anderen Hilfsmitteln korrigieren.
Bei uns liegen die Dinge anders: Du bist kein Roboter, der nur auf Kommandos entsprechend reagiert. Du bist ein Lebewesen mit Gefühlen, wie Taps. Und wie Taps als Welpe ein gutes halbes Jahr brauchte, gebe ich auch dir Zeit allmählich in die Rolle zu finden. Zuerst einmal die nonverbale Kommunikation, nebenbei das Gehenlernen auf allen Vieren. Dann kommt das Kommandotraining – und zwar ohne dass ich dir verbale Erklärungen gebe. Taps würde verbale Erklärungen auch nicht kognitiv verstehen!“

„Oh,“ meint Lena und schaut mich groß an. Nach einer Gedankenpause fragt sie dann: „Du hast eben das Kommando FREI erwähnt. Was bedeutet das?“

„Eine Bekannte aus dem Münchner Umland hat mir einmal gesagt, dass sie und ihr Freund seit drei Jahren Dogplay machen. In dieser Zeit war sie permanent Doggie. Nur dass ihr Körper sie ab und zu zwang aufzustehen, meinte sie im Gespräch. Also rund um die Uhr auf allen Vieren, wäre ihr nicht möglich.
Es gibt im Dogplay neben den üblichen Hundekommandos noch einige spezielle. Eins davon ist das FREI. Wenn ich das sage, kannst du dich danach frei bewegen, bis ein nächstes Kommando kommt. Überspitzt gesagt: Du kannst aufstehen, zweibeinig umher gehen, Purzelbäume schlagen, oder was auch immer dir in den Sinn kommt. Ich fände es nur schön, wenn alles was du tust spontan aus dem momentanen Gefühl heraus kommt, statt wohlüberlegt zu sein.“

„Ahso,“ macht Lena nun und frühstückt weiter.

Nachdem wir fertig sind, räume ich den Frühstückstisch ab und schlage vor:

„Wenn du magst, machen wir doch ein Stündchen lang praktische Übungen zu dem, was wir gestern Abend besprochen haben…“

„Was muss ich da machen?“ fragt Lena.

„Geh‘ erst einmal auf alle Viere.“

„Gibst du mir bitte die Knieschoner?“

Ich schüttele den Kopf und antworte:

„Heute gehen wir einen Schritt weiter. Draußen bekommst du noch die Knieschoner, damit du ab und zu eine Pause machen kannst, dafür deine Knie auf den Boden stellst und dich dabei nicht an einem möglicherweise spitzen Steinchen verletzt. Hier drinnen brauchst du die Knieschoner nicht mehr. Du sollst ab jetzt versuchen auf den Händen und Zehenballen zu gehen. Also bleiben die Knie eine knappe Fußlänge in der Luft.“

Lena versucht es, setzt nach zwei Schritten die Knie wieder auf den Boden, setzt sich auf ihre Fersen und schaut mich an.

„Das ist ganz schön anstrengend,“ meint sie.

„Am Anfang ist nichts leicht,“ gebe ich ihr zu bedenken. „Trainiere das und du wirst sehen, dass du immer weitere Strecken so zurücklegen kannst.“

„Was ist, wenn ich draußen kleine Steinchen zwischen die Zehen bekomme oder damit meine Zehenballen verletze?“

„Du hast doch deine Ballerinas. Wir kaufen noch welche und lassen vorne eine dicke Ledersohle drunter kleben!“

„Okay, das wird funktionieren.“

„Siehst du.“

Ich nehme einen kleinen Ball und werfe ihn leicht in Lenas Richtung. Der Ball berührt zwei Meter von mir entfernt den Boden und rollt weiter in Lenas Richtung. Taps hebt den Kopf und schaut in unsere Richtung.

Lena beugt ihre Ellbogen und versucht den Ball mit ihren Zähnen zu fassen.

„Nein,“ sage ich und schüttele mit dem Kopf. „Dafür ist der Ball zu groß. Halte ihn zwischen deinen Händen fest und gib ihm mit der einen Faust einen Stoß in meine Richtung.“

Sie macht es. Während der Ball auf mich zurollt – ich habe mich in der Zwischenzeit hingehockt -, steht Tapsy auf und kommt heran. Sie läuft hinter dem Ball her und nimmt ihn unter ihre Brust.

„Wie interpretierst du ihre Geste?“ frage ich Lena lächelnd, die in der ‚Spielverbeugung‘ an ihrem Platz verharrt.

„Ich weiß nicht…“ sagt sie.

„Das kann man mit einem Wort beschreiben: MEINS!“ antworte ich. „Taps ist zu klein, um den Ball zwischen ihren Vorderpfoten zu halten oder zwischen den Zähnen.“

Ich habe mich Taps genähert und greife nach dem Ball. Taps knurrt verhalten, wendet aber ihren Kopf ab. Ich streichele ihre Flanke und ziehe dabei ihr den Ball unter dem kleinen Körper hervor.

„Ich lasse den Ball jetzt springen. Wohin er rollt lässt sich dann nicht sagen. Versuche ihn zu fangen, Liebes. Kommt dir Tapsy zuvor, dann nimm ihn ihr ab! Aber achte dabei auf deine und ihre Körpersignale. Versuche eine einfache Kommunikation mit Tapsy, wie ich dir das gestern erklärt habe.“
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Beitragvon SirHermann » 23. Feb 2016 12:56

Lena nickt und ich lasse den Ball leicht aufspringen. Er rollt danach in Richtung Schrank. Meine Doggie und unsere Mopsdame laufen los. Natürlich ist Tapsy zuerst beim Ball und hält ihn in ähnlicher Weise wie eben fest. Diesmal schaut sie sich nach Lena um.

Lena kommt heran und bleibt unschlüssig vor Taps stehen. Dann versucht sie mit einer Faust den Ball unter Tapsy hervor zu stoßen, denn danach greifen darf sie als Doggie nicht. Taps beginnt wieder zu knurren. Diesmal lauter und sie schaut Lena direkt an.

„Du musst Beschwichtigungssignale senden, Liebes,“ rate ich ihr, da Lena einen Schritt zurück gewichen ist.

Lena schaut mich mit gerunzelter Stirn an.

„Und wie soll das gehen?“

„Taps soll erkennen, dass du mit ihr ‚auf Augenhöhe‘ spielen willst. Schwanzwedeln fällt flach. Geh in die Spielverbeugung, jedoch so nahe, dass du mit einer Hand bequem den Ball erreichen kannst. Dann wende den Blick oder sogar den Kopf ab und stoße sanft gegen den Ball. Entweder gibt sie ihn dir freiwillig oder sie signalisiert dir immer noch MEINS.
Im ersten Fall nimmst du ihn und läufst damit weg, indem du den Ball mit schwachen Stößen vor dir her treibst. Taps wird dir folgen und den Ball zurück haben wollen. Nach kurzer Zeit solltest du sie wieder an den Ball ran lassen.
Im zweiten Fall, dass sie dich noch einmal anknurrt – diesmal leiser und ebenfalls angewandtem Kopf und/oder Wedeln mit dem Schwanzstummel – erwiderst du das leise Knurren und machst sie auch sonst nach. Dabei presst du deine Faust so gegen den Ball, dass er wegrollt sobald sie ihn loslässt.
Bleibt sie dagegen bei dem schärferen Knurren, dann lass ihr den Ball. Dann komm zu mir. Eine Eskalation muss unter allen Umständen vermieden werden!“

„Und wie geht das – Knurren?“

Ich grinse.

„Probiere es mit einem Schnarchlaut und modifiziere ihn soweit du kannst, so dass du dich ihrem Knurren annäherst. Taps wird das schon verstehen.“

Lena nähert sich Taps wie besprochen und knurrt sie leise an. Tapsy ist davon so überrascht, dass sie den Ball los lässt. Lena nimmt ihn und entfernt sich damit, indem sie ihn vor sich her treibt. Taps läuft nun bellend hinter Lena her, überholt sie und gibt dem Ball eine andere Richtung. Schon steht sie wieder über ihrer Eroberung und schaut Lena an. Lena schaut zu mir.

„Das ist Ballspielen nach Hunderegeln,“ sage ich lächelnd. „Jetzt geht alles wieder von vorne los: Du musst Taps auffordern den Ball abzugeben, damit ihr wieder den rollenden Ball erhaschen könnt.“

Also drückt Lena wieder gegen den Ball, mit abgewandtem Blick, in Spielverbeugung und sanftem ‚Knurren‘. Kurz darauf wiederholt sich die Jagd und wieder hat Taps den Ball erobert. So geht das eine ganze Weile. Dann lässt Taps zwar den Ball los, aber Lena nicht an den Ball heran. Stattdessen nähert sich Taps knurrend mit der Schnauze Lenas Mund, die vor Schreck aufhört zu Knurren und aus der Spielverbeugung hoch kommt.

„Jetzt hast du das Spiel verloren, Liebes,“ sage ich. „Du hättest Nerven zeigen müssen und unten bleiben. Taps hätte dich in dieser Situation nie gebissen! Aber tröste dich: was passiert ist, ist völlig normal. In einem Rudel nennt man das Rangkämpfe. Du hast Taps gerade einen höheren Rang zugebilligt. Das kann sich beim nächsten Mal schon wieder ändern, wenn du dann mehr Nerven zeigst. – FREI!“

Lena kommt in den Zweifüßler-Stand hoch und ich sage noch:

„Machen wir für jetzt Schluss mit dem Dogplay. Vielleicht heute Nachmittag wieder.“

*

Ich, Dieter, habe meine neue Bekannte Biggi über Nacht an meiner Seite schlafen gelassen. Bevor wir eingeschlafen sind, hat Biggi mich tatsächlich in sie eindringen lassen mit dem ganzen Drumherum, das ich ihr versprochen hatte. Schließlich hat sie mich nicht mehr losgelassen und ist mit einem Lächeln eingeschlummert.

Am nächsten Morgen bin ich aufgestanden, habe uns das Frühstück gemacht und sie hat auf allen Vieren an meiner Seite gefrühstückt.

Später habe ich mich auf die Couch gesetzt und sie mit einem HOPP neben mich auf die Couch gerufen. Mit leiser Hintergrundmusik aus der Anlage und ihrem Kopf auf meinem Oberschenkel döse ich eine Weile vor mich hin als sie den Kopf hebt.

„Verstehen Hunde eigentlich, was Menschen miteinander sprechen, oder wenn Menschen auf ihre Hunde einreden?“

Ich schüttele lächelnd den Kopf.

„Nein, Biggie. Das ist für sie nur eine Folge unterschiedlicher Töne ohne jeden Sinn. Aus der Schnelligkeit der Tonfolge, Tonhöhe und Fibrationen in der Stimme können sie aber auf die Stimmungslage des Sprechers schließen.“

„Aber wie verstehen sie dann die Kommandos?“

„Man trainiert mit ihnen. So lernen sie, dass eine bestimmte Tonfolge für eine bestimmte Bewegung steht, die der Mensch von ihnen erwartet. Schau mal, wenn ein Hund etwas angestellt hat, das mich zum Schimpfen verleitet, versteht der Hund nur ‚Timmi, blablablabla…‘ Aus Tonfall, meiner Körperhaltung und meiner Mimik liest er aber heraus, dass eine große Spannung besteht. Dem begegnet er mit Beschwichtigungssignalen: Er dreht zum Beispiel den Kopf zur Seite. Kennt der Mensch das nicht, würde er möglicherweise ausflippen, weil ‚der Hund mir zuhören soll‘. Das gehört aber zum - in dieser Situation angemessenen – Ausdrucksverhalten von Hunden.
Also muss man seinem Hund kurze Tonfolge bieten. Sie sollte klar unterscheidbar sein – SITZ, KOMM, BLEIB - und im Tonfall zur aktuellen Situation passen – freudig oder mit Nachdruck -. In jedem Fall aber keine Sätze bilden!“

„Ich höre aber soviele Menschen mit ihren Hunden reden…“ meint Biggi.

„Das ist menschlich. Man möchte sich mitteilen, mag die Aufmerksamkeit, die Hunde scheinbar zeigen. Nur sollte man nicht erwarten, dass der Hund den Tonschwall versteht. Aber er versteht die Stimmung seines Menschen deutlich!
Wie aber versteht der Hund seinen Menschen wirklich? Ein einfaches KOMM wirkt nur, wenn der Hund sich angesprochen fühlt! Vor das Wortkommando sollte grundsätzlich eine unmissverständliche Ansprache erfolgen. Als dieses ‚Aufmerksamkeitskommando‘ fungiert der Name des Hundes. Sie wissen dann, dass sie gemeint sind.
Wichtiger als die Akustik ist für den Hund aber die Optik. Stimmt Kommando und Gestik/Mimik nicht überein, verunsichert das den Hund. Es ist sogar möglich, Hunde ausschließlich über Gestik und Mimik zu führen. Sie lassen sich leichter führen, wenn man eine ruhige Körperspannung hat. Auch betrachten sie ihren Menschen mit einer präsenten Ausstrahlung als eher führungsfähig und sind dadurch motivierter.“

„Du weißt so viel…“

Ich zucke lächelnd mit der Schulter.

„Wenn man sich damit beschäftigt…“

Biggi legt ihren Kopf wieder auf meinen Oberschenkel und wir beide hören dösend der Musik zu. Eine ganze Weile später dreht sie wieder ihren Kopf und schaut zu mir auf.

„Wie geht eigentlich das Kommandotraining? Was passiert da?“

„Dein letzter Dom, mit dem du zum Petplay gekommen bist, hat das mit dir doch schon gemacht… Wie hat er das angefangen?“

„Er hat mir gesagt, wie diese oder jene Stellung auszusehen hat und was ich bei diesem oder jenem Kommando zu tun hab. Hab ich das nicht zu seiner Zufriedenheit getan gab es Schläge.“

„Ja, klar. Bei mir ist alles etwas anders…“

„Ich weiß,“ antwortet sie lächelnd, legt mir ihre Arme um den Hals, zieht sich hoch und küsst mich auf den Mund.

Wenig später duellieren sich unsere Zungen bei geöffneten Lippen. Kurz darauf hole ich tief Luft und sage:

„Du willst also das Kommandotraining wiederholen? Diesmal halt nach meiner Methode.“

„Ja,“ haucht Biggi.

„Dann runter von der Couch und nur noch im Notfall sprechen!“

Sie erhebt sich und rutscht vorsichtig auf allen Vieren von der Couch. Nun kann ich mich auch erheben. Sie schaut aufmerksam zu mir auf. Ich nehme eine Schachtel mit Schokolade-Krümel in die Hand, die auf dem Couchtisch gestanden hat und stelle mich vor Biggi hin.

„Als Erstes brauchst du einen vom Eigennamen abweichenden Codenamen. Spreche ich dich damit an, wirst du später sofort ins Dogplay wechseln. Aber bis dahin vergeht noch etwas Zeit. Du sollst ja allmählich hinein finden. Ich wähle für dich AIKA. Verwende ich also AIKA im Zusammenhang mit einem Kommando, weißt du dass du gemeint bist. Auch wenn mehrere Doggies anwesend sind.“

Ich setze mich im Schneidersitz vor Biggi und sage in ruhigem Ton AIKA. Biggi schaut mich an und bekommt dafür von mir einen Schoko-Krümel zwischen ihre Lippen gesteckt. Ich belohne sie also dafür, dass sie mir ihre Aufmerksamkeit schenkt, weil ich das Wort AIKA ausgesprochen habe.

Auch lobe ich sie: „Fein, AIKA, das hast du gut gemacht. Gutes Mädchen!“

Dann sage ich: „AIKA, SITZ!“

Biggi kennt durch den Vorgänger-Dom das Kommando schon. Die Ausführung ist daher korrekt.

„Hm,“ sage ich nun. „es wäre interessanter, du wärst ein Neuling und ich müsste dir die korrekte Ausführung noch beibringen. Aber was soll’s – da kommt sicher noch das eine oder andere Kommando, das du noch nicht kennst. Jetzt passe einmal auf. Geh nochmal auf alle Viere!“

Biggi kommt hoch und ich sage: „AIKA, SITZ!“

Dabei hebe ich den rechten Zeigefinger. Biggi setzt sich wieder auf alle Viere.

„Gut gemacht, AIKA,“ sage ich. „Und jetzt noch einmal hoch!“

Biggi stellt sich wieder auf alle Viere und schaut dabei aufmerksam zu mir. Ich hebe den rechten Zeigefinger ohne etwas zu sagen. Sie schaut etwas irritiert, wartet einen Moment und setzt sich dann wieder auf ihre Fersen. Jetzt gebe ich ihr einen weiteren Schoko-Krümel.

„Gutes Mädchen,“ sage ich. „Du siehst, Kommandos können verbal erfolgen; verbal und mit einer Geste begleitet oder nur durch eine Geste. Letzteres ist dann nötig, wenn die Umgebung so laut ist, dass du ein verbales Kommando nicht verstehst – oder im fortgeschrittenen Stadium beim Dog-Dancing.“

„Dog-Dancing?“ fragt sie und kräuselt die Stirn.

„Ja, man kann zu einer Musik eine Choreographie entwerfen und als Owner mit Doggie vor Publikum vorführen. Mit echten Hunden macht man das schon.“

„Oh,“ meint Biggi und verstummt wieder.

Nach einem Augenblick beginne ich mit dem nächsten Kommando. Ich zeige ihr einen Schoko-Krümel und halte ihn ihr direkt vor die Nase. Sie öffnet den Mund. Aber ich bewege meine Hand in Richtung Boden. Biggi folgt meiner Hand, indem sie die Ellbogen beugt. Ich drücke mit der freien Hand zusätzlich ihren Hintern runter. Sobald sie ihren Rumpf auf dem Boden hat, sage ich PLATZ und gebe ihr die Schokolade.

„Siehst du, das war schon das nächste Kommando,“ sage ich. „Auch das hast du gut gemacht, AIKA! Komm nun wieder hoch.“

Sie kommt wieder in den Vierfüßler-Stand und ich sage PLATZ und zeige ihr die Handfläche meiner rechten Hand. Sofort geht sie wieder runter. Sie bekommt ihre Schokolade. Dann versuche ich das Ganze noch einmal nur mit dem Handzeichen.

Ich zeige ihr, wie stolz ich auf sie bin, und fahre in der selben Weise fort mit den weiteren Kommandos. Nach PLATZ kommt BLEIB. Biggi soll danach irgendwo sitzen oder liegen bleiben, ohne von sich aus aufzustehen.

Es mag sein, dass die Doggie trotzdem zwischendurch aufsteht, weil ihr langweilig geworden ist oder ihr die Glieder eingeschlafen sind. Das sollte für den Owner kein Grund sein sein Doggie zu bestrafen. Die Doggie ist ein fühlendes Wesen und sie soll ermuntert werden, ihre Gefühle zu zeigen. Stattdessen soll der Owner geduldig sein und das Kommando wiederholen. Sollte sie ein Kribbeln spüren, weil die Blutzufuhr an den Gelenken unterbrochen war, wird sie ihren Owner schon informieren.

Die nächsten Kommandos für Biggi sind ZU MIR für das Heranrufen, DECKE um sie auf ihren Platz zu schicken, der durch eine Decke in einer Ecke des Raumes gekennzeichnet ist, AUS, damit sie etwas los- oder fallenlässt, GIB PFÖTCHEN.

Dieses letzte Kommando ist dem Milchtritt entlehnt, mit dem echte Welpen den Milchfluss bei der Mutter anregen. Wir nutzen dieses Kommando, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Das gleiche kann man unter echten Hunden manchmal beobachten.

Dann bringe ich ihr KOMM MIT bei. Biggi soll auf das Kommando oder entsprechende Handzeichen hin mitkommen oder hinter mir her laufen. Ich benutze das Kommando, um Biggi in den Garten zu locken. Im Garten nehme ich einen Plastikknochen vom Boden auf, zeige ihn ihr und werfe ihn weg. Sie folgt dem Flug des Knochens mit den Augen. Ich sage HOL, und sie will auf allen Vieren dorthin laufen, wo der Spielknochen zu Boden gefallen ist.

„Nein,“ sage ich laut. „Auf deine Hinterbeine, damit das Apportieren nicht zu lange dauert!“

Also steht sie auf, läuft zum Knochen hin, hebt ihn auf und kommt zurück gelaufen. Sie übergibt mir den Knochen und zögert. Man sieht ihr an, dass sie unsicher ist. Darum sage ich SITZ. Dann lobe ich sie und gebe ihr ihre Belohnung.

„Das Kommando kanntest du also noch nicht,“ bemerke ich.

Sie legt wieder ihre Stirn in Falten und schüttelt den Kopf. Ich sage also:

„Du darfst sprechen.“

„Nein, Herr,“ sagt sie und atmet schnell. „Bisher sollte ich auf allen Vieren bleiben.“
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